Tonhallen-Konzert mit Christian Ehring

Tonhallen-Konzert mit Christian Ehring

Schneeschippen, Autokratzen, Salzstreuen – jeder kann derzeit sein persönliches Lied vom Winter singen. Doch nicht nur die kälteste Jahreszeit ist Garant für Erzählstoff und viele Zuhörer, wie die Tonhallen-Konzertreihe Sonnenwind nun zeigte. Der Erzähler war hier der Kabarettist Christian Ehring. Er wandte sich an den Typ des Gelegenheits-Konzertbesucher und senkte den Tonfall des Elfenbeinturms auf ein sehr anschauliches Niveau.

Die Düsseldorfer Symphoniker und der Violinist Robert McDuffie konfrontierten das Publikum mit zwei unterschiedlichen Jahreszyklen: Vivaldis Klassiker "Die vier Jahreszeiten" und Philip Glass' "The American Four Seasons". Üppiger Barock trifft auf minimalistische Klang-Mechanik. McDuffie ist der zentrale Mann des Abends. Ein André-Rieu-Hauch durchweht den Saal, als der Violinist die ersten Takte der Solovioline aus Vivaldis "Frühling" spielt – leichtfingrig, hüpfend. Dabei setzt McDuffie auf Tempo und Energie, bringt die Orchesterbässe in Schwung. Bei aller Schnelligkeit gerät seine Intonation jedoch ins Hintertreffen.

In vier Sätzen bietet Glass' Komposition die für Minimal Music typischen Merkmale sich stets wiederholender Melodie-, Akkord und Rhythmusmotive, die sich zunehmend verdichten. Der vierte Satz endet in einem furiosen Tumult von Tonrepetitionen, Akkordbrechungen und Doppelgriffen, die McDuffie, von sehr aufmerksamen Symphonikern begleitet, bravourös und nun auch intonationssicher bewältigt. – Ovationen im Stehen. NATALIE HÜSKENS

(RP)