Xanten: Xantens unbekannte Kunstwerke

Xanten: Xantens unbekannte Kunstwerke

Bei einer Führung entdeckten 30 Besucher die Geheimnisse des Nibelungentors und weiterer versteckter Kunst in der Stadt.

Wer den Archäologischen Park in Xanten besucht und im Anschluss die Kriemhildmühle, das Klever Tor oder die malerische Altstadt besichtigen möchte, dessen Weg führt unweigerlich am Nibelungentor vorbei. Dabei handelt es sich um eine 34 Tonnen schwere Steinskulptur, die mitten im Kreisverkehr vor der Stadtmauer steht.

Erschaffen hat diese und viele weitere Kunstwerke der Kalkarer Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann. Im Rahmen einer Führung erläuterte der Künstler am vergangenen Samstag rund 30 Besuchern die Hintergründe seiner Arbeiten: "Das Nibelungentor steht genau auf der Schwelle zwischen der römischen und der mittelalterlich-fränkischen Stadt. Ganz in der Nähe lag übrigens vor 1000 Jahren der Königshof, auf dem der Sage nach Siegfrieds Eltern gelebt haben sollen." Seine künstlerische Aussage erhält die einem Torbogen ähnelnde Skulptur durch die breite Öffnung im oberen Bereich. "Das zeigt die Zerrissenheit der damaligen Welten", erklärte Wilmsen-Wiegmann. Diesen Bruch im Steinquader an der richtigen Stelle hinzubekommen, sei die größte Herausforderung gewesen. "Die Ingenieure in dem norwegischen Steinbruch waren sich einig, dass Risse im gesamten Stein entstehen würden. Als sich der Bruch exakt dort vollzog, war das für mich ein unbeschreibliches Gefühl, dass man nur mit der Geburt eines Kindes vergleichen kann", sagte Wilmsen-Wiegmann, der auf der Suche nach der Kulturgeschichte des Steines Europa, Nordafrika und Mittelamerika bereiste.

  • Unfall in Sonsbeck : Mit Blumenerde beladener Lkw kippt auf Straße um

Von dort ging die Führung zum Ziegelhof am Siegfried-Museum. Auf der acht Meter hohen Mauer zum Domplatz befindet sich das wohl am Wenigsten beachtete Kunstwerk Xantens. "Es ist fast schon anonym. Man müsste schon auf eine Leiter steigen oder in die oberste Etage des Dreigiebelhauses gehen, um es zu sehen", erzählte Wilmsen-Wiegmann. Aber gerade diese Anonymität hat Symbolkraft, denn die 45 eisernen Schuhe auf der Mauer stehen für 45 bis 60 Juden, die in Xanten vor 1000 Jahren von französischen Kreuzrittern ermordet wurden. "Aber die sieht doch kein Mensch, was macht das für einen Sinn", beharrte ein Besucher. Christoph Wilmsen-Wiegmann kennt diese Ansicht; er verweist aber auf die Bedeutung der Skulptur außerhalb des Sichtbaren: "Sie sind anonym und haben doch eine hohe Strahlkraft. Sie liegen dort seit 20 Jahren und gehen nicht verloren." Der letzte Teil des Rundgangs führte die Besucher zum Steinkreis im Westwall. Zwölf Steinbrocken mit einem Gewicht zwischen 700 und 1200 Kilogrammbilden bilden dort einen Kreis mit einem Durchmesser von zwölf Metern. "Dieser Kreis verknüpft die Wallanlage wie eine Brosche; sie verbindet die neue mit der alten Stadt und umgekehrt. Zugleich verbindet er die Xantener Bürger", erfuhren die Teilnehmer. Im Anschluss an den Rundgang lud Christoph Wilmsen-Wiegmann die Kunstinteressierten in sein Atelier nach Appeldorn ein.

(erko)
Mehr von RP ONLINE