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Queen Elisabeth II. fühlte sich sehr wohl in Düsseldorf

Royaler Glanz : Die Queen fühlte sich sehr wohl in Düsseldorf

Vor mehr als 50 Jahren war Elisabeth II. zum ersten Mal in der Landeshauptstadt zu Besuch. Sie lernte Schloss Benrath und auch ein klein wenig die Altstadt kennen. Als sie 2004 noch einmal kam, gefiel es ihr offenbar so gut, dass sie die Zeit aus den Augen verlor. Beide Male waren Tausende von Schaulustigen dabei.

Zwei Mal war die britische Königin Elisabeth II. in Düsseldorf zu Gast – und die Stadt stand Kopf. Nachdem im Juli 1964 bekannt wurde, dass die Queen im Rahmen ihrer Deutschlandreise auch die Landeshauptstadt passieren würde, wurde alles generalstabsmäßig und von langer Hand vorbereitet. Die Sicherheit stand im Fokus, aber die Monarchin sollte die Metropole am Rhein auch von ihrer schönsten Seite kennenlernen. Auch der Handel rüstete sich damaligen Berichten zufolge für den hohen Besuch: Vor der Fassade des Kaufhauses Karstadt an der Schadowstraße ragte eine meterhohe Nachbildung des Londoner Wahrzeichens Big Ben empor, und in der Schneider-Wibbel-Gasse in der Altstadt kam die hölzerne Spielfigur in einer Uniform aus dem Häuschen, das an die königlichen Leibwächter erinnern sollte. Der Weg, den die königliche Eskorte durch die Stadt nehmen sollte, wurde zum Schutz Ihrer Majestät erst eine Woche vorher bekannt gegeben, wie in dem Buch „Schloss Benrath macht Staat“ zu lesen ist.

 So sah die Ausgabe der Rheinischen Post anlässlich des Queen-Besuchs am 5. November 2004 aus.
So sah die Ausgabe der Rheinischen Post anlässlich des Queen-Besuchs am 5. November 2004 aus. Foto: Rheinische Post

Am 25. Mai 1965 war es dann endlich so weit: Die Queen und ihr vergangene Woche mit 99 Jahren verstorbener Gatte Prinz Philip trafen in der Stadt ein. Zahllose Schaulustige hatten schon im Regen am Schloss Benrath und am Bahnhof ausgeharrt. Hier stiegen die Majestäten aus dem Sonderzug aus Köln. Ministerpräsident Franz Meyers (CDU) und seine Frau Alberte warteten bereits am Bahnsteig, um die Königin und ihr Gefolge in Empfang zu nehmen. Schick wie immer stieg die Queen aus der Bahn. Sie trug an diesem Tag einen leuchtend blauen Mantel aus Woll-Bouclé.

 Hoher Besuch am 25. Mai 1965: Queen Elisabeth von England wird durch Wersten gefahren.
Hoher Besuch am 25. Mai 1965: Queen Elisabeth von England wird durch Wersten gefahren. Foto: RP/Heimatarchiv Wersten

Vor Schloss Benrath empfing sie  in duftendes Blumenmeer aus 1000 Rosen und 1000 Nelken, dazu Orchideen und Lilien. Alles war festlich beflaggt. Das Protokoll war streng: Unter anderem sah es vor, dass wegen des Blitzlichtes der Abstand zwischen den Fotografen und der Queen mindestens vier Meter betragen musste. Ein Frühstück für 60 Personen war geplant, den Mokka wollte Elisabeth II. stehend einnehmen, um mit so vielen Menschen wie möglich ins Gespräch zu kommen. Vom Handkuss wurde laut Protokoll übrigens abgeraten, da dieser in England nicht üblich war.

 Die Queen 1965 mit Prinz Philipp und Düsseldorfs Oberbürgermeister Willi Becker (r.) und dessen Gattin (l.)
Die Queen 1965 mit Prinz Philipp und Düsseldorfs Oberbürgermeister Willi Becker (r.) und dessen Gattin (l.) Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Am späten Mittag verließ die Königin Schloss Benrath, um sich auf den Weg ins Rathaus in der Innenstadt zu machen. Das lange Verdeck des Mercedes Pullman 600 Landaulet war geöffnet, so dass die Königin und der Ministerpräsident stehend und gut sichtbar für die Menschen an den Straßenrändern vorbeifuhren. Daran können sich bis heute manche erinnern. Die Fahrt wurde zu einem Triumph für die Queen, Schätzungen der Polizei zufolge waren an diesem denkwürdigen Tag insgesamt 500.000 Menschen auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs.

Allein Tausende Zuschauer säumten den Weg der Bolkerstraße in der Altstadt, über die der Wagen der Queen samt Gefolge fuhr – im Rathaus waren da schon die Tische für das Essen gedeckt. 30.000 britische Fähnchen hatte das Werbeamt der Stadt zuvor unter den Menschen draußen vor dem Rathaus verteilt. Düsseldorfs damaliger Oberbürgermeister Willi Becker (SPD) empfing die Royals. Danach trug sich das königliche Paar in das Buch der Stadt ein. Und Becker schenkte der Queen ein hübsches Schmucketui mit dem Großen Ehrenring der Stadt Düsseldorf. Der Ring bestand aus acht Rubinen und acht Brillanten, die die Farben der Stadt symbolisieren sollten. Dazu finden sich auf dem Schmuckstück die Initialen der Königin und das Datum ihres Besuches in der Landeshauptstadt.

Nicht immer in ihrem Leben hielt sich die Queen an das Protokoll – auch in Düsseldorf: Jubelrufe drangen ins Rathaus, unter anderem in den Jan-Wellem-Saal, wo sich die Königin aufhielt. Kurzerhand durchbrach sie das Protokoll und trat auf den Balkon, um die riesige Menschenmenge auf dem Rathausvorplatz zu begrüßen.

Schon nachmittags nahm die Queen allerdings wieder Abschied. Mit Prinz Philip bestieg die Monarchin das Rheinschiff Stadt Duisburg. Unter Gewitterwolken fuhr es langsam rheinabwärts nach Duisburg. Die Polizei vermeldete zufrieden: „Der Staatsbesuch verlief ohne Zwischenfälle.“ Typisch für das mitunter joviale Rheinland: Bei der Schätzung der Menschenanzahl beriefen sich die Ordnungshüter auf vertraute Erfahrungswerte: „Wir haben da einen Vergleichsmaßstab, den Rosenmontagszug“ soll es geheißen haben. „Da kommen auch immer so viele.“

Fast 40 Jahre sollte es dauern, bis die Queen erneut in die Landeshauptstadt kam – und erneut war Düsseldorf im Royal-Fieber. Tausende Schaulustige standen am 4. November 2004 an den Straßen und wedelten mit Union-Jack-Fähnchen. Im dunkelroten Bentley fuhr sie vor dem Landtag vor – und es gefiel ihr offenbar gut. Das minutiös durchgetaktete Programm hinkte bereits bei der ersten Station im Landtag um fast eine halbe Stunde hinterher. In aller Ruhe hielt die Queen im eleganten sandfarbenen Mantel mit Pelzbesatz und passendem Hut Hof. Gut fünf Stunden hatte sie für ihren Besuch in Düsseldorf eingeplant. Im Landtag warteten die Abgeordneten und rund 700 ausgesuchte Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

In ihrer Rede vor den Abgeordneten erinnerte die Queen aber nicht nur an die guten Beziehungen zwischen den Ländern. Sie erwähnte ebenso die „menschlichen Leiden“, die der Zweite Weltkrieg „auf beiden Seiten“ hinterlassen habe.

Insgesamt zog Elisabeth II. eine sehr positive Bilanz ihres Staatsbesuchs, der sie zuvor nach Berlin und Brandenburg geführt hatte. „Ich reise ab mit neuem Vertrauen in die tiefe Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern, die im vor uns liegenden 21. Jahrhundert für beide Seiten so überaus wichtig ist“, beendete sie ihre Rede. Dafür wurde sie von den Gästen mit stehenden Ovationen belohnt.

Zum Lunch ging es für die Queen danach ins Ständehaus, dem ehemaligen Landtag, der mittlerweile ein Kunstmuseum ist. Verwöhnt wurde Elisabeth II. mit rheinischer Kost: Zander auf grünem Bohnensalat mit Düsseldorfer Senfsoße und Sauerbraten gab es. Der damalige Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) sorgte persönlich für die gute Unterhaltung der Queen bei Tisch.

Eine hübsche Erinnerung hat auch der Historiker und Referent der Geschäftsführung bei der Caritas, Ulrich Brzosa, an den Besuch: „Auf dem Weg vom Landtag zum Ständehaus fuhr die Queen direkt an unserer Geschäftsstelle an der Hubertusstraße vorbei“, erzählt er. „Für meine Kollegen und mich war das ein besonderer Moment. Und natürlich machten wir jede Menge Fotos.“

Königlichen Glanz gab es auch zum 70. Landesgeburtstag Nordrhein-Westfalens – allerdings kam Ende August 2016 nicht mehr die Queen persönlich, sondern ihr Enkel Prinz William nach Düsseldorf. Nach einem Bad in der Menge eröffnete der damals 34-jährige Royal gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damaligen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) die Geburtstagsfeierlichkeiten.

Wer ihn sehen wollte, musste Geduld haben. Stundenlang standen Hunderte Anhänger der Königlichen Hoheit in der prallen Sonne, bis die weißen Motorradpolizisten an der Spitze des Konvois in den Ehrenhof einbogen und die Zeit gekommen war, zur Begrüßung des Prinzen die Fähnchen mit dem Union Jack und dem NRW-Wappen zu schwenken.