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Concorde-Absturz 2000 - Ende einer Flugära

Historische Titelseiten : Der Absturz des Über(schall)fliegers

Das Ereignis erschütterte die Welt: Am 25. Juli 2000 stürzte in Paris direkt nach dem Start eine Concorde der Air France ab – 113 Menschen starben und das Ende des Jets wurde eingeläutet. Die Rheinische Post berichtete darüber, wir blicken zurück.

Es ist der Air-France-Flug 4590, der am 25. Juli starten soll. Rund 100 Urlauber sollen zum Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ gebracht werden, das bei New York vor Anker liegt. Der Flug wird von der Reederei Peter Deilmann gechartert. Doch statt an Bord eines Schiffes bei einer Karibikreise auf dem Meer endet die Reise für alle Menschen an Bord tödlich – und das nur wenige Sekunden nach dem Start. Insgesamt sterben 109 Insassen – darunter die Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder – und 4 weitere Menschen am Boden. Dabei handelt es sich um Angestellte eines Hotels neben der Startbahn.

Wie kann es jedoch zu diesem Unglück kommen, bei dem das Flugzeug einen Flammenschweif hinter sich her ziehend zu Boden stürzt, um dort komplett auszubrennen? Laut Angaben der Fluggesellschaft ist der Jet, der seit 1980 im Einsatz war, nur vier Tage vor dem Flug umfassend gewartet worden, die dabei gefundenen Mängel waren beseitigt worden. Dennoch verzögert sich der Start an diesem Tag um über eine Stunde, nachdem ein Defekt festgestellt wird.

Kurz vor der Concorde verlässt ein Flugzeug von Continental Airlines den Flughafen Charles de Gaulles – und hinterlässt auf der Startbahn ein knapp vier Meter langes, schmales Blech. Und genau dies wird der Concorde zum Verhängnis. Offenbar wird die Überprüfung der Startbahn nicht durchgeführt. Der Jet muss auf eine hohe Geschwindigkeit beschleunigen, um in die Luft zu kommen. Als die Machine eine Geschwindigkeit von 324 km/h erreicht hat, zerfetzt das Metallteil den vorderen Reifen des linken Hauptfahrwerks, Teile davon prallen gegen die Flügelunterseite und beschädigen das Fahrwerk. Der vollgetankte Kerosinbehälter wird dadurch noch nicht beschädigt, erst die Schockwelle des Einschlags führt zu einem Riss in einem der Tanks.

 Das Unglücksflugzeug mit brennendem Treibstoff.
Das Unglücksflugzeug mit brennendem Treibstoff. Foto: AP

Eine Concorde ist insgesamt mit knapp 119.500 Litern Treibstoff betankt, was rund 95,5 Tonnen Kerosin bedeutet. Der Kraftstoff tritt nun rasch aus. Vermutlich entstehen durch eine zusätzliche Beschädigung der Fahrwerkselektrik Funken – und die entzünden den Kraftstoff. Einen Feuerschweif hinter sich her ziehend, versuchen die Piloten ihr möglichstes, ein anderer Flughafen wird angepeilt, doch es ist bereits zu spät. Das Feuer breitet sich weiter aus. Zwei Minuten nach dem Start schlägt die Maschine bei Gonesse in der Nähe eines Hotels und in unmittelbarer Nähe zum Flughafen auf dem Boden auf und brennt komplett aus. Niemand überlebt den Absturz. Neben zwei Dänen und einer Österreicherin sind 96 deutsche Passagiere an Bord. 42 davon stammen aus Nordrhein-Westfalen.

Die „Königin der Lüfte“ stellt drei Jahre später endgültig alle Flüge ein. Inzwischen ist sie nur noch in Luftfahrtmuseen zu sehen und dort oft der große Stolz der Besitzer. Doch auch vorher schon macht den Jet vor allem der „Mythos Concorde“ aus.

 Die Absturzstelle in Gonesse bei Paris. 
Die Absturzstelle in Gonesse bei Paris.  Foto: dpa

Schon seit Mitte der 50er Jahre tüfteln Wissenschaftler an einem Überschallflugzeug. Doch erst ein Zusammenschluss von Frankreich und Großbritannien, Air France und British Airways Anfang der 60er Jahre führt zu sichtbaren Ergebnisse. Die Kosten sind enorm, allein die Entwicklung verschlingt mehrere Milliarden. Dafür soll das Prestigeobjekt europäische Concorde – also Eintracht – repräsentieren und die technische Überlegenheit demonstrieren. 1969 starten erste umfassende Tests mit mehreren Tausend Flugstunden. Die Entwicklung zieht sich noch hin, 1970 wird Mach 2, die doppelte Schallgeschwindigkeit erreicht und 53 Minuten lang gehalten. Erst 1976 starten erste kommerzielle Flüge, ein Jahr später folgen transatlantische Linienflüge nach New York.

In der Folgezeit geht es mit dem Überschallflieger rund um die Welt – blitzschnell. Die Flugzeit nach New York halbiert sich, den Atlantik kann man mit dem Jet in drei bis dreieinhalb Stunden überqueren. Doch auch wenn es eine enorme Zeitersparnis gibt, hat die Concorde auch etliche Nachteile. Zu laut, gerade einmal zwischen 80 und 100 Passagiere und damit eng, der Kerosinverbrauch ist enorm, die Kosten pro Passagier und Flug immens. Außerdem sind viele Landebahnen für die besonderen Bedürfnisse des Flugzeuges nicht geeignet und die Lautstärke zu hoch, sodass nur ausgewählte Flughäfen angepeilt werden können. Direktflüge sind oft nicht möglich, da die Reichweite nicht über 6000 Kilometern liegt.

 Die letzte Landung auf deutschem Boden im Juni 2003.
Die letzte Landung auf deutschem Boden im Juni 2003. Foto: dpa/Uli Deck

Von den geplanten 200 Concorde-Serienfliegern werden letztendlich nur 16 tatsächlich gebaut, 1979 schon wird die Herstellung eingestellt. Lediglich Briten und Franzosen halten die Flugzeuge in ihrer Flotte – und legen eher drauf, als damit Gewinn zu machen. Für die Passagiere gibt es Champagner, Kaviar und Hummer während des Fluges und etliche illustre Promi-Gäste haben darin im Laufe der Jahre Platz genommen. Für sie spielt das Geld kaum eine Rolle und im Jetset-Leben haben dafür Geschwindigkeit genauso wie Luxus eine umso größere Rolle. Umgerechnet mehr als 10.000 Euro kostet ein Flug. Die Queen, Michael Jackson, Elton John, Claudia Schiffer oder Sting – sie alle fliegen in bis zu 18.000 Metern Höhe zu ihren Zielen. Phil Collins nutzt die Technik 1985 um am selben Tag beim Live Aid in London und Philadelphia auftreten zu können. Paul McCartney hat gemeinsam mit anderen (Business-)Fluggästen Beatles-Lieder gesungen.

Der „Mythos Concorde“ bleibt bestehen, das Flugzeug kann noch immer in Museen bestaunt werden, doch in die Luft steigt der Überschallflieger nicht mehr.