Tausende Pendler betroffen Hier wird heute und morgen im NRW-Nahverkehr gestreikt

Düsseldorf · Busse und Bahnen sollen zum Wochenstart an mehreren Orten lahmgelegt werden. So will Verdi mehr freie Tage erstreiten. Die genauen Orte wurden inzwischen bekannt gegeben.

ÖPNV: Diese Rechte haben Fahrgäste bei Verspätung, Ausfall, Streik
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Wenn die Straßenbahn nicht kommt – diese Rechte haben Fahrgäste im ÖPNV

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Die neuen Streiks bei den ÖPNV-Betrieben an Rhein und Ruhr haben am Montagmorgen (15. April 2024) begonnen. Am Sonntag hat Verdi bekannt gegeben, wo die Arbeit niedergelegt wird: in Düsseldorf, Bochum und Krefeld in jeweils ausgewählten Betriebshöfen.*

In Bochum wurde der zentrale Busbetriebshof der Bogestra bestreikt. Auch umliegende Städte seien davon betroffen, so Verdi. Auch in Krefeld rechnete eine Verdi-Sprecherin mit Ausfällen und Verspätungen auf den Buslinien der Stadtwerke Krefeld (SWK). Bei der Rheinbahn in Düsseldorf wurden drei Betriebshöfe bestreikt. Betroffen waren fast ausschließlich Buslinien.

Einschränkungen auch am Dienstag

Die Streiks werden am Dienstag ganztägig fortgesetzt. Wie Verdi-NRW am Montagmorgen mitteilte, legen mit dem Beginn der Frühschicht auch am Dienstag Beschäftigte ausgewählter Betriebshöfe bis zum Ende der Spätschicht ihre Arbeit nieder. Auf verschiedenen Bus- und Straßenbahnlinien müssen sich die Fahrgäste auf Ausfälle und Verspätungen einstellen.

Von dem Streik am Dienstag betroffen sind: Geilenkirchen (Westverkehr), der Rhein-Erft-Kreis (REVG), Mönchengladbach und Viersen (NEW mobil), Gelsenkirchen (Bogestra), Essen (Ruhrbahn), Lüdenscheid und Plettenberg (MVG) sowie Bielefeld (moBiel) und Gütersloh (Stadtbus Gütersloh).

Die Strategie von Verdi

Während die Warnstreiks im Februar und März jeweils praktisch bei allen ÖPNV-Betrieben in NRW gleichzeitig liefen – unter anderem bei der Rheinbahn in Düsseldorf, der KVB in Köln oder NEW in Mönchengladbach – will die Gewerkschaft Verdi nun mit einer Strategie der Nadelstiche vorgehen: An einzelnen Orten soll der öffentliche Nahverkehr zeitweise lahmgelegt werden, an anderen nicht.

Mit den Stichelstreiks will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, insbesondere deutlich mehr freien Tagen im neuen Manteltarifvertrag zuzustimmen. Verdi hatte im März als Kompromiss vorgeschlagen, sich auf sechs Tage zu einigen. Nachdem die Gewerkschaft am Mittwoch bekannt gegeben hatte, dass 97 Prozent der Mitglieder in den NRW-Nahverkehr-Betrieben unbefristete Streiks zur Durchsetzung der Forderungen befürworten, boten die Arbeitgeber vier freie Tage an sowie zehn Prozent Zuschlag, wenn Beschäftigte sehr kurzfristig für ausfallende Kolleginnen oder Kollegen einspringen müssen.

Die neuen Streiks sollen parallel zu neuen Gesprächen mit den Arbeitgebern laufen, die diese vorgeschlagen haben. Insgesamt geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 30.000 Menschen. Verdi meint, neue Bus- und Straßenbahnfahrer würden die Betriebe nur finden, wenn die Arbeitsbelastung durch mehr freie Tage sinke – die Arbeitgeber warnen dagegen vor zu hohen Kostenbelastungen, falls bis zu 1700 neue Beschäftigte eingestellt werden müssen.

Kritik vom Fahrgästeverband

Kritisch sieht der Fahrgästeverband Pro Bahn die geplanten neuen Aktionen von Verdi. „Berechenbarkeit ist wichtig im öffentlichen Nahverkehr. Da ist es nun umso ärgerlicher, wenn Streiks nur sehr kurzfristig angekündigt werden sollen“, sagt Detlev Neuß, Bundesvorsitzender der Organisation. Er ergänzt: „Wenn Streiks im ÖPNV etwas Vorlauf haben, können viele Arbeitnehmer gezielt Homeoffice einplanen oder auch Termine verlegen. Je kurzfristiger die Menschen aber informiert werden, umso schwieriger können sie reagieren.“

Nicht schlüssig findet Neuß die Aussage, man wolle vorrangig die Unternehmen und nur am Rande die Bürger treffen. „Opfer von Streiks im ÖPNV sind immer vorrangig die Fahrgäste“, sagte er.

Abzuwarten ist, wie die geplanten „Wirkungsstreiks“, so der Begriff bei Verdi-Insidern, ablaufen sollen. Denkbar ist, dass Leitzentralen und Kundencenter stark betroffen sein werden. Möglich wäre auch, dass nur einige Fahrer streiken und mit ihren Bussen oder Bahnen die komplette Ausfahrt aus Fahrzeugdepots blockieren. „Eine solche Aktion kann aber auch nach hinten losgehen“, meint Neuß, „weil sie vom Streikrecht eventuell nicht gedeckt ist.“ Für Verdi hätte ein solches Vorgehen den Vorteil, nur wenig Streikgeld zahlen zu müssen. Die Arbeitgeber fürchten schon Streiks bis zur Fußball-EM im Sommer.

Die Deutsche Bahn erklärt auf Anfrage, S-Bahnen und Regionalzüge seien von den Streiks im ÖPNV nicht betroffen. „Unser Streit mit der GDL ist vorbei“, heißt es. Nach Informationen unserer Redaktion bereiten Unternehmen wie die Rheinbahn oder NEW Notfahrpläne vor. Weil die Streiks aber nur kurzfristig angekündigt werden, wird das Anheuern privater Busfirmen besonders schwierig.

*In der ersten Version des Beitrages von Freitag hatten wir die konkreten Streikorte noch nicht genannt. Da diese ja erst am Sonntag veröffentlicht wurden. Das haben wir dann ergänzt.

(mit dpa)
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