Theater um Karfreitag beendet

Theater um Karfreitag beendet

René Heinersdorff verschiebt freiwillig die Aufführung im Theater an der Kö. Ein vom Innenminister angeordnetes Verbot, den Lustigen Witwer am stillen Feiertag zu spielen, musste Ordnungsdezernent Keller deshalb nicht aussprechen. Einig sind sich beide: Die Gesetzeslage ist unbefriedigend.

So gut war Theaterchef René Heinersdorff schon lange nicht mehr aufs städtische Rathaus zu sprechen. Er habe "gleich gemerkt: Der ist nicht nur Realist. Der ist auch noch sympathisch", schwärmte Heinersdorff gestern von Ordnungsdezernent Stephan Keller.

Der hatte vorigen Donnerstag vom Innenministerium die "unmissverständliche" Anweisung erhalten, Heinersdorffs geplante Karfreitag-Aufführung zu verbieten. Statt dies mit einer "behördlichen Veranlassung in die Wege zu leiten", hatte Keller direkt zum Telefon gegriffen, und so der Stadt und der Bühne ein imageschädigendes Theater um den Feiertag erspart. "Wir hatten ein positives Gespräch und sind uns einig, dass der Karfreitag unter besonderem Schutz steht", sagte Keller.

Fast wie Zensur

Der hatte auf ministerliche Weisung in den vergangenen Wochen, unterstützt von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, die Spielpläne der Düsseldorfer Bühnen auf Störung der Karfreitagsruhe durchforstet. Bei der Entscheidung, welches Stück ernst und welches dem Feiertag unangemessen sei, habe ihn schon fast "in eine Zensur-Situation gebracht" gesehen und sich darin entscheiden zu müssen, was nun ein ernstes und was kein ernstes Stück ist", sagte er gestern und fordert "ein Gesetz, dass klar sagt, was geht und was nicht."

In seiner letzten Fassung von 1989 sagt das Feiertagsschutzgesetz, dass "Veranstaltungen, Theater- und musikalische Aufführungen, Filmvorführungen und Vorträge jeglicher Art, auch ernsten Charakters, während der Hauptzeit des Gottesdienstes" verboten sind. Für Heinersdorffs Hauptdarsteller Jörg Pleva, der solche Regelung aus seiner hamburgischen Heimat gar nicht kennt, schlicht "idiotisch". Pleva, der nun am Freitag spielfrei hat, findet auch ungerecht, dass ein freies, nicht subventioniertes Theater wie das an der Kö derart eingeschränkt werde.

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René Heinersdorff geht's aber nach eigenem Bekunden gar nicht mal ums Geld. "Ich finde höchst irritierend, dass der Innenminister die Zeit hat, sich mit dem Spielplan eines kleinen Theaters im Keller der Schadow Arkaden zu befassen – soll er doch mal auf dem Straßenstrich nachschauen, ob es dem Karfreitag angemessen ist, wenn 14-jährige Mädchen ihre Körper verkaufen."

Er sei selbst Christ und "auch noch evangelisch", würdige den Karfreitag als höchsten Feiertag seiner Kirche. "Ich geh' dann auch im Anzug ins Foyer." Zwei Jahre lang ist das so gut gegangen, nachdem das Theater an der Kö gegen ein von der Stadt verhängtes Bußgeld vor Gericht gezogen war – und gewonnen hatte. Mit dem Spielverbot in diesem Jahr "schließt der Minister eine Stätte, die der Besinnlichkeit Raum gibt, die er für den Feiertag angeblich will", sagt Heinersdorff und nennt die Argumente von der Haroldstraße schlicht "verlogen".

So weit ging Ordnungsdezernent Stephan Keller bei aller Sympathie dann doch nicht mit. Er machte deutlich, dass das Ordnungsamt am Freitag diverse Örtlichkeiten überprüfen werde und auch durchgreife, um die Feiertagsruhe durchzusetzen. Voriges Jahr war das 22 Mal nötig, 90 Diskotheken und Clubs wurden kontrolliert. Gerda Grenda, deren Familie sich jedes Jahr um die Ostertage bei ihr trifft, hat Keller damit freilich nicht trösten können. Die Seniorin wollte mit der Verwandtschaft weder in die Disko noch in eine Table Dance Bar. Bloß am Karfreitag morgens in die Kirche und abends ins Theater. "Warum wird mir das verwehrt? Theater ist doch kein Halligalli."

Ob die neue Sympathie zwischen Rathaus und Kö-Theater auch im nächsten Jahr zu einer friedlichen Lösung führt, ist unklar. Heinersdorff, nach eigenem Bekunden zu alt für einen Kampf durch die Instanzen, strebt eine rheinische Lösung an – offiziell ein Spielverbot, aber keinen, der es kontrolliert. Keller, laut Heinersdorff "im weitesten Sinn auch Rheinländer", hat zu diesem Vorschlag gestern nur gelacht.

(RP)
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