Tenacious D wie im Lehrbuch

Tenacious D wie im Lehrbuch

Ein Fan hat es zu weit getrieben. Noch vor Beginn setzt er sich auf den Hallenboden, vergräbt das Gesicht in den Händen und kämpft an gegen den Rausch, der umzuschlagen droht. Er bekommt nicht mit, wie Tenacious D in weißen Bademänteln auf die Bühne schreiten, er bekommt nichts mit von den bunten Lichterketten, die sich das Duo umgehängt hat. Der Rock 'n' Roll fordert sein erstes Opfer.

Tenacious D sind die beiden Schauspieler Jack Black und Kyle Gass, sie spielen Comedy-Rock und mimen exzentrische Rockstars. Schon wenige Minuten nach dem Vorverkaufsstart war das Konzert in der Mitsubishi Electric Halle ausverkauft, 7300 Fans schreien "D! D! D!" und formen die Finger zu Teufelshörnern. Zuweilen verschwimmen die Grenzen zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit, Tenacious D bezeichnen ihre Band als größte der Welt und werden als eine solche gefeiert. Dabei beschränkt sich Gitarrist Kyle Gass hauptsächlich auf Lehrbuch-Akkorde, das Duo hat drei exzellente Musiker zur Seite, die besorgen den Rest.

"Rize of the Fenix" heißt das aktuelle und erst dritte Album in zwei Dekaden Bandgeschichte, zum gleichnamigen Song türmt sich auf der Bühne ein Phönix in Phallusform auf. Tenacious D überhöhen die Themen und Posen des Rock 'n' Roll, Sänger Jack Black quiekt, kreischt, flüstert und meistens spricht er, über den Teufel, Sex und die Bedeutsamkeit des eigenen Schaffens. Das Duo trägt T-Shirts in XXXL, Kyle Gass sieht in seiner kurzen Sporthose aus, als hätte er gerade noch so den Weg von der Couch auf die Bühne gefunden.

Zwei Stunden spielen Tenacious D, kurz vor Schluss gibt es "Tribute", das Stück erzählt vom besten Song aller Zeiten. Sie widmen es den Toten Hosen. Durch die ersten Reihen torkelt jetzt ein Fan, er hat sich noch mal aufgerafft. Dem Rock sei Dank.

(RP)
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