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Prozess um tote Babys in Tiefkühltruhe: 13 Jahre und 6 Monate für Angeklagte

Prozess um tote Babys in Tiefkühltruhe : 13 Jahre und 6 Monate für Angeklagte

Chemnitz (dpa). Die Mutter der toten Babys von Mühltroff muss für 13 Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die angeklagte Antje K. ihre drei Neugeborenen erstickt, in Plastikbeutel eingewickelt und anschließend in eine Tiefkühltruhe gelegt hat. Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch wegen Totschlags in drei Fällen 14 Jahre und sechs Monate Haft beantragt, die Verteidigung elf Jahre.

Die 28-Jährige hatte zum Prozessauftakt überraschend gestanden, ihre drei Kinder zwischen 1993 und 1999 jeweils nach der Geburt erstickt, in Plastikbeutel verpackt und in ihre Tiefkühltruhe gelegt zu haben. Ihr Anwalt gab eine Erklärung ab, nach der sie die in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfe voll umfänglich einräumte.

Staatsanwalt Richter sagte, spektakulär sei nicht die Kindestötung gewesen. Es passiere immer wieder, dass verzweifelte Mütter ihre Neugeborenen töten. Aufsehen erregend sei das Verhalten nach der Tat, als sie die Babys in die Tiefkühltruhe legte.

Antje K., die noch eine zwölfjährige Tochter und einen neunjährigen Sohn hat, soll laut Anklage die drei Neugeborenen jeweils nach der Geburt mit Knebeln beziehungsweise der Nabelschnur erstickt haben. Ein Gerichtsmediziner bestätigte in einem kurzen Statement, dass alle drei Kinder voll lebensfähig waren. Bei dem Mädchen, das erst wenige Tage im Eis gelegen habe, sei eindeutig Tod durch Ersticken festgestellt worden.

Die Mutter hatte erklärt, sie würde - wenn sie es könnte - die Taten wieder ungeschehen machen. Es sei nicht auszuschließen, dass auch ihr Ehemann Jens von den Taten wusste. Sie wolle in dem Ermittlungsverfahren gegen ihren Mann auch aussagen. Der 31-Jährige war am Mittwoch als Zeuge geladen, verweigerte jedoch die Aussage.

Antje K. hatte seit ihrer Verhaftung im Juni 1999 geschwiegen. Ebenso wie ihre Verwandten machte sie vor der Polizei und der Staatsanwaltschaft keine Angaben zu den Vorwürfen.

In einem vom Richter Christian Wirth verlesenen Bericht einer Mitarbeiterin des sozialen Dienstes der Justiz wurden die Lebensumstände der Frau dargestellt. Danach hatte sie mit ihrem Mann oft Streit. Er soll sie auch öfter geschlagen haben. Unzufrieden die Mutter sie vor allem damit gewesen, dass sie allein den Haushalt und die beiden heute neun und zwölf Jahre alten Kinder versorgen musste, während ihr Mann seiner Arbeit nachging. Den Ärger und die Enttäuschung habe sie in sich hinein gefressen.

(RPO Archiv)