Xanten Xantener Dom auf alten Ansichtskarten

Xanten · Die Stadt hat eine Sammlung des Sonsbeckers Theo Laakmann erworben. Im Rathaus ist sie nebst Nachkriegsfotos zu sehen.

Was heute Telefon, Facebook und Mails darstellen, das waren vor 100 und mehr Jahren Postkarten — nämlich die Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren, Grüße zu senden oder kurze Nachrichten auszutauschen. Anschließend wanderten viele Karten in spezielle Alben, wie es sie in fast jedem Haushalt gab, wurden vererbt und gerieten angestaubt in Vergessenheit. Heute jedoch sind sie begehrte Sammlerobjekte auf Flohmärkten und im Internet, wo sie einzeln verkauft werden, manche für einige Euro, manche für einen zweistelligen Betrag.

Da erwies es sich für die Stadt als ein Glücksfall, dass sie eine komplette Sammlung angeboten bekam. Die Motive zeigen historische Ansichten des Doms aus der Zeit zwischen 1900 und 1940 als Gesamtansicht oder als Details und mit Motive aus dem Innenraum. Gemeinsam mit Fotos, die im Nachkriegs-Xanten entstanden, werden sie in den kommenden Wochen — passend zum Domjubiläum — im Rathaus ausgestellt.

Im vergangenen Jahr bot sich der Stadt die Gelegenheit, von dem Sonsbecker Theo Laakmann eine Sammlung von historischen Postkarten mit Ansichten der Innenstadt zu erwerben. Viele Exponate sind in Schwarz-Weiß, manche koloriert. "Wie die Aufschriften zeigen, wurden Postkarten mit dem Motiv des Doms an viele Orte im In- und Ausland versandt", sagte Kämmerer Thomas Görtz bei der Präsentation der Ausstellung, die am Sonntag offiziell eröffnet wird. Die Karten seien damals wie heute Botschafter, wie schön die Stadt sei und ein Mittel der Werbung. Ein Aushängeschild sei dabei der Dom, der, so Propst Klaus Wittke, sich "eindrucksvoll über die gesamte niederrheinische Landschaft erhebt". Die von der Stadt mitinitiierte Ausstellung werde viele Besucher auf den Dom und sein Jubiläum aufmerksam machen, ist er optimistisch.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt Aufnahmen, die die schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg dokumentieren, als in den letzten Kriegswochen alliierte Flugzeuge ihre Bombenangriffe flogen. Auch vom Dom blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Im Winter und Frühjahr 1946 / 1947 reiste der damalige Leiter der Landesbildstelle Rheinland, Otto Drese, nach Xanten und hielt auf mehr als 300 Bildern den Zustand der Stadt und der Domimmunität fest. Görtz: "So entstand eine Fotodokumentation von einem Umfang, der von keiner anderen niederrheinischen Stadt bekannt ist." Nun werden im Rathaus 49 Fotos von Otto Drese zu sehen sein.

Für den Leiter der Dombauhütte, Johannes Schubert, sind die Postkarten und Fotos eine wichtige Quelle für seine Arbeit, zeigen sie doch, "wie schwer die Verwundungen des Doms im Krieg waren. Er ist in seiner alten Pracht zu sehen." Lücken in der fotografischen Dokumentation konnten so geschlossen werden. Die Nachkriegsaufnahmen mit den Zerstörungen seien als Mahnung zu verstehen. "Wir kennen den Dom nur in seiner Schönheit und seiner Pracht. Die Fotos zeigen jedoch, wie viel Schmerz und Leid in einem Krieg über eine Stadt kommt", so Schubert. Er hoffe, dass viele Jugendliche und Schulklassen von dem Angebot der Ausstellung Gebrauch machen.

Am 13. Oktober endet die Ausstellung, und damit zunächst einmal die öffentliche Präsentation. Allerdings kommen Karten und Bilder ins Stadtarchiv, wo sie weiterhin zugänglich sind.

(kump)