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Düsseldorf: Zwei Grüne kämpfen um die Fraktionsspitze

Düsseldorf : Zwei Grüne kämpfen um die Fraktionsspitze

Monika Düker (51) tritt als "Diplomatin" gegen den "Angreifer" Mehrdad Mostofizadeh (45) an.

Der Chefposten einer Landtagsfraktion gehört nicht unbedingt zu den spannendsten Personalien der Politik. Aber wenn die Grünen-Fraktion heute den Nachfolger von Reiner Priggen (62) wählt, der nach fünf Jahre an ihrer Spitze und weiteren zehn im Landtag nicht mehr so richtig will, werden auch die anderen Parteien neugierig nach Nettetal blicken: Denn wer im dortigen Schlösschen Krickenbeck neuer Fraktionschef wird, hat maßgeblichen Einfluss auf die Landtagswahl 2017.

Wie werden die Grünen sich im Wahlkampf von ihrem derzeitigen Regierungspartner SPD abheben? Ist Schwarz-Grün für den neuen Chef denkbar? Bleibt die Partei bei dem scharfen Öko-Kurs ihres Umweltministers Johannes Remmel? Oder will sie sich der Wirtschaft mehr öffnen? Zur Wahl stehen die frühere Landesparteichefin Monika Düker (51) und der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Mehrdad Mostofizadeh (45). Wer sind die beiden Kandidaten?

Monika Düker ist in sehr dörflichen und sehr konservativen Strukturen aufgewachsen. Ihr Vater war ein langjähriges CDU-Mitglied, und in ihrer Heimat Höxter musste man sich anstrengen, wenn man nicht auffallen wollte. Und nicht auffallen - das war im Höxter der 1970er Jahre irgendwie wichtig. "Ich musste da raus", fasste Düker ihre Flucht aus der Provinz einmal zusammen. Sie studierte zunächst ohne Erfolg Jura in Göttingen und dann mit Erfolg Sozialwissenschaften in Düsseldorf.

Das abgebrochene Jura-Studium hat sie mit Mostofizadeh gemeinsam. Sein iranischer Vater machte Mitte der 1960er Jahre in Deutschland Abitur und lernte hier seine Frau kennen. Die beiden waren gerade 21 und 22 Jahre alt, als Mehrdad geboren wurde. "Die anhaltenden Ungerechtigkeiten im Iran haben mich politisiert", sagt Mostofizadeh heute, wenn er nach seinem ersten Kontakt mit der Politik gefragt wird. "Mein Motiv war immer Gerechtigkeit." Später arbeitete er als Altenpfleger und studierte ein wenig Jura und Sozialwissenschaften. Er wurde über die Essener Kommunalpolitik (Stadtrat) und einen Posten als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Landtagsfraktion Berufspolitiker - ähnlich wie Düker, die im Düsseldorfer Stadtrat ihre ersten Erfahrungen mit institutionalisierter Politik sammelte und danach ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin der Landtagsfraktion wurde. 2000 zog sie über die Reserveliste in den Landtag ein, wo sie sich bis heute vor allem auf Innenpolitik konzentriert. Wie wurde Monika Düker politisiert? "Als Mitarbeiterin in einem Jugendzentrum habe ich erlebt, wie ein Häuserspekulant eine halbe Straße aufkaufte, die Bewohner aus den Wohnungen warf und diese dann in der Obdachlosigkeit landeten."

Mostofizadeh kam erst 2010 in den Landtag, gewann dort aber schnell Profil als Finanzpolitiker. Während er innerhalb der Fraktion als "Linker" und damit offen für rot-rot-grüne Bündnisse gilt, sagt man der "Realo"-Politikerin Düker ein gutes Arbeitsverhältnis zu CDU-Fraktionschef Armin Laschet nach. Wollte man beide in ein einziges Klischeewort pressen, wäre Mostofizadeh wohl eher der "Angreifer" und Düker die "Diplomatin", weil sie es in ihrer Zeit als Landeschefin (2010 bis 2014) verstand, die damals noch wesentlich streitlustigere Partei zusammenzuhalten.

Auf die Frage, in welcher Partei sie sich engagieren würden, wenn es die Grünen nicht gäbe, weichen beide aus. Mehrdad Mostofizadeh: "Ich wäre in keiner Partei. Entweder die Grünen oder keine." Düker: "Ich wäre bei keiner anderen Partei gelandet, sondern am ehesten im Naturschutzbund oder bei der Menschenrechtsorganisation ,amnesty international'."

(RP)