Neuer Ordensbericht:: 9 Patres missbrauchten Kinder sexuell

Neuer Ordensbericht:: 9 Patres missbrauchten Kinder sexuell

Der Redemptoristenorden hat einen neuen Missbrauchsbericht vorgelegt. Das der Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn vorliegende Dokument berichtet über 16 Patres, die zwischen 1949 und 1968 sowie vereinzelt bis in die 80er Jahre hinein Kinder und Jugendliche misshandelten. 9 der Patres hätten insgesamt 28 ehemalige Internatsschüler sexuell missbraucht, heißt es in dem Bericht des Leverkusener Amtsgerichtsdirektors Hermann-Josef Merzbach, der seit 2003 Missbrauchsbeauftragter des Ordens ist. Seit 1990 habe es keine Fälle mehr gegeben.

Der Bericht bezieht sich auf die frühere Kölner Provinz des Ordens, die sich über West- und Norddeutschland erstreckte und 2005 mit der niederländischen, flämischen und Schweizer Provinz zusammenging. Als Tatorte nennt der Bericht Aachen, Bonn, Hennef, Eltville und den deutsch-niederländischen Grenzort Glanerbrück bei Gronau. Zudem gebe es einen ungesicherten Anhaltspunkt für ein Missbrauchsgeschehen in einer Missionsstation. Von den mit Vorwürfen belasteten Patres lebten nur noch drei. Sämtliche Fälle seien strafrechtlich verjährt.

Nach Ordensangaben handelt es sich nicht um einen abschließenden Bericht, da sich weiterhin Opfer meldeten. In dem Untersuchungszeitraum von März 2010 bis November 2011 habe der Orden offensiv nach möglichen Opfern gesucht und dafür alte Schülerlisten und teils professionelle Suchdienste bemüht. Zudem habe es drei moderierte Gespräche zwischen Opfern und Ordensverantwortlichen gegeben. Insgesamt hätten 89 ehemalige Schüler Auskunft gegeben. Ein im März 2010 vorgelegter erster Bericht Merzbachs listete 7 Patres als Täter und 15 Opfer auf.

Nach dem neuen Bericht fanden die meisten Taten zwischen 1950 und 1968, also in der Nachkriegszeit statt. Die Täter hätten den Missbrauch hinter dem Schein einer positiv wahrgenommenen Arbeit mit Jugendlichen verstecken können und ihre Opfer durch ein Regiment des Schreckens, Strafen und Belohung, Nachspionieren durch Spitzel, Unterdrückung und Gewalt ausgenutzt. Für die Kinder sei es unmöglich gewesen, diesem System zu entrinnen.

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Bei allem habe Aufsicht gefehlt oder versagt, heißt es. Für die damaligen Ordensverantwortlichen habe die Regel gegolten, dass die Vorfälle nicht die Öffentlichkeit erreichen. Ihre Entscheidungen seien davon geprägt gewesen, den Orden zu schützen, nicht aber die Kinder. Nur in einigen Fällen, in denen nichts mehr zu verheimlichen war, sei das Prinzip der Vertuschung aufgegeben und der jeweilige Täter versetzt worden. "Für uns Redemptoristen sind die Berichte der Betroffenen beschämend; bewusst aber wollen wir uns auch dieser dunklen Seite der Geschichte unserer Gemeinschaft stellen", erklärte Ordensprovinzial Johannes Römelt.

In Bonn, wo die Redemptoristen heute noch ein Gymnasium und eine Realschule unterhalten, liegen die Vorfälle in den Jahren bis 1968, wie Römelt betonte. Derzeit geht Merzbach aber Vorwürfen nach, wonach ein Pater des Bonner Collegium Josephinum Schülern nach dem Unterricht mehrfach "einen Klaps auf den Hintern" gegeben habe soll. Zudem geht es um die Frage, ob dieser Pater und ein weiterer Redemptorist Schülern Fieberzäpfchen ohne Einwilligung der Eltern verabreicht haben. Ein Mutter hat Anzeige erstattet.

Die 2005 durch Zusammenschluss entstandene Redemptoristenprovinz Sankt Clemens mit Sitz im niederländischen Wittem zählt nach eigenen Angaben derzeit 240 Mitglieder, darunter rund 85 im Gebiet der früheren Kölner Provinz. Ihr gehörten 1959 rund 240 Patres an.

Hier geht es zur Infostrecke: Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird?

(KNA)
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