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Anklage wegen Fahrerflucht: Unfreiwillige Rolle für Schauspieler vor Gericht

Anklage wegen Fahrerflucht : Unfreiwillige Rolle für Schauspieler vor Gericht

Auf die Hauptrolle als Angeklagter vor dem Amtsgericht hätte ein Kölner Schauspieler (63) am Dienstag gern verzichtet. Der Mime und Synchronsprecher, bekannt aus TV-Produktionen, vom Theater und als Sprecher bei etlichen Filmdokumentationen, soll beim Ausparken mit seinem Auto an der Jahnstraße ein anderes Auto beschädigt, den Unfallort aber heimlich verlassen haben.

6000 Euro Strafe sollte ihn das kosten. Sein Protest-Auftritt dagegen führte gestern zu einem Teil-Erfolg: Die Richterin will die Unfallspuren jetzt per Gutachten untersuchen lassen.

Lässig im Nadelstreifensakko mit offenem Polohemd und dunkler Jeans trat der Schauspieler gestern der Anklage wegen der Unfallflucht entgegen. Für einen Sprecher-Auftrag war er vor zwei Jahren tatsächlich nach Düsseldorf gefahren, hatte an der Jahnstraße in einer der Parktaschen seinen Pkw abgestellt. "Aber das war sehr knapp neben einem roten Wagen." Und weil ein Anwohner ihn außerdem auf einen anderen, besseren Parkplatz hingewiesen habe, habe er gleich wieder ausgeparkt und sein Auto umgestellt.

"Sicherheitshalber" habe er danach den roten Wagen und sein Auto noch genau betrachtet: "Bei dem Roten waren weiße Streifen an der Beifahrertür, aber bei meinem Auto war gar nichts." Also habe er geglaubt: "Alles ist gut gegangen." Bis Wochen später doch die Anzeige wegen Fahrerflucht ankam.

Darin wird ihm nun vorgeworfen, ein silbergraues Auto verkratzt und verbeult zu haben. Geschätzter Schaden: 1717 Euro. Das will zufällig ein Anwohner beobachtet haben, sogar Fotos machte er damals von beiden Autos. Und als Wochen später ein 26-Jähriger suchend durch die Jahnstraße ging, fand der Anwohner fix heraus: Dies war der Besitzer des beschädigten Wagens in silbergrau.

Der Anwalt des Angeklagten reklamierte aber, dass Beulen und Kratzer am grauen Auto unmöglich von der Stoßstange des (schwarzen) Wagens vom Angeklagten stammen könnten. Um das zu prüfen, beauftragte die Richterin nun einen Kfz-Gutachter. Der Prozess geht weiter, sobald das Ergebnis vorliegt.

(RP)