Totes Baby aus Duisburg in Polen in Altkleidercontainer gefunden

Totes Baby lag in Duisburger Altkleidercontainer: Polizei sucht Mutter von „Mia“

Totes Baby in Altkleidern aus Duisburg gefunden

In einer Sortieranlage für Altkleider in Polen wurde ein totes Baby entdeckt. Der Transport war aus Duisburg gekommen. Die Polizei versucht nun mit Spürhunden, den Container zu finden, in dem das Kind war.

Es ist ein grausiger Fund, den Sortierer von Altkleidern im polnischen Kielce gemacht haben. In einer Tüte entdeckten sie die Leiche eines neugeborenen Mädchen, das sehr wahrscheinlich aus Duisburg stammt. „Sie muss in der Zeit vom 31. Oktober bis zum 8. November in einen Altkleidercontainer der Wirtschaftsbetriebe in Duisburg abgelegt worden sein“, sagt eine Sprecherin der Duisburger Polizei. Wer es dort hineingelegt hat, ist nicht bekannt. „Wir suchen nach der Mutter, die in Duisburg oder Umgebung leben könnte“, so die Sprecherin. Die Polizei vermutet, dass sich die Frau möglicherweise in einer Ausnahmesituation befindet und psychologische Betreuung benötigt. Ob das Baby bereits tot war, als es in den Container gelegt wurde, ist noch nicht bekannt. Die Polizei steht erst am Anfang der Ermittlungen

Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg haben rund 470 Altkleidercontainer auf dem Stadtgebiet verteilt stehen. So einen traurigen Fall habe es bislang noch nie gegeben, sagt eine Sprecherin. „Die Container werden mindestens einmal im Monat von uns angefahren und händisch entleert. Die Säcke werden dann mit einem Lastwagen zu einer Sammelstelle gebracht“, erklärt sie. „Wenn die voll ist, kommt der Verwerter, mit dem wir zusammen arbeiten und holt sie ab“, sagt sie. Der Verwerter arbeite wiederum mit einer Sortieranlage in Polen zusammen – offenbar mit der in Kielce. Nach Angaben der Sprecherin werde die Sammelstelle zwei bis dreimal die Woche vom Verwerter angefahren. „Die Säcke liegen dort also nicht sehr lange“, sagt sie. Eine Lkw-Fuhre umfasst rund 16 Tonnen, im vergangenen Jahr kamen rund 2200 Tonnen zusammen.

Emotionaler Zeugenaufruf der Polizei

Die Duisburger Polizei hat sich mit einer besonders emotionalen Mitteilung an die Öffentlichkeit gewandt. Darin haben die Ermittler dem verstorbenen Säugling selbst den Namen „Mia“ gegeben. „Das schafft noch mehr Aufmerksamkeit und Betroffenheit, die ohnehin schon sehr groß ist“, heißt es aus Polizeikreisen. Denn die Polizei hofft bei ihren Ermittlungen vor allem auf Zeugenaussagen. „Rufen Sie für "Mia" jederzeit das Duisburger Kriminalkommissariat 11 unter 0203 280-4508 an“, heißt es in der Polizeimeldung. Die Polizei fragt: Wem ist eine Frau oder ein Mädchen aufgefallen, deren Wesen sich in den letzten Monaten verändert hat? Dies könnte sich durch auffällige Gewichts zu- oder abnahmen, Änderung des Kleidungsstils, Vermeidung von Sport, verändertes Freizeitverhalten oder bei sozialen Kontakten gezeigt haben, so die Polizei. Die Polizei ist dabei, möglichst schnell alle Altkleidercontainer in Duisburg auf Spuren hin zu untersuchen, um herauszufinden, in welchen Container der Säugling gelegt worden ist. Dazu werden Spürhunde eingesetzt.

Neben den Wirtschaftsbetrieben stellt in Duisburg auch die Diakonie Altkleidercontainer auf. „Wir entleeren sie ein bis zweimal die Woche händisch vor Ort“, sagt Siegbert Weide von der Diakonie. „Die Kleider werden dann von uns sortiert und kommen dann in den Laden der Diakonie“, sagt er. Aber es gebe auch andere Systeme der Entleerung. „In anderen Fällen werden Container von Lastwagen angefahren und geleert. Sobald ein Lkw voll ist, geht er auf die Autobahn zum Beispiel Richtung Polen, Belgien oder Holland. Also zu seinem Bestimmungsort. Das wird bei uns aber nicht gemacht“, sagt Weide. „Wenn das Baby in einer Tüte mit Kleidern war, wird das keinem aufgefallen sein. Die Tüten werden in der Regel nicht vor Ort am Container geöffnet“, sagt er. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreibt Altkleidercontainer. Auch dort gibt es unterschiedliche Verfahren. „Unsere Kreisverbände arbeiten entweder mit einem Vermarkter zusammen, an den die Kleider gehen“, sagt eine DRK-Sprecherin. „Oder sie bleiben vor Ort und werden dort von unserer Mitarbeitern sortiert“, sagt sie.

In Nordrhein-Westfalen gibt es 25 Babyklappen, bundesweit sind es rund 100. Dort können Frauen, die ihr Baby nicht wollen, es anonym abgeben – statt es auszusetzen oder zu töten, wie es immer wieder vorkommt. Im vergangenen Jahr wurden in NRW so viele Säuglinge in Babyklappen gelegt wie lange nicht mehr. Auch in Duisburg gibt es eine solche Einrichtung – am St. Johannes Hospitals in Duisburg-Hamborn.

(csh )
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