Köln: Streit in Köln um von Kliniken abgewiesenes Vergewaltigungsopfer

Köln : Streit in Köln um von Kliniken abgewiesenes Vergewaltigungsopfer

Nachdem zwei katholische Krankenhäuser in Köln eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung abgewiesen hatten, entschuldigte sich jetzt das Erzbistum Köln. Sowohl die Krankenhaus-Leitung als auch das Erzbistum Köln bezeichneten dies gestern als "Missverständnis". Die 25-Jährige sollte in der Klinik auf Anraten ihrer Notärztin gynäkologisch untersucht werden, um Spermien für den Fall zu sichern, dass sie gegen einen Täter gerichtlich vorgehen würde. Die beiden Kliniken lehnten dies aber ab, wie ihr Träger, die Stiftung der Cellitinnen, gestern bestätigte. Die Kliniken begründeten die Ablehnung damit, dass eine solche Untersuchung immer auch mit einem Gespräch verbunden sei, in dem auf die "Pille danach" hingewiesen werde. Das aber sei katholischen Häusern untersagt.

Christoph Leiden sagte für die Krankenhausleitung, Vergewaltigungsopfer würden in katholischen Krankenhäusern genauso behandelt wie in anderen Kliniken auch. Die einzige Ausnahme sei, dass ihnen dort nicht die "Pille danach" verschrieben werden könne. Die Frauen würden aber auf diese Möglichkeit hingewiesen. Es gebe keine Strategie der Abweisung, versicherte er, im Gegenteil.

Dass die 25-jährige Frau gleich zweimal kurz hintereinander und mit derselben Begründung von katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen wurde, ist nach Darstellung von Leiden reiner Zufall. In beiden Fällen hätten einzelne Ärzte einen Fehler gemacht. Die Klinikleitung müsse sich vorwerfen lassen, das richtige Vorgehen in einer solchen Situation offenbar nicht ausreichend kommuniziert zu haben.

Auf den Fall der 25-Jährigen hatte die Notärztin Irmgard Maiworm aufmerksam gemacht. Nach ihrem Eindruck hatten die Ärzte, mit denen sie in den katholischen Krankenhäusern Kontakt hatte, "Angst um ihren Arbeitsplatz". Die Geschäftsführung der Kliniken bestritt, dass schon einmal ein Arzt entlassen worden sei, weil er gegen ethische Richtlinien verstoßen haben sollte. Einen solchen Fall gebe es nicht. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) sagte, dass kein Krankenhaus das Opfer einer Gewalttat abweisen dürfe. "Neben einer Behandlung müssen psychische Schäden therapiert und zudem für die Strafverfolgung Spuren gesichert werden. Hierbei sollten alle Krankenhäuser sowohl die Opfer als auch die Strafverfolgungsbehörden vorbehaltlos unterstützen."

(dpa/RP)