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Terror-Razzia in NRW: Ermittler zerschlagen IS-Terrorzelle - "riesige Dimension"

Razzia unter anderem im Kreis Heinsberg : Ermittler zerschlagen IS-Terrorzelle in NRW

Die Polizei hat vier Tadschiken festgenommen, unter anderem im Kreis Heinsberg. Sie sollen Anschläge in Deutschland geplant haben, Schusswaffen besaßen sie bereits. Anfang 2019 sollen sie sich dem „Islamischen Staat“ angeschlossen haben.

Nordrhein-westfälische Sicherheitsbehörden sind am frühen Mittwochmorgen gegen eine mutmaßliche Terrorzelle vorgegangen, die Anschläge in Deutschland geplant haben soll. Rund 350 Spezialkräfte der Polizei unter Leitung des Polizeipräsidiums Düsseldorf nahmen vier Mitglieder einer Terrorzelle des Islamischen Staats in Siegen, dem Kreis Heinsberg sowie in Werdohl im Sauerland fest. Zudem wurden die Wohnungen der Beschuldigten sowie sechs weitere Objekte in Nordrhein-Westfalen durchsucht. „Wir haben alle, die wir haben wollten, bekommen“, hieß es aus Ermittlerkreisen. Verletzte soll es bei dem Einsatz nicht gegeben haben.

Nach Angaben der ermittelnden Bundesanwaltschaft in Karlsruhe handelt es sich bei den Festgenommenen um Männer im Alter zwischen 24 und 32 Jahren, die allesamt aus dem zentralasiatischen Staat Tadschikistan stammen. Hinzu kommt ein fünfter Beschuldigter, der bereits seit dem 15. März 2019 in Untersuchungshaft sitzt und ebenfalls tadschikischer Staatsangehöriger ist. Nach Angaben der Karlsruher Anklagebehörde sind die Männer dringend verdächtig, in der Bundesrepublik eine Terrorzelle gegründet zu haben. Anfang 2019 sollen sie sich dem Islamischen Staat angeschlossen haben.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, der Fall habe eine „riesige Dimension“. „Es sind Geld und Datenträger sichergestellt worden. Die Beschuldigten hatten wir schon recht lange im Blick“, sagte Reul. Demnach sind die Tadschiken als Flüchtlinge nach Deutschland eingereist. Die Behörden hatten zuvor drei von ihnen als sogenannte Gefährder geführt und zwei als „relevante Personen“ eingestuft. Reul betonte aber, dass nach derzeitigen Informationen ein Anschlag in Deutschland nicht unmittelbar bevorgestanden habe. Die Gruppe habe sich aber schon Schusswaffen samt Munition und Anleitungen zum Bau von Bomben beschafft.

Anschlagsziele sollten laut Bundesanwaltschaft Einrichtungen von US-amerikanischen Streitkräften in Deutschland oder auch Einzelpersonen sein. Insbesondere planten die Islamisten demnach einen Mordanschlag auf eine Person, die sich aus Sicht der Beschuldigten islamkritisch geäußert hatte. Dabei handelt es sich um einen Mann aus Neuss. Laut Anklagebehörde wurde er bereits ausgespäht. Ausgekundschaftet wurden zudem US-Luftwaffenstützpunkte in Deutschland. Die vier Beschuldigten sollten im Laufe des Mittwochs in Karlsruhe einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Erich Rettinghaus, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, lobte: „Der Fall zeigt, dass die Polizei auch während der Corona-Krise in der Lage ist, einen solchen Zugriff perfekt durchzuführen.“