Bratwurst, Cocktails und Partys Was Städte und Kreise in NRW gegen Impf-Muffel unternehmen

Düsseldorf · Kreise und Kommunen unternehmen viel, um die Impfquoten zu erhöhen. Und auch NRW erhöht den Druck auf Ungeimpfte: Die Ankündigung, dass nicht geimpfte Arbeitnehmer den Verdienstausfall nicht mehr bezahlt bekommen sollen, zeigt bereits Wirkung.

 Ein Schild weist auf den Eingang zu einem Impfzentrum in Köln hin.

Ein Schild weist auf den Eingang zu einem Impfzentrum in Köln hin.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Um mehr Menschen zum Impfen zu bewegen, hat sich die Stadt Solingen Einiges einfallen lassen. An den Wochenenden gibt es „Late-Night-Impfen“ mit DJ und alkoholfreien Cocktails für Menschen zwischen 16 und 27 Jahren; es gibt Impftermine am Bahnhof, im Jobcenter, bei McDonalds und auf Stadtfesten. Mehr als 100.000 Zweitimpfungen hat es in der Bergischen Großstadt schon gegeben; rund 61 Prozent der Bevölkerung Solingens. „Es war vorhersehbar, dass die Zahl der Impfgegner nicht gering ist – das hatten wir einkalkuliert. Wir können die Impfungen nur anbieten, entscheiden muss jede und jeder für sich alleine“, sagt ein Sprecher der Stadt.

In Nordrhein-Westfalen sind bislang laut Robert-Koch-Institut (RKI) rund 11,7 Millionen Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft worden, bundesweit liegt die Gesamtzahl vollständig Geimpfter demnach bei rund 51,9 Millionen – viel zu wenig, sagen Experten.

Eine Umfrage unserer Redaktion in Städten und Kreisen hat ergeben, dass auf kommunaler Ebene grundsätzlich viel unternommen wird, um die Impfquote zu erhöhen. Aber längst nicht alle erheben eine Quote, sondern zählen lediglich die Zahlen der Impfungen – etwa der Kreis Lippe, wo rund 206.000 Menschen vollständig geimpft sind. Unter dem Slogan „Bratwurst, Beats und Biontech“ ist im Kreis Lippe am Schiedersee mit Partymusik am Strand geimpft worden. In diesem Monat impft dort zudem die ehemalige Europameisterin und Olympiazweite im Speerwerfen, Linda Stahl; sie ist Ärztin.

 Krefeld liegt gegenwärtig bei 65,2 Prozent Erstimpfungen – im Vergleich zu umliegenden Kommunen steht die Stadt damit vergleichsweise gut dar. Neben mobilen Impfangeboten ist die Stadt gezielt in Ortsteile gegangen, in denen die Impfbereitschaft vielleicht nicht so hoch ist wie in anderen Vierteln. Darüber hinaus sprechen städtische Mitarbeiter Bürger auf der Straße direkt an und machen ihnen Impfangebote, in den sozialen Medien wirbt die Stadt täglich fürs Impfen, über die Schulen und Kitas werden entsprechen Briefe an die Eltern geschickt. „Es gibt sicherlich Personen, die wir mit unserer Ansprache nicht erreichen, weil sie von vornherein nicht empfänglich für Fakten sind. Es gibt aber viele, die bisher aus verschiedensten Gründen einfach noch unentschlossen waren und zunächst noch abgewartet haben“, sagt Krefelds Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen.

Auffällig: Zwischen Großstädten gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede. Zum Beispiel liegt die Quote der vollständig Geimpften in Essen bei 59,8 Prozent, während sie in Münster bei 77 Prozent liegt. Die Impfbereitschaft sei in Münster generell hoch, sagt eine Sprecherin der Stadt. Dennoch gebe es natürlich auch in Münster in einigen Teilen der Bevölkerung eine höhere Impfskepsis und niedrigere Impfbereitschaft, „weshalb wir schon früh damit begonnen haben mit dem Impfbus die einzelnen Stadtteile anzufahren und dort niederschwellige Impfangebote zu unterbreiten“, erklärt sie. Auch die Stadt Essen unternimmt – wie andere Kommunen auch – viel, um die Quote zu erhöhen. „Häufig ist es eine Verunsicherung, weil Personen nicht wissen, ob eine Impfung gut für sie ist. Bei jungen Frauen hören wir immer wieder das Argument, Impfungen könnten unfruchtbar machen“, sagt die Sprecherin der Stadt Essen. Junge Männer hingegen hätten oft die Einstellung, dass sie Corona nicht betreffen würde, sie seien gesund und würden eine Infektion gut überstehen. „Manchmal sind es kleine Dinge, wie dass Menschen eben keinen Hausarzt haben und der Weg zum Impfzentrum zu weit war“, sagt die Sprecherin.

Um die Quote landesweit zu steigern, erhöht NRW den Druck auf Ungeimpfte. Wer in Quarantäne muss, für den gleicht das Land bald nicht mehr einen möglichen Verdienstausfall aus. Die Landesregierung kündigte an, entsprechend des bundesweiten Infektionsschutzgesetzes zum 11. Oktober die bisherige Regelung für Ungeimpfte auslaufen zu lassen. In Münster hat man deswegen schon einen Effekt auf die Impfbereitschaft ausgemacht. „Als dies bekannt wurde, gab es einen kleinen Ruck bei den Impfbusaktionen. Entsprechend könnten weitere drohende Kosten bei Nichtimpfung natürlich ebenfalls wieder Menschen zur Impfung bewegen. Ob dies dann jedoch so ist, wird sich zeigen und ist im Endeffekt eine politische Entscheidung“, sagt eine Sprecherin der Stadt.

(csh)
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