Köln: Zeugen des Archiv-Einsturzes: "Die Erde hat sich aufgetan"

Köln: Zeugen des Archiv-Einsturzes: "Die Erde hat sich aufgetan"

Im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben Augenzeugen geschildert, wie sie das Unglück erlebt haben. "Schon auf der Anfahrt habe ich eine riesengroße Staubwolke wahrgenommen", sagte ein Polizist, der am 3. März 2009 mit seinem Motorrad als erster Beamter am Einsatzort eintraf. "Vor mir sah ich einen meterhoch verschütteten Straßenzug. Unmittelbar vor diesem Trümmerberg stand ein Bus, und eine Vielzahl von flüchtenden Personen lief mir entgegen", sagte der 44-Jährige vor dem Kölner Landgericht. "Ich habe erst nicht verstanden, was da passiert ist." Der Boden vibrierte. Er wisse noch genau, wie unheimlich es war, "sich in einem Bereich zu befinden, wo der Boden bebt". Aus dem Gymnasium gegenüber dem Archiv "strömten Unmengen von Schülern raus". Es sei "ein riesengroßes Wunder", dass es nicht noch mehr Opfer gab.

Ein Bauingenieur, der kurz vor dem Einsturz auf dem Weg zu einer Besprechung war, berichtete, dass jemand von den Bauarbeitern die Straße versperrt habe. Als er aus dem Auto ausgestiegen sei, seien vom Rande der Baugrube plötzlich Bauzäune und -material in die Tiefe gerutscht. "Die Erde hat sich anscheinend aufgetan. Dann riss das Archivgebäude in der Mitte auseinander und verschwand - so wie man das kennt, wenn ein Gebäude gesprengt wird", sagte der 62-Jährige.

Ein Bäcker, der ganz in der Nähe seinen Laden hatte, spürte ein Wackeln wie bei einem Erdbeben. Ein Bagger, der eben noch auf der Straße stand, sei "runtergefallen", schildert der 55-Jährige. "Dann bin ich weggelaufen." Nach dem Unglück habe er zwei Monate lang Schlafstörungen gehabt und sei ein paar Mal bei einem Psychologen gewesen, um das Erlebte zu verarbeiten.

  • Chronologie : Das passierte beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Beim Einsturz des Archivs waren zwei Anwohner ums Leben gekommen. Fünf Mitarbeiter von Baufirmen und der Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) sind wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung angeklagt. Bei dem Einsturz entstand ein Milliardenschaden.

(dpa)