24 Stunden Stillstand Was Bahnreisende zum Streik wissen müssen

Düsseldorf/Berlin · Ab 22 Uhr bis Freitagabend will die GDL wieder den Bahnverkehr lahmlegen. Aber einige Regionalzüge werden in NRW weiterhin fahren, S-Bahnen ebenfalls im 60-Minuten-Takt. ICE-Züge werden am Samstag voll. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Streik.

Verspätung wegen Bahnstreik: Das sind Ihre Rechte
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Verspätung wegen Bahnstreik – das sind Ihre Rechte

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Foto: dpa, rwe htf

Erneut hat die GDL zu einem Warnstreik aufgerufen, darunter sind auch die Mitarbeiter der NordWestBahn GmbH und der Transdev Rhein-Ruhr GmbH. Dieses Mal will die Gewerkschaft den Zugverkehr von Donnerstagabend 22 Uhr für 24 Stunden lahmlegen.

GDL-Bezirksvorsitzender Sven Schmitte wies am Donnerstag darauf hin, dass parallel mehrere Tarifverhandlungen mit Unternehmen liefen. Bei Transdev habe die GDL das Scheitern der Verhandlungen erklärt. Der GDL-Bezirksvorsitzende kündigte eine zentrale Streikkundgebung für Nordrhein-Westfalen an diesem Freitag um 12.00 Uhr vor dem Hauptbahnhof Köln an. Neben Hunderten Streikenden werde dazu der stellvertretende GDL-Chef Lars Jedinat erwartet. Wir beantworten zum Streik die wichtigsten Fragen.

Was meinen die Reisenden?

Der Fahrgastverband Pro Bahn ist verärgert über die sehr kurze Vorwarnzeit. „Ein solcher Arbeitskampf mit Folgen für Hunderttausende Reisende müsste mindestens zwei Tage vorher angekündigt werden“, sagt Detlev Neuß, Bundesvorsitzender von Pro Bahn. „Viele Reisende haben doch erst am Donnerstagfrüh erfahren, dass am gleichen Tag der Streik beginnt“, ergänzt er. Darum hätten viele Menschen zu wenig Zeit gehabt, um beispielsweise die Reise früher anzutreten. „Die Bahn rät ja dazu, Reisen zu verlegen, indem Bürger entweder vorzeitig reisen oder eben die Fahrt nach hinten verschoben wird. Gerade das Vorverlegen ist ja extrem schwer, bei so kurzer Vorwarnzeit.“

Was meint der ADAC?

Besonders frustrierend ist aus ADAC Sicht der viel zu kurzfristig angekündigte Streik für Bahnfahrer, die kein Auto haben und am zweiten Adventswochenende eine längere Reise geplant hatten. Für sie können Fernbusse, Mitfahrgelegenheiten in Fahrgemeinschaften, zum Beispiel über das ADAC-Pendlernetz, oder Autovermietungen eine Alternative zur Bahn sein.

Wird es vor Weihnachten noch einen Warnstreik geben?

Nein. GDL-Chef Claus Weselsky hat gesagt, es werde bis zum 7. Januar, ein Sonntag, keinen erneuten Streik geben. „Wir werden am 19. Dezember die Urabstimmung auszählen und in der ersten Januarwoche auch nicht streiken, aber danach werden die Streiks länger und intensiver.“

Fahren bis 22 Uhr am Donnerstag alle Züge regulär?

Einschränkungen werden schon vor 22 Uhr erwartet, auch weil die Bahn manche Züge streicht oder nur einen Teil der Strecke fahren lässt, damit diese am Ende des Streiks an dem Ort stehen, von dem aus sie wieder am Samstag losfahren müssen. Reisende müssen sich also online oder per Navigator-App informieren, welche Züge wirklich fahren. „Ja, wird es so sein, dass schon früher Züge rausgenommen werden wie beim letzten Mal“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn in NRW. Im Reservierungssystem sei größtenteils um 10 Uhr morgens schon aktualisiert gewesen, welche Züge wirklich fahren und welche nicht.

Was ist mit Sparpreis-Tickets?

Wegen des Streiks hat Bahn die Zugbindungen von rabattierten Fernverkehrstickets aufgehoben. Als Ergebnis werden auf Rennstrecken vom Rheinland nach Frankfurt, Berlin oder Hamburg natürlich mancher ICE am Donnerstagnachmittag und Samstagfrüh besonders stark belastet sein. So wird für den ICE 917 von München nach Düsseldorf am Samstag um 10.45 Uhr schon jetzt „hohe Auslastung“ in der App prognostiziert. Das Gleiche gilt für den ICE 847 von Düsseldorf nach Berlin Samstagfrüh. „Auf Rennstrecken ist es dann schlauer, möglichst wenig Gepäck mitzunehmen“, sagt Pro-Bahn-Chef Neuss zum Szenario zu erwartender voller Züge.

Wird es am Freitag trotz Streiks Fernzüge geben?

Ja, die Bahn plant, rund 20 Prozent der Züge fahren zu lassen. Damit viele Passagiere mitfahren können, werden besonders lange ICE eingesetzt. Züge lassen sich digital heraussuchen.

Fahren Busse, U- und Straßenbahnen planmäßig?

Ja, und das dürfte dazu beitragen, die Situation zu entspannen. So werden die Nahverkehrsunternehmen wie die Rheinbahn in Düsseldorf, KVB in Köln, der DVG in Duisburg oder die Ruhrbahn in Essen nicht bestreikt. Sie bringen gemeinsam mehr Menschen unmittelbar zur Arbeit als S-Bahnen und Regionalzüge. Allerdings werden sie von vielen Menschen, die sonst mit dem Regionalverkehr der Bahn zur Arbeit fahren, als Zubringer genutzt, können diese Funktion also nicht erfüllen.

Müssen Arbeitnehmer trotz Streik zur Arbeit kommen?

Ja, ein Streik entbindet nicht von der Pflicht zu arbeiten, wobei viele Firmen Homeoffice ermöglichen.

Hat ein Kunde das Recht auf Ersatz des Fahrpreises?

Ja. Fährt ein Zug nicht oder wird absehbar mindestens 60 Minuten verspätet am Ziel sein, kann der Kunde den Ticketpreis zurückverlangen. Man hat aber auch die Möglichkeit, die Reise zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, wobei man stets auch eine andere, vergleichbare Verbindung zum Zielort wählen kann. Wer eine Fahrpreiserstattung beantragen möchte, kann das über die Navigator-App, online über die Website der DB oder über das Fahrgastrechte-Formular tun, welche das Zugpersonal oder die Mitarbeiter im Reisezentrum ausgeben.

Wie wird der Regionalverkehr in NRW betroffen sein?

Die Bahn kündigt an, dass es auch in den Regionen zu starken Zugausfällen kommen wird. Beim Portal www.zuginfo.nrw wurde veröffentlicht, welche Linien in NRW gestrichen werden und welche nur teilweise fahren. Komplett fallen aus:

Der RE 8 von Mönchengladbach nach Koblenz, der RE 9 von Aachen nach Siegen (aber zwischen Siegen und Köln gibt es Expressbusse), der RE12/22 von Euskirchen nach Köln, der RE 49 Wuppertal-Wesel, der RE 57 von Dortmund nach Brilon und der RE 42 von Münster nach Essen.

Nur eingeschränkt fährt unter anderem der RE18 von Aachen nach Maastricht und der RE 42 von Münster nach Mönchengladbach. Die Regionalbahn RB 27 von Mönchengladbach nach Koblenz fährt nur alle zwei Stunden, ebenso die RB 33 von Aachen nach Essen.

Eine ausführliche Übersicht über die Linien, die fahren und die nicht fahren, finden Sie hier.

Was ist mit S-Bahnen?

Mehrere S-Bahnen gehen in den 60-Minuten-Takt, etwa die Linien S1 (Dortmund-Solingen), S6 (Essen-Köln), S8 (Mönchengladbach-Hagen) und S19 ab Düren nach Au. Diese S-Bahnen fallen unter anderem aus: S2 (Dortmund-Essen), S3 (Hattingen-Oberhausen), S4 (Dortmund-Unna), S5 (Dortmund-Hagen), S11 (Flughafen-Düsseldorf nach Bergisch-Gladbach), S68 (Wuppertal-Langenfeld).

Streiken Bahn-Konkurrenten wie National Express?

Eher nicht betroffen vom Streik werden Linien sein, die nicht von der Deutschen Bahn betrieben werden, wobei Streiks in Stellwerken trotzdem den Verkehr stoppen könnten. So betreibt etwa National Express den RE 1 zwischen Aachen, Köln und Dortmund, den RE 4 zwischen Aachen, Mönchengladbach und Dortmund, den RE 5 zwischen Wesel und Koblenz, den RE 6 zwischen Minden und Köln-Bonn-Flughafen sowie den RE 11 zwischen Düsseldorf und Kassel. Die Regio-Bahn betreibt die S28 zwischen Wuppertal und Kaarst sowie den RE 47 zwischen Düsseldorf und Remscheid.

Wie sieht es schon am Donnerstag aus?

Schon am Donnerstag gibt es in NRW Einschränkungen im regionalen Zugverkehr. Wie das Internetportal www.zuginfo.nrw mitteilte, kommt es unter anderem auf den Bahnstrecken zwischen Dortmund und Aachen, Bielefeld und Altenbeken, Düsseldorf und Hamm, Hamm und Mönchengladbach, Wuppertal und Oberhausen sowie Krefeld und Rheine in beide Richtungen zu Teil- oder Komplettausfällen von Fahrten. Für einige Streckenabschnitte wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Was ist mit Flügen als Notlösung?

Das billigste Flugticket am Freitag von Düsseldorf nach München kostet bei Eurowings 355 Euro, das günstigste Ticket nach Berlin kostet 210 Euro, nach Hamburg sind 170 Euro fällig. Ab Köln-Bonn sind bei Eurowings nach Hamburg mindestens 250 Euro zu zahlen, nach München sind es mindestens 250 Euro.

Erwartet der ADAC mehr Staus auf den Straßen?

Schon am 15. November hatte die GDL einen Warnstreik durchgeführt.

Schon am 15. November hatte die GDL einen Warnstreik durchgeführt.

Foto: dpa/Oliver Berg

Im regionalen Verkehr ist eher mit weniger Staus zu rechnen, weil mehr Berufstätige auf Homeoffice setzen. „Wir gehen davon aus, dass die Beschäftigten die Möglichkeiten des Homeoffice stärker nutzen werden“, heißt es bei Vodafone und Henkel. Der ADAC hatte beim vergangenen Streik erfasst, dass es in NRW an dem Tag etwas weniger Staus als an vergleichbaren Werktagen gegeben hatte. Es wird aber für möglich gehalten, dass es speziell am Freitagnachmittag mehr Verkehr auf wichtigen Autobahnen wie der A3 oder der A1 gibt, weil Menschen mit dem Auto statt mit der Bahn längere Strecken fahren. Ein ADAC-Sprecher sagt: „Der Deutsche Wetterdienst hat für die Nacht zum Freitag gefrierenden Regen mit Glatteisbildung angekündigt, teils bis in tiefe Lagen. Das kann gerade am Freitagmorgen vor allem im Bergischen und im Sauerland zu Verkehrsbehinderungen führen. Auf den Fernstrecken könnte es am Wochenende etwas mehr Verkehr geben als sonst.“

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