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Tierschutzbund fordert Futterstellen für Stadttauben

Vögeln droht Hungertod : Tierschutzbund fordert Futterstellen für Stadttauben

Die Innenstädte sind in Zeiten von Corona wie leergefegt. Das gefährdet das Leben der Stadttauben, weil sie nichts Essbares mehr finden. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher Futterstellen.

Städte bieten den Tauben ideale Voraussetzungen, denn Nahrung ist dort reichlich vorhanden: Die Mülleimer sind voll mit Essensresten. In den Rillen vom Kopfsteinpflaster oder in Fußgängerzonen liegen Brotkrümmel und Frittenstücke. Doch derzeit sind die Innenstädte wegen der Corona-Pandemie menschenleer. Die meisten Restaurants, Cafés und Imbissbuden sind geschlossen. Die Folge: Tauben finden weniger Nahrung.

Der Deutsche Tierschutzbund sieht die Gefahr, dass viele Tiere verhungern werden. Deshalb appelliert er an die Städte, die Versorgung der Tauben sicherzustellen. „In den Städten fehlt es Tauben ohnehin an artgerechter Nahrung. Reste sind zwar kein adäquates Futter, aber jetzt werden sie verhungern, weil sie gar nichts mehr finden“, sagt Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund. Daher fordert sie, dass die Städte zumindest in der Zeit der Ausnahmesituation ausreichend und kontrollierte Fütterungsstellen einrichten.

Tauben sind sehr standorttreu. Daher, so Pommerening, verlassen sie nicht ihren gewohnten Platz, um Futter zu suchen. Zudem ist Brutsaison, so dass die Tauben ihre Jungtiere in den Nestern versorgen müssen. Viele meinen, Stadttauben seien Wildtiere, dem widerspricht der Tierschutzbund. „Ursprünglich stammen sie zwar von einer wilden Felsentaube ab, aber über Generationen hinweg haben sie sich uns Menschen angepasst, beziehungsweise sind sie Nachfahren der vom Menschen gezüchteten Brieftauben – sie sind quasi verwilderte Haustiere“, sagt Pommerening. Daher seien die Städte mitverantwortlich für die Tiere und dürften sie nicht qualvoll verenden lassen.

Ein Sprecher der Stadt Düsseldorf sagt, dass bisher nicht mehr Tauben verendet seien. Zwar würden zurzeit deutlich weniger Menschen als üblich Düsseldorfer Straßen und Plätze bevölkern und es gebe weniger Müll. Dennoch gäbe es keinen Anlass dazu, Fütterungsstellen aufzustellen. „Weniger Abfall heißt nicht, dass nun kein Futter mehr zur Verfügung steht, daher ist mit einem Verhungern von Tieren nicht zu rechnen“, sagt der Sprecher. Er ist der Meinung, dass die Tiere sich auch in der Natur ausreichend mit Nahrung versorgen können. Wenn es dennoch zu einem vermehrten Auffinden verendeter Vögel kommen sollte, würden diese Tiere – auch aus Gründen der vorbeugenden Tierseuchenbekämpfung – zur Bestimmung der Todesursache in ein staatliches Labor geschickt. Gegenmaßnahmen würden erst dann eingeleitet, wenn bei zahlreichen Tieren Verhungern als Todesursache bewiesen würde.

Allgemeine Fütterungsverbote, wie sie in vielen Städten gelten, sind ohne ein alternatives Futterangebot aus Tierschutzsicht generell tierschutzwidrig. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt deshalb, Verstöße gegen Fütterungsverbote derzeit ausnahmsweise nicht zu verfolgen, sofern artgerechtes Futter verwendet wird. Der Deutsche Tierschutzbund möchte mit seiner Kampagne #RespektTaube auf ein wirksames Taubenmanagement aufmerksam machen. „Taubenschläge oder Taubentürme, in denen sie Wasser und Futter wie Mais, Körner oder Sämereien bekämen, wären ideal. Dadurch könnte man sie auch aus der Innenstadt holen“, sagt Hester Pommerening. In den Nistplätzen könnten Eier durch Gips-Attrappen ausgetauscht werden.

Vor etwa einem Jahr gründete Janina Nasri aus Wuppertal die Facebook-Gruppe „Stadttauben – fliegende Schönheiten“. Die Jurastudentin tauscht hin und wieder Taubeneier aus, um die Zahl der Stadttauben zu reduzieren. „Bei der Aktion lassen wir zu weit entwickelte Embryo-Eier natürlich brüten“, sagt sie. Mittlerweile hat sie ein festes Team von rund 15 Personen, die Rettungsaktionen in Wuppertal durchführen. „Ich würde mich freuen, wenn wenigstens vorübergehend während der Corona-Zeit das Taubenfütterungsverbot aufgehoben werden würde“, sagt Nasri.