Streik an den Flughäfen „Es geht uns nicht nur ums Geld“

Düsseldorf/Köln · An den Flughäfen in Düsseldorf und Köln/Bonn fielen infolge des Warnstreiks des Bodenpersonals Flüge aus. An den Lufthansa-Drehkreuzen in Frankfurt und München gab es erheblich größere Probleme als in NRW.

Lufthansa-Streik NRW: So läuft der Streiktag an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn
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So lief der Streiktag an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn

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Foto: Christian Schwerdtfeger

Patrick Strauch ist sogenannter Schlepper-Fahrer am Düsseldorfer Flughafen; er zieht die Flugzeuge auf dem Rollfeld. Seit 26 Jahren ist er am Airport tätig. Nun aber hat er genug von den Arbeitsbedingungen, die sich seiner Meinung nach von Jahr zu Jahr verschlechtert hätten. „Es geht uns nicht nur ums Geld, sondern ganz klar um Arbeitsplätze – gerade auch in der Coronazeit“, erklärt er seinen Grund dafür, wieso er sich dem Streik angeschlossen hat. „Nach kürzester Zeit in der Pandemie wurden die Leute, die Zeitverträge hatten, gekündigt und bis dato nicht mehr ersetzt“, berichtet er.

Ein Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals hat am Mittwochmorgen für Verspätungen und vereinzelte Ausfälle am Flughafen Düsseldorf gesorgt. „Wir haben volle Streikbeteiligung. Wir wissen von keinen Streikbrechern“, sagte Verdi-Sekretär Andrej Bill. Seinen Angaben zufolge streikten in Düsseldorf zwischen 60 und 70 Beschäftigte.

Die Lufthansa hatte wegen des Warnstreiks am Mittwoch fast das gesamte Programm an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München gestrichen. Auch in Köln/Bonn wurden die insgesamt zehn Ankünfte und Abflüge nach München gestrichen – ebenso in Düsseldorf. Der Ausstand soll bis Donnerstagmorgen sechs Uhr dauern. Damit will Verdi nach mehreren Verhandlungsrunden mit der Lufthansa Druck für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten machen.

Gravierende Auswirkungen hatte der Streik am Flughafen in Düsseldorf nicht. „Dazu sind wir hier auch zu wenige, die streiken. Düsseldorf ist kein großer Lufthansa-Standort mehr“, sagte ein Streikender. Die vereinzelten Flüge, die annulliert wurden, fielen kaum ins Gewicht. „Die betroffenen Passagiere hatten im Vorfeld umgebucht. Ich kann von keinen Problemen berichten“, so eine Mitarbeiterin der Lufthansa in Düsseldorf. Vielmehr herrschte am Airport in der Landeshauptstadt der normale Ferienverkehr, den man dort seit Wochen kennt: teils lange Warteschlangen vor den Sicherheitskontrollen und den Check-in-Schaltern. Die Ursache dafür liegt im Personalmangel begründet.

Streik: Ihre Rechte als Fluggast
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Foto: AP

Verdi-Sekretär Bill zufolge hatte der Flughafen bereits am Vortag viele Flugzeuge so geparkt, dass sie am Mittwoch ohne Pushback, also das Zurückschieben des Flugzeugs an den Flugsteig, anrollen konnten. Außerdem seien für die Pushbacks „Streikbrecher“ von Drittfirmen engagiert worden. Eurowings, die größte Fluggesellschaft in NRW, hatte erklärt, in Düsseldorf habe man sich für das Schleppen und Positionieren der Flugzeuge ausreichend Ersatzkapazität gesichert.

Am Flughafen Köln/Bonn waren die Auswirkungen des Streiks überhaupt nicht spürbar. Fünf Inlandsflüge der Lufthansa nach München waren für den Mittwoch annulliert worden. „Alle Passagiere wurden rechtzeitig informiert, so dass hier heute gar niemand am Schalter aufgetaucht ist“, sagt eine Mitarbeiterin vom Schalter neben den verwaisten Lufthansa-Check-ins. Nach den teils chaotischen Zuständen am Wochenende, wo die Polizei in Köln/Bonn aufgebrachte Passagiere in den Schlangen vor den Sicherheitskontrollen beruhigen musste, sind am Mittwochmorgen viele Reisende wieder rechtzeitig und Stunden vor ihrem Abflug zum Airport gekommen. Unter ihnen Alexander Martinelli aus Soest mit seiner Frau und den beiden Söhnen. „Wir sind um 6 zu Hause los“, sagt Martinelli. Der Flug nach Palma de Mallorca geht um 13 Uhr. „Es hat sicher Sinn gemacht, an einem Wochentag zu buchen und nicht am Wochenende.“

Am größten deutschen Airport in Frankfurt wurden am Mittwoch 725 von 1160 geplanten Flügen abgesagt, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport erklärte. Damit sind auch Flüge anderer Gesellschaften betroffen, die üblicherweise vom Lufthansa-Bodenpersonal mitbetreut werden. Lufthansa selbst hatte für Mittwoch die Zahl von 646 streikbedingten Flugabsagen genannt.

Gestrichen wurden auch Flüge von Lufthansa-Konzerngesellschaften wie Swiss, Austria, Brussels oder Air Dolomiti. Darüber hinaus konnten auch unter anderem Maschinen von Croatian, United, Air Canada oder der polnischen LOT nicht abheben. Ähnlich sah es in München aus.

Lufthansa-Sprecher Martin Leutke bezeichnete den Warnstreik als „unnötig, überzogen und viel zu umfänglich“. Das Unternehmen habe schließlich ein substanzielles Angebot vorgelegt, über das man weiter hätte sprechen können. Verdi habe sich aber entschieden, den Konflikt auf dem Rücken der Passagiere auszutragen. „So einen Streik hätte es nicht gebraucht.“

Am Düsseldorfer Flughafen zeigte die große Anzeigentafel unter dem Dach des Terminals die Nachricht des Tages an.

Am Düsseldorfer Flughafen zeigte die große Anzeigentafel unter dem Dach des Terminals die Nachricht des Tages an.

Foto: Christian Schwerdtfeger

Lufthansa und Verdi haben erst in zwei Runden über die künftigen Gehälter und Arbeitsbedingungen der rund 20 000 Bodenbeschäftigten gesprochen. Ein dritter Termin ist für den 3./4. August in Frankfurt vereinbart. Ein erstes Angebot hatte Verdi als zu niedrig abgelehnt. Die Gewerkschaft verlangt 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro. Als weitere Beschäftigtengruppe läuft bei den Piloten noch bis Sonntag eine Urabstimmung über einen Arbeitskampf.

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