1. NRW

Tonhalle: Famoses Kammerorchester

Tonhalle: Famoses Kammerorchester

Bevor ein Orchester die Tonhallenbühne für sich einnimmt, bevölkern normalerweise viele leere Stühle und Notenständer das Halbrund unter der Sternenkuppel. Wenn das English Chamber Orchestra (ECO) im Meisterkonzert zu Gast ist, stehen nur ein paar staksige Notenpulte herum – die Geigen und Bratschen spielen im Stehen. Das gibt ein ebenso putziges Bild ab wie nonchalant sich stehend unterhaltende Damen und Herren auf der Bühne, während im Saal heftig applaudiert wird. Das ECO ist fürwahr ein famoser Klangkörper. Die 30 Musiker pflegen ein artifizielles Spiel ohne viel Vibrato und weit gefächerter Dynamik in perfektem Zusammenspiel.

Vorn steht Konzertmeisterin Stephanie Gonley und gibt mit lockigem Wuschelkopf die Emotionen vor. Rundherum reagieren die Stimmführer, dann die hinteren Pulte in Lichtgeschwindigkeit. Das Orchester ist streng hierarchisch organisiert, da prescht niemand vor oder heraus. Und man arbeitet mit allen Tricks: Während die Kollegen noch in Elgars Fitzelfuge aus "Introduction und Allegro" wuseln, klinkt sich ein Hintersteher kurz aus, um einen empfindlichen hohen Ton vorbereitend abzuklopfen, der ein Sekündchen später auch blitzsauber das Ohr der Zuschauer erfreut.

Die Briten haben Sensibles im Gepäck. Haydns "Maria-Theresia"-Sinfonie – ein Rausch an Ideen und Delikatessen in C-Dur; Rossinis erste Sonata a quattro, bei der sich die Geigen die Bälle zuwerfen. Vor der Pause weckt die – an Figur und Ton – sehr schlanke Geigerin Tanja Becker-Bender Mozarts D-Dur-Konzert zu zarter aber strahlender Blüte. Sie wirkt nervös, doch hört man davon nichts. Alles singt ganz silbrig. Ja, wenn sie noch ein wenig mehr Spontaneität gewagt hätte – das ECO hätte alles mitgemacht. ARMIN KAUMANNS

(RP)