Wichtige Antworten Was Kunden zum derzeitigen Bahnstreik in NRW wissen müssen

Berlin/Düsseldorf · Für einen weiteren Tag arbeitet die Bahn am Dienstag nur noch mit Notfahrplan. Auch am Mittwoch könnte es noch kräftig ruckeln, warnt der Fahrgastverband Pro Bahn. Was Kunden wissen müssen.

Das ist Claus Weselsky: Lokführer, CDU-Mitglied, Gewerkschafter
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Die Gewerkschaft der Lokführer Deutschlands (GDL) ruft für Dienstag zum nächsten bundesweiten Streik auf. Wir geben einen Überblick darüber, was Reisende wissen müssen.

Wann beginnt der Streik?

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Der Personenverkehr der DB soll von Dienstag, 12. März, um zwei Uhr bis Mittwoch, 13. März, um zwei Uhr betroffen sein. Schon am Montag könnten einige Züge ausfallen, damit sie am Ende des Streiks dort stehen, wo sie ab Mittwoch früh wieder eingesetzt werden.

Gibt es einen Notfahrplan?

Die Deutsche Bahn aktiviert wie bei den letzten Arbeitskämpfen einen Notfallfahrplan. Bundesweit könnte rund ein Fünftel der Züge unterwegs sein. Der Konzern rät dazu, Tickets für die dann fahrenden Züge zu reservieren. Bei den vergangenen Streiks waren Fernzüge allerdings nicht extrem belastet, weil sehr viele Reisende ihre Fahrten verschoben hatten. Dazu fordert die Bahn auch nun die Kunden aktiv auf.

Was bedeutet die kurzfristige Streikankündigung?

GDL-Chef Claus Weselsky hatte angekündigt, neue Streiks nicht mehr langfristig anzukündigen und den Bahnverkehr so völlig unberechenbar zu machen, um der Bahn möglichst stark zu schaden. Da der neue Arbeitskampf am Sonntagabend für Dienstagfrüh angekündigt wurde, können sich Reisende und Bahn nun doch etwas besser auf die Aktion vorbereiten als es bei einer Ankündigung nur wenige Stunden vor Streikbeginn gewesen wäre. Darum wird die Bahn den Notfahrplan wohl zu sehr großen Teilen in Kraft setzen können.

Die Bahn versucht den Streik mit einer Klage zu stoppen scheiterte aber in erster Instanz? Und nun?

Die Bahn lässt das Urteil vom Landesarbeitsgericht überprüfen. Dies wird aber am aktuellen Streik wohl nur wenig ändern.

Wo hat sich GDL-Chef Weselsky eventuell verrannt?

Ein wichtiger Hintergrund des Streiks ist ja, dass die GDL von der Bahn fordert, nicht nur Lokführer sondern auch Berufsgruppen in anderen Betrieben der Bahn zu vertreten. Dies mit einem Streik durchsetzen zu wollen, ist eigentlich rechtswidrig.

Wie wird die Lage am Mitwoch früh sein?

Nach Streiks dauert es immer einige Zeit, bis der Fahrplan komplett erfüllt werden kann, abgesehen davon, dass auch an normalen Tagen immer wieder Züge ausfallen. „Es ruckelt dann im System“, sagt Detlev Neuß, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Das liegt auch daran, dass Züge oft an Stellen abgestellt werden vor dem Streik, wo sie nach dem Streik eigentlich nicht benötigt werden.

Es ist aber davon auszugehen, dass S-Bahnen und Regionalzüge zu großen Teilen regulär am Mittwoch wieder fahren, aber auch die Mehrheit der Fernzüge. So war es auch an den Tagen nach dem Ende der letzten Streiks. Reisende sollten sich über die Homepage der Bahn oder die App „Navigator“ zeitnah informieren.

Was ist das große Risiko?

Der GDL ist zuzutrauen, dass sie sehr kurzfristig einen neuen Streik beginnt, der eventuell erst in der Nacht vorher angekündigt wird oder dass sie einen rein regionalen Streik beginnt. Reisende sollten sich also vor jeder Reise informieren.

Was meint der Fahrgastverband Pro Bahn?

Der Verband hält die neuen Streiks für unzumutbar. „Niemand kann mehr zuverlässig kalkulieren“,sagt Bundesvorsitzender Neuß. Es schade massiv der Verkehrswende, wenn die Bahn immer häuiger ausfalle. Nun sei eine Schlichtung nötig. Er meint, die Politik solle die GDL stoppen. „Wir brauchen ein Gesetz wie in Italien, das einen brauchbaren Notfahrplan auch für den Fall eines Streiks bei der Bahn zur Pflicht macht. So wird verhindert, dass Millionen Bürger zur Geisel gemacht werden.“

Was ist mit Spartickets?

Deren Zugbindung ist aufgehoben. Reisende mit ICE-Spartickets für den Streiktag können im Rahmen einer „Sonderkulanz“ schon seit Sonntagabend jeden Zug nehmen. Außerdem können Fahrscheine, die für die Streiktage eingeplant waren, nun auch später genutzt werden. Fahrkarten können zurückgegeben werden.

Fallen alle NRW-Regionalzüge aus?

Nein. Regionalzüge der Bahn fahren teilweise, häufig aber nur einmal pro Stunde. In NRW werden zudem viele Regionalbahnen von Bahn-Wettbewerbern betrieben, sie werden nicht bestreikt. So sind Lokführer von National Express für den RE1 zwischen Aachen, Köln und Dortmund zuständig, den RE4 zwischen Aachen, Mönchengladbach und Dortmund, den RE5 zwischen Wesel und Koblenz, den RE6 zwischen Minden und Köln/Bonn-Flughafen sowie den RE11 zwischen Düsseldorf und Kassel. Die Regiobahn GmbH betreibt die S28 zwischen Wuppertal und Kaarst sowie den RE47 Düsseldorf–Remscheid. „Das Angebot ist insgesamt größer, als viele Fahrgäste denken“, sagt Detlev Neuß, Bundesvorsitzender von Pro Bahn.

Wie ist die Lage bei Bussen und Straßenbahnen?

U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse werden ganz normal fahren, weil der öffentliche Dienst nicht betroffen ist. Bei Bussen und Bahnen in NRW droht aber ein neuer Streik, falls Tarifverhandlungen Anfang dieser Woche scheitern.

Was ist mit S-Bahnen?

Einige Linien gingen beim jüngsten Streik in den Ein-Stunden-Takt wie die S1 (Dortmund–Solingen), S6 (Essen–Köln), S8 (Mönchengladbach–Hagen) und S19 (Düren-Au). Einige Bahn-Linien fielen ganz aus wie die S2 (Dortmund–Essen), S3 (Hattingen–Oberhausen), S4 (Dortmund–Unna), S5 (Dortmund–Hagen), S11 (Flughafen Düsseldorf nach Bergisch Gladbach), S68 (Wuppertal–Langenfeld). Es ist damit zu rechnen, dass es ein vergleichbares Angebot gibt. „In jedem Fall wird es auch im Regionalverkehr massive Einschränkungen geben“, erklärt die Bahn.

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