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Schnapszahlen-Hochzeit: 2.2.2002: Erste Paare gaben sich um 2.02 Uhr das Ja-Wort

Schnapszahlen-Hochzeit : 2.2.2002: Erste Paare gaben sich um 2.02 Uhr das Ja-Wort

Bad Düben (rpo). Pünktlich um 2.02 Uhr ging es los: Der Massenandrang von heiratswilligen Paaren ist zum Schnapszahlen-Datum 2.2.2002 nicht zu bremsen.

Schon in der Nacht fiel für Levke Ose Erichsen und Bernd Fedder das entscheidende Wort: Ja. Damit sind die beiden Schleswig-Holsteiner wohl das erste Brautpaar in Deutschland, das an diesem Schnapszahlen-Datum den Weg aufs Standesamt fand. Mit Trommelwirbel und Salutschüssen feierten die Frischvermählten im sächsischen Bad Düben den Start ins Eheleben. Auch zwei Brautpaare aus Sachsen-Anhalt nutzten die nächtliche Öffnungszeit. "Dieses Datum möge ein gutes Omen für das Gelingen Ihrer Ehe sein", sagte Standesbeamtin Bettina Schröter.

"Wir haben einfach etwas Außergewöhnliches, etwas Einmaliges gesucht. Vermutlich hätten wir auch während eines Fallschirmsprungs geheiratet", sagte Levke Ose Erichsen. Da dies in Deutschland mit dem Gesetz nicht vereinbar sei, suchte die 39-Jährige lange das passende Umfeld. Bei einem Winterbiwak in Bad Düben wurde die Frau aus Plön fündig: Eine Hochzeit nach nordischem Vorbild.

Brautkleid und Schleier tauschten die Paare mit einer Wikingertracht. Statt Frack und Zylinder trugen die Männer weite Gewänder und Helme mit nach oben zeigenden Hörnern. "Bei uns haben die Männer schon am ersten Tag die Hörner auf", sagte Wintercamp- Organisator Jürgen Grothe schmunzelnd.

Davon ließen sich auch Rudolf Schmidt und Sabine Gerke aus Horstdorf in Sachsen-Anhalt nicht einschüchtern. "So etwas gibt es nie wieder: mit Schlittenhunden zum Standesamt." Der 46-Jährige ist nach eigenen Angaben Deutschlands einziger Rollstuhlfahrer, der aktiven Schlittenhundesport betreibt. Die nächtliche Ausfahrt mit den Huskies zur Burg Düben war auch für ihn ein einmaliges Erlebnis.

Ausgehöhlte brennende Baumstämme und der Mondschein wiesen den Brautpaaren ihren Weg zum historischen Ort. Dort, wo der Prozess zwischen dem Pferdehändler Michael Kohlhaas und dem Junker von Zaschwitz stattfand, der Heinrich von Kleist zu seiner berühmten Novelle anregte, und wo auch schon Schwedenkönig Gustav Adolf II. und Napoleon residierten. Unter dem Beifall von mehr als 150 Menschen gaben sich die Frischvermählten den ersten Kuss.

"Für uns stand schon immer fest: Wenn wir heiraten, dann müssen unsere Hunde dabei sein. Dieser Traum ist heute wahr geworden", sagten Frank Siegel und Annett Banisch aus Osterhausen (Sachsen- Anhalt). "Nach dem 9.9.1999 ist das heutige Datum einmalig", sagte Grothe. Nachdem die bürokratischen Hürden überwunden waren, sei es besonders schwierig gewesen, einen Standesbeamten zu finden, der mitten in der Nacht aufstehen wollte.

Bei Lagerfeuerromantik und nordischen Schlemmereien feierte die etwas andere Hochzeitsgesellschaft bis in die Morgenstunden. "Die Hochzeitsnacht wird nachgeholt", meinte Erichsen.

(RPO Archiv)