Düsseldorf: Vertretungslehrer warten seit Monaten auf ihr Geld

Düsseldorf: Vertretungslehrer warten seit Monaten auf ihr Geld

Friederike Koch* unterrichtet seit mehr als zwei Monaten mit einem Anschlussvertrag als Vertretungslehrerin an einer Schule im Regierungsbezirk Düsseldorf. Doch ein Gehalt für Februar und März hat sie bislang nicht erhalten, nicht mal eine Mitteilung über ihre Bezüge. So wie ihr gehe es mehreren Vertretungslehrern in NRW. "Wir sitzen finanziell seit Monaten auf dem Trockenen", sagt die Lehrerin. "Das ist ein Skandal." Inzwischen mache auch ihre Krankenversicherung Schwierigkeiten. "Für die Krankenkasse bin ich seit Anfang Februar nicht mehr versichert, obwohl ich seit dem 17. Februar wieder beschäftigt bin, aber davon weiß weder das Landesamt für Besoldung etwas, noch meine Versicherung."

Viele Schulen im Regierungsbezirk Düsseldorf konnten ihre Vertretungslehrer zum neuen Schulhalbjahr im Februar erst zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigten als ursprünglich geplant. Von dem zuständigen Dezernat 47 bei der Bezirksregierung Düsseldorf wurden Verträge erst mit Verspätung abgearbeitet. Ein Grund war Arbeitsüberlastung: Obwohl Personal aus anderen Bereichen der Behörde zur Verstärkung eingesetzt wurde, dauerte es teils mehrere Wochen, bis die Verträge den Schulen vorlagen.

Friederike Koch sollte eigentlich zum 1. Februar eingestellt werden. "Am 3. Februar wurde ich nach Hause geschickt, weil der Vertrag noch nicht da war", erklärt sie. Erst zwei Wochen später konnte sie mit dem Unterricht beginnen.

Inzwischen liegen laut Bezirksregierung zwar fast alle Verträge vor, jedoch hat sich das Problem offenbar verschoben. Laut Friederike Koch habe es das Dezernat 47 bis jetzt nicht geschafft, der Auszahlungsbehörde, dem Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV), "die Mitteilung zu machen, dass man wieder eingestellt ist". Die Bezirksregierung Düsseldorf weist die Vorwürfe von sich: "Sobald bei uns die Verträge gemacht sind, haben wir nichts mehr damit zu tun", sagt Sprecher Bernd Hamacher. Die Unterlagen würden an das LBV weitergegeben, das für die Zahlung der Gehälter und die Anmeldung zur Sozialversicherung zuständig sei. "Bei Neu- oder Anschlussverträgen kann es durchaus mehrere Wochen dauern, bis das Geld fließt", sagt Hamacher. Das müsse jeder mit seinem Sachbearbeiter klären.

Doch das ist gar nicht so einfach: Wer beim LBV anruft, findet sich in einer Warteschleife wieder und bekommt unter Umständen die Ansage zu hören: "Aufgrund des hohen Telefonaufkommens können wir Ihren Anruf nicht entgegennehmen." Der stellvertretende Leiter des LBV, Wolfgang Pohl, erklärt, seine Behörde bemühe sich um eine "schnelle Bearbeitung". Die Gewerkschaften hätten in einem Brief die "unhaltbaren Zustände" angemahnt. Seiner Kenntnis nach aber gebe es "keine nennenswerten Rückstände".

Die Situation findet der stellvertretende Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Sebastian Krebs, in der Tat unzumutbar. "Die betroffenen Lehrer kommen in eine finanzielle Notsituation." Das sieht auch sein Kollege Hans-Gerd Scheidle vom Verband für Bildung und Erziehung so. "Das Land kann nur Lehrer einstellen, wenn es auch für ihre zeitnahe Bezahlung garantieren kann." *Name geändert

(RP)
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