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Drei RP-Leser der ersten Stunde berichten von den Anfängen der RP

75 Jahre Rheinische Post : Drei Leser der ersten Stunde erzählen von den Anfängen

Heinz Willi Kleinen, Hildegard Horr und Margret Ungruh sind RP-Leser der ersten Stunde. Sie erzählen, wieso sie die Rheinische Post noch heute lesen und was mit der Zeitung früher alles gemacht wurde.

Dass Heinz Willi Kleinen einmal die RP abonnieren würde, war für ihn von Anfang an klar. „Meine Mutter und meine Großmutter hatten die Rheinische seit dessen Gründung“, sagt Heinen. Nach der Hochzeit mit seiner Frau und dem Umzug in eine eigene Wohnung musste dann ein eigenes Zeitungs-Abo her - natürlich eines der Rheinischen Post. „Die kannte ich ja von Zuhause.“

Spätestens seitdem ist die Rheinische Post für Heinz Willi Kleinen ein ständiger Begleiter. Seit 60 Jahren ist Kleinen Abonnent. Nicht nur ist die Tageszeitung am Frühstückstisch das Erste, das Kleinen liest - er schreibt auch noch regelmäßig selber und reicht Gastbeiträge ein. Mehrere Dutzend sammeln sich über die Jahre an. Für uns hat er sie extra auf dem Esstisch aufgereiht. Mal schreibt er dabei über seinen Arbeitgeber Monforts, mal darüber, wie er im Krieg im Westerwald schwimmen gelernt hat. In seiner Heimat Mönchengladbach, bei seinen Freunden und Kollegen habe er dadurch sogar ein gewisses Maß an Bekanntheit erreicht, sagt Heinen.

Doch vor allem in den Anfangsjahren der RP war die Zeitung für Kleinen und seine Familie weit mehr als nur eine Informationsquelle. „Wir haben die Zeitung für viele verschiedene Sachen benutzt“, sagt der langjährige RP-Abonnent. „Im kalten Winter haben wir die Fenster damit abgedichtet und als Kinder haben wir uns mit Tabakresten aus Zigarettenstummeln Zigaretten damit gedreht und die gepafft. Zigarettenpapier gab es damals ja nicht.“

Auch zum Heizen - gepresst in Briketts - oder als Umhüllung von heißen Backsteinen, die als Bettsteine wie Wärmflaschen genutzt wurden, kam die Zeitung zum Einsatz. Sogar zum Schutz vor der Prügelstrafe im Unterricht war die Rheinische Post hilfreich. „Wenn abzusehen war, dass es vom Lehrer Strafe gab, hat man sich vorher die Zeitung in die Hose gestopft und dadurch die Schläge abgeschwächt.“

Auch heute noch hat Kleinen für seine Rheinische kreative Verwendungszwecke. So umwickelt der Rentner seine Wasserleitungen mit der Zeitung und fängt damit das Schwitzwasser der Rohre auf. „Damit bleiben die Rohre von außen trocken.“ Selbst seine Nachbarn habe er von diesem Trick überzeugt. „Die machen das jetzt auch alle.“

Nur auf der Toilette ist die Zeitung heute höchstens noch als Lesestoff zu finden. Das war in den Anfangsjahren noch anders. „Wir haben die Zeitung in 14 Zentimeter große Stücke gerissen und auf der Toilette als Toilettenpapierersatz hingehängt.“ Lediglich die Druckerschwärze habe dabei so ihre Tücken gehabt, erinnert sich der 81-Jährige.

Für Kleinens Mutter war die Rheinische Post ein lebenslanger Begleiter. „Meine Mutter hat sie immer ganz genau gelesen - noch viel intensiver als ich“, sagt Kleinen. Auch seine Frau sei heute die, die sich die Zeitung ganz genau durchliest. Seit beide im Ruhestand sind, sei das gemeinsame Lesen der Zeitung zu einem Ritual geworden. Ohne Rheinische Post am Morgen gehe es nicht, sagt Kleinen. „Die Zeitung brauche ich immer. Ich muss etwas in der Hand haben.“

Und noch etwas hat sich in den letzten Jahren für Heinz Willi Kleinen zum Ritual entwickelt. „Jeden Morgen schicke ich den Newsletter der Rheinischen Post an meine Tochter weiter.“ So sind auch seine Tochter, sein Enkel und bald auch sein Urenkel, der nächsten Monat das Licht der Welt erblicken soll, stets mit den besten Informationen versorgt.

 Die 75-Jahre alte Erstausgabe der Rheinischen Post hat Hildegard Horr bis heute aufbewahrt. Für sie stieß die Zeitung ein Fenster zur Welt auf.
Die 75-Jahre alte Erstausgabe der Rheinischen Post hat Hildegard Horr bis heute aufbewahrt. Für sie stieß die Zeitung ein Fenster zur Welt auf. Foto: Jutta Schall

Ein Fenster zur Welt

Als Hildegard Horr das erste Mal die Rheinische Post in der Hand hielt, war sie neuneinhalb Jahre alt. Es war der 2. März 1946, und es war die erste Ausgabe der Post. „Als die Zeitung kam, war es, als hätte jemand ein Fenster zur Welt aufgemacht“, erinnert sich die heute 84-Jährige. „Es waren damals dunkle Zeiten. Wir haben weit auf dem Land gewohnt.“ Nachrichten erreichten die Familie – wenn überhaupt – nur sehr spät. „Meine Eltern hätten es  gar nicht mitbekommen, dass die Amerikaner einmarschiert sind, hätte ich das nicht zufällig gesehen und es ihnen erzählt“, sagt die Rentnerin.

Für ihre Familie war die morgendliche Lektüre von da an ein gemeinsames Ritual. Nur ihre zwei jüngeren Schwestern seien damals noch nicht alt genug gewesen, um sich für die Zeitung zu interessieren.

Auch für die Eltern von Hildegard Horr war die Rheinische Post mehr als nur Informationsquelle. „Papier war damals knapp. Die Papiertüten, in die der Einkauf eingepackt war, hat man aufbewahrt und genutzt, um darauf zu schreiben“, sagt Horr. Auch für die Rheinische Post gab es weitere Verwendungszwecke. „Wenn man ein Kohlebrikett in Zeitung einwickelt, dann hält es länger“, sagt Horr. Und um den Kohleofen am nächsten morgen neu anzuzünden, war die RP auch mehr als praktisch. Sogar beim Fensterputzen ist die Zeitung lange Zeit zum Einsatz gekommen.

Ein RP-Abonnement hat Hildegard Horr heute noch. „Als ich 1960 geheiratet habe und aus meinem Elternhaus nach Viersen gezogen bin, hatte mein Mann zum Glück bereits ein Abo.“ Bis heute lese sie die Zeitung von vorne bis hinten – sogar den Sport, sagt die Rentnerin und lacht. Aus dem gedruckten Medium erfahre sie mehr als aus Radio und Fernsehen. „Und ich kann es mir besser merken. Wenn ich einen interessanten Artikel in der Zeitung sehe, schneide ich ihn aus und gebe ihn an meine Kinder weiter.“ Auch ganze Zeitungen hat Hildegard Horr aufbewahrt – bisher allerdings nur zwei Stück. „Ich habe die erste Ausgabe der Rheinischen Post vom 2. März 1946 und die vom 3. Oktober 1990.“ Letztere sei auch etwas ganz Besonderes. „Auf der Titelseite steht: ‚Deutschland ist wieder vereinigt’“.

Abo der ersten Stunde

Das Abonnement, das die Eltern von Margret Ungruh 1946 abgeschlossen hatten, besteht noch heute. Nach deren Tod übernahm die heute 78-jährige Hildenerin den Bezug – und besitzt damit wohl eine  der ältesten Liefervereinbarungen  in der RP-Geschichte.

1946 ist Margret Ungruh gerade einmal drei Jahre alt. Ihre Eltern sind da gerade aus dem westfälischen Rheine nach Hilden gezogen. Dort arbeitet der Vater als Textilingenieur in einem Textilunternehmen – ein Kernbereich der Hildener Industrie zu der Zeit. Für ihre Eltern sei vor allem die Politik und der Sport interessant gewesen. „Damals hatte man ja noch viel Zeit zum Lesen“, sagt Ungruh. Entsprechend gehörte die Lektüre der Rheinischen Post für ihre Eltern zum Alltag.

Für Ungruh selbst war die Zeitung nicht von Anfang an spannend. „Als Schülerin habe ich mich dafür weniger interessiert“, sagt sie. Da seien die Freunde noch wichtiger gewesen. „Erst als Berufstätige habe ich angefangen, die Rheinische Post regelmäßig zu lesen.“

Die Hildenerin las sich zunächst vor allem im Lokalteil fest. Dort erfuhr sie von den Veränderungen in der Stadt – etwa, wenn Unternehmen nach Hilden kamen oder ein neues Kaufhaus eröffnete. Das sei damals noch etwas ganz besonderes gewesen, erinnert sich Ungruh. „Wenn meine Mutter Essen kochen wollte, musste sie vorher in vier verschiedene Geschäfte.“ Supermärkte und Discounter habe es Anfangs in Hilden gar nicht gegeben. Als die kamen, habe sich vieles verändert, sagt Ungruh.

Dass sie eines Tages das Abo ihrer Eltern übernehmen würde, stand für Ungruh von vornherein fest. Heute hat es ihr vor allem das Feuilleton angetan. „Ich bin vom Theater begeistert“, verrät die Hildenerin. Aus der RP erfährt sie, welche Stücke in der Region gespielt werden – und wie der Kritiker sie sieht.