Xanten: Xantener Kaiserschmarrn

Xanten: Xantener Kaiserschmarrn

Saintes, Bavay und Benidorm: Derzeit sind Dutzende von jungen Franzosen und Spaniern zu Gast am Stiftsgymnasium. "Europa erleben" ist die Devise der Schule. Gestern gab es für alle einen Empfang im Rathaus.

Xanten erleben – das führt unweigerlich zu den alten Römern, in den Dom, durch die (mittelalterliche) Stadt. Und das führt ans Wasser. In den Lebensraum Feuchtgebiet. Die jungen Gäste aus Saintes, die derzeit wieder im Stiftgymnasium zu Gast sind, analysieren auf der Bislicher Insel Wasserproben, sie begeben sich auf die Spur der Steinkäuze und anderer Tiere. Dass das Wort Feuchtgebiet für die jungen Franzosen ein kaum zu bewältigender Zungenbrecher ist, spielt weniger eine Rolle.

Die Farbe der Häuser

Am Ende, so hoffen Alice Geneau de Lammaneiéne und Alexis Gacel, können sie ihre Ergebnisse noch mit denen vergleichen, die ihre Gastgeber aus Xanten beim Gegenbesuch im renaturierten Sumpfgebiet der Charente entnommen hatten. Die Stimmung jedenfalls sei toll, sagen die beiden 16-Jährigen, auch bei gemeinsamen anderen Unternehmungen in der Stadt, in der ihnen besonders die Farbigkeit der Häuser auffällt. Hier sei alles rot, in Saintes eher gelblich, sagte Alexis Gacel gestern bei einem Empfang im Rathaus.

Völlig neue Welten

Dort waren die Gäste aus Saintes bei weitem nicht die einzigen. Im Ratssaal tummelten sich zudem Schüler und Lehrer aus dem nordfranzöischen Bavay und – zum ersten Mal – aus dem spanischen Benidorm. Nur vier Stunden (davon zwei per Flieger) trennen den Ferienort an der Mittelmeerküste von Xanten. Und Ulises Marpegán (16) und Bryan Germán (15), genossen gestern vor allem das wunderschöne Wetter. In den vergangenen Tagen haben die Benidormer, darunter gut 30 Prozent "Dauertouristen", unter ungewöhnlich unfrühlingshaften Temperaturen gelitten, berichten die beiden. Selbst für Horst Schröder, der mit seiner Familie einmal in Benidorm gewohnt hatte, sind das "völlig neue Welten". Das hat der Vater einer Stiftsgymnasiastin, auf dessen Vermittlung der Austausch nun ins Leben gerufen werden soll, eigentlich nie erlebt.

Das erste "Beschnuppern" der Spanier und der Deutschen in Xanten dauert zunächst allerdings nur wenige Tage. Aber Lehrerin Patricia Krohn ist bereits jetzt zuversichtlich: "Das wird etwas." Sollte es auch. 170 Oberstufenschüler lernen am Stiftsgymnasium derzeit Spanisch. Tendenz: weiter steigend.

Weil sich Schulleiter Franz-Josef Klaßen und seine Kollegen "Europa erleben" auf die Fahnen geschrieben haben, soll neben dem reinen Spracherwerb immer auch das gemeinsame Kennen- und Verstehenlernen stehen. Das geht eben durch das Leben in den Gastfamilien und Projekte – wie auch Theateraufführungen. Die Xantener haben die Grundlagen dafür in Bavay gelegt. Die Franzosen sind jetzt zwei Wochen lang im Schulzentrum zu Gast. Am Mittwochabend gibt es hier die gemeinsame Aufführung. Dann geht es in den Bus. Am Donnerstag stehen alle auf der Bühne in Bavay. Dann sind die Xanten-Wochen auch schon vorbei. Schade heißt es allenthalben. Denn ganz offensichtlich fühlen sich alle wohl – trotz der so unterschiedlichen und vor allem abends viel zu frühen Essenszeiten. Was sie an Rezeptvorschlägen mitnehmen? Da sind sich alle einig: "Kaiserschmarrn..."

(RP)