Xanten: Xantener Mediziner helfen in Afrika

Xanten : Xantener Mediziner helfen in Afrika

Anfang 2015 nimmt die Aktion pro Humanität in ihrer Krankenstation in Benin einen mobilen Operationssaal in Betrieb.

Voraussichtlich schon im Februar können Dr. Johannes Kohler, Chefarzt der Chirurgie am St.-Josef-Hospital, und seine Kollegen Dr. Wolfgang Dähne, ehemaliger Chefarzt der Anästhesie, sowie Dirk Henricy, OP-Pfleger und Techniker, ihre Arbeit in der Krankenstation in Gohomey beginnen. 20 Jahre lang hat die Aktion pro Humanität für einen mobilen Operationssaal vor Ort gekämpft. Nun ist es endlich soweit: Dank einer bedeutenden Spende kann der OP-Container gebaut werden. "Das ist ein Quantensprung für die Gesundheitsversorgung in Gohomey", sagte die APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers.

Seit 1993 engagiert sich AHP in Benin und hat dort unter anderem eine Krankenstation mitten in der Savanne gebaut. Rund 20 000 Menschen jährlich werden darin versorgt. Was jedoch stets fehlte war eine Chirurgie. "Leistenbrüche, Blindarmentzündungen oder auch Kaiserschnitte - Operationen, die bei uns selbstverständlich sind, waren für die meisten Menschen dort bislang nicht denkbar", erklärt Dr. Kleuren-Schryvers. Das nächste Krankenhaus liegt viele Kilometer entfernt. Und selbst wenn man es erreicht, ist eine adäquate Versorgung nicht gewährleistet.

"Einige Krankenhäuser verfügen zwar über eine Chirurgie, die ist oftmals jedoch nur bedingt einsatzfähig. Eine funktionsfähige Röntgenabteilung gibt es gar nicht", bemerkt Dr. Johannes Kohler, der sich bei einem Besuch in Benin einen Überblick über die Lage verschaffte. Der OP-Container dagegen ist vollausgestattet. " Man kann darin ganz normal operieren - nur eben unter etwas beengten Verhältnissen", sagt Henricy.

Ohne die entsprechenden Fachkräfte ist allerdings auch die beste Technik nicht viel wert. Deshalb reist im Februar ein ehrenamtliches Ärzte-Team nach Benin. Dazu gehören auch die drei Spezialisten aus dem St.-Josef-Hospital. Der erste Aufenthalt beträgt zehn bis 14 Tage. Danach wollen sich die Ärzte in kleineren Teams alle paar Monate abwechseln.

"Wichtig ist es, mit der Zeit auch die Ärzte und Schwestern vor Ort anzuleiten", sagt Kohler. Diese sollen eine Vorauswahl der zu operierenden Patienten treffen, damit das Ärzteteam gleich mit ihrer Arbeit beginnen kann. Ein noch fernes Ziel ist es zudem, irgendwann einen beninischen Chirurgen in der Krankenstation zu haben.

Eine saubere Trinkwasser- und verlässliche Stromquelle müssen erst installiert werden. Hitze, Schwüle, und nicht zuletzt die Infektions-Gefahr mit Malaria, HIV, und auch Ebola, erschweren die Arbeitsbedingungen. "Uns ist allen bewusst, dass wir nicht in ein Urlaubgebiet fahren", sagt Henricy.

Für die Ärzte ist die Arbeit aber Ehrensache. "Die Schere zwischen unserem hochtechnologisierten Land, in dem jedes Jahr eine neue medizinische Innovation vorgestellt wird, und anderen Ländern, in denen nicht einmal die Basisversorgung gewährleistet ist, wird immer größer. Irgendwann muss man anfangen, diese Schere zu schließen", sagte Kohler.

(beaw)