Xanten: Zu Hause auf Nord- und Südsee

Xanten: Zu Hause auf Nord- und Südsee

Nikolai Nachtigall schippert seit 2013 mit seiner "Seestern" über die ehemaligen Kiesgruben. Der 29-jährige Binnenschiffer war früher auf großen Tankern unterwegs. In Xanten hat er aber seine Bestimmung und auch ein Stück Heimat gefunden.

Leichter Wellengang herrscht im Hafen von Vynen, der Himmel ist bewölkt, der Wind lässt die noch nicht ausgeschlagenen Bäume sanft hin- und herwiegen. Trotz fehlendem Sonnenschein und eher kühlen Temperaturen wartet seit Anfang April wieder die "Seestern", das 70 Personen fassende Fahrgastschiff, am Anlieger auf Menschen, die die Xantener Nord- und Südsee einmal aus vom Wasser aus erleben wollen.

Kapitän Nikolai Nachtigall hat in den vergangenen Monaten alles dafür getan, dass sein betagtes Schiff - 1933 wurde die "Seestern" gebaut - auch bis zum Beginn der gerade wieder gestarteten Saison rechtzeitig fahrtauglich wird. "Nach der planmäßigen Generalüberholung, die im vergangenen Winter anstand, mussten jetzt das Getriebe getauscht und der Lack erneuert werden. Das war ein wenig problematisch, weil es immer wieder geregnet hat und alles nie wirklich antrocknen konnte." Mehrere tausend Euro musste der 29-Jährige dafür in die Hand nehmen - Geld, dass er teilweise gespart hatte, das er aber bis zum Saisonende im Oktober auch wieder einnehmen muss. Daher legt die "Seestern" an diesem Tag auch pünktlich ab - auch wenn im Hafen Vynen nur vier Gäste an Bord kamen.

Nikolai Nachtigall hat das Schiff im Jahr 2013 gekauft. Seine Frau Stephanie kümmert sich an Bord um die Gäste, während er am Ruder steht. Foto: Fischer Armin

"Macht nichts. Die Saison hat gerade erst angefangen", sagt Nachtigall. "Das wird schon." Seit 2013 schippert der gelernte Binnenschiffer bereits über die Xantener Nord- und Südsee - und anscheinend macht er seine Sache nicht so schlecht. Denn: "In den vergangenen Jahren sind die Gästezahlen stetig gestiegen."

Zu seinem derzeitigen Job kam Nachtigall aber eher zufällig. "Die Binnenschifffahrt ist ein Dorf. Ich habe auf einem Lehrgang gehört, dass hier ein Nachfolger gesucht wurde. Daraufhin habe ich mir hier alles angeschaut und wusste sofort, dass ich das gerne machen würde", erzählt Nachtigall, während er seinen Kahn gekonnt an einer Engstelle vorbeimanövriert.

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Gesagt, getan. Kurze Zeit später fuhr er erstmals Gäste über die beiden ehemaligen Kiesgruben - und musste sich mit einigen Dingen erst einmal vertraut machen. "Ich war nach meiner Ausbildung in Karlsruhe eigentlich hauptsächlich nur auf Tankschiffen auf der Elbe unterwegs. So Dinge wie Gastronomie oder Buchführung waren mir völlig fremd. Das musste ich mir erst einmal aneignen." Inzwischen kann sich der 29-Jährige aber wieder voll und ganz auf die Schifffahrt konzentrieren - denn um die Gäste kümmert sich mittlerweile seine Frau Stephanie. "Die ist mir 2014 an Bord zugelaufen. Sie fuhr als Gast mit - jetzt als Ehefrau", berichtet Nachtigall mit einem Augenzwinkern.

Der Kapitän weiß, was er an ihr hat. Und ist glücklich mit seinem Job. "Ich bin froh, dass ich mich damals dazu entschieden habe, hier anzufangen. Denn ich genieße für einen Binnenschiffer auch das große Privileg, eine Heimat, einen festen Wohnsitz zu haben und abends wieder bei meiner Familie sein zu können."

Die Entscheidung, sich zum Binnenschiffer ausbilden zu lassen, hat er derweil trotzdem nie bereut. "Alles rund ums Thema Wasser hat mich schon immer interessiert. Früher war ich Rettungsschwimmer und war gerne surfen. Dann interessierte ich mich irgendwann auch für Technik. Daher habe ich in diesem Beruf die meisten meiner Interessen gebündelt wiedergefunden."

Derweil nähert sich die "Seestern" dem Xantener Hafen am Plaza. Vorsichtig steuert Nachtigall das Schiff in Richtung Ufer - wo auch schon die nächsten Gäste warten. "Ich fühle mich wohl hier und möchte das so lange machen, wie es geht", sagt der Kapitän mit einem zufriedenen Lächeln.

(p-m)