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Xantener Carneval Verein wurde vor 50 Jahren gegründet

Karneval in Xanten : Mehr rheinischer Frohsinn für den Saal

Vor 50 Jahren wurde nach einer Unterschriftenaktion im Hotel Hövelmann der Xantener Carneval Verein gegründet. Für die Sitzungen holte er neben Eigengewächsen auch bundesweit bekannte Künstler auf das Xantener Podium.

„Eine großartige Zukunft“ – das war die allgemeine Meinung im Hotel Hövelmann zum Ausklang der Session 1970. Obernarren und Honoratioren des hiesigen Karnevals hatten sich dort eingefunden, um die vergangenen tollen Tage gemeinsam ausklingen zu lassen. In jenem Hotel, in dem knapp ein Jahr vorher alles seinen Anfang genommen hatte, als man den Xantener Carneval Verein (XCV) gegründet hatte. In diesen Tagen feiert er sein 50-jähriges Bestehen. Also ein dreimaliges Helau zum Jubiläum.

Begonnen hatte alles mit einer Unterschriftenaktion. Sitzungskarneval wurde zwar seit langem in der Domstadt gefeiert, doch jeder Verein in seinem eigenen Saal, zumeist in Gastwirtschaften. Die bekannteste Sitzung damals war wohl, von der Kolpingfamilie veranstaltet, „Halt Pölje“. Sie schwächelte aber in jenen Jahren etwas, erinnert sich heute Rolf Trost, der später der erste Sitzungspräsident des neu zu gründenden XCV werden sollte und der außerdem jahrzehntelang mit der Band Spottnicks musikalisch gute Laune verbreitete. Es fehlte an einem Verein, der über den Dorfrand hinaus schaute. Keine Dachorganisation, sondern ein Verein, der, wie es das Protokoll verzeichnete, der Stadt Xanten große Büttenabende bescheren wollte. Sie sollte jeder Bürger besuchen können. Denn: „In den Nachkriegsjahren nämlich konnten nur diejenigen Xantener Bürger den echten Xantener Karneval in Miniform erleben, die einem Verein (Bruderschaft, Kolpingfamilie) angehörten oder nahe standen, der karnevalistische Vereinsabende durchführte“.

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Am 27. Februar 1969 fand bei Hövelmann die Gründungsversammlung statt mit dem Ziel der Pflege und Förderung des heimatverbundenen Humors und Frohsinns. Eine Tradition war zu bewahren, galt Xanten doch schon vor dem Ersten Weltkrieg als eine Hochburg des niederrheinischen Humors. „Wir wollen niemals Konkurrent anderer Vereine oder Gesellschaften sein, sondern versuchen, mit allen klar zu kommen“, sagte einige Wochen später der Vorsitzende Theo Evertz. Man werde sich etwas Besonderes einfallen lassen, einen neuen Stil prägen, versprach an gleicher Stelle der erste Sitzungspräsident Rolf Trost: „Unser Bestreben sollte es sein, einmal einen guten Stamm eigener Leute auftreten zu lassen und andererseits unser Programm mit auswärtigen Aktiven zu bereichern.“ Man wolle den Bürgern des „Großraums Xanten etwas Neues, Einmaliges bieten“.

Seitdem organisiert der XCV jedes Jahr Sitzungen. Bei der ersten Veranstaltung im Jahr nach der Gründung, im Januar 1970, musste direkt die Polizei ran. Die Skyliners waren bei ihrer Anreise in Bottrop unterwegs stecken geblieben. Es bestand die Gefahr, dass die Kapelle es nicht rechtzeitig bis zum Auftritt im Schützenhaus schaffen könnte. Die fünf Musiker, schrieb damals die Lokalpresse im Nachgang des langen Abends, „mussten unter Blaulichtgeleit durch den dichten Nebel in die Domstadt gelotst werden“. Im Saal nahm man die Wartezeit mit Humor, der Tonmeister legte kurzerhand eine passende Karnevalsplatte auf: „So ’ne Pleite!“ Aber kein böses Omen für die Zukunft.

 XCV-Sitzung im Schützenhaus: Das Bild aus den Anfangsjahren zeigt unter anderem Theo Evertz als Vereinspräsident (hinten in weißer Jacke).
XCV-Sitzung im Schützenhaus: Das Bild aus den Anfangsjahren zeigt unter anderem Theo Evertz als Vereinspräsident (hinten in weißer Jacke). Foto: Privat

Schon die zweite Jahreshauptversammlung 1970 beschloss die Gründung einer zehn bis zwölf starken Mädchen-Tanzgarde. „Das Blendaxlächeln, dass wir überall zeigten, genügt nicht“, bilanzierte damals Rolf Trost. Ein Mäzen hatte für die Kostüme 1000 Deutsche Mark gespendet, die Ausbildung selbst würde aber – vorsichtig geschätzt – noch einmal 1500 Mark kosten.

Im Laufe der Jahrzehnte sahen Xantens Sitzungsgäste einige der ganz Großen des rheinischen Karnevals. Lotti Krekel zum Beispiel unterhielt in den 70er Jahren im Schützenhaus die Narren ebenso wie Kurt Lauterbach, einer der damals bekanntesten Vertreter des karnevalistischen Kabaretts. Dazu kamen von jeher Eigengewächse aus der Region. Der absolut beste Büttenredner, befindet Rolf Trost, war Bürgermeister Alfred Melters. „Das Non plus ultra“, der je nachdem, wer den Sitzungen beiwohnte, seine Reden noch schnell variierte und mit spitzer Zunge stichelte.

Aber, so sagt der heutige Vorsitzende Ralf Hußmann, Eigengewächse zu finden, werde immer schwieriger. „Themen sind genug da. Sie werden nie aussterben. Wer es also mal versuchen möchte, kann sich vertrauensvoll an mich wenden.“

Immer noch gilt es, ein abwechslungsreiches Programm zu füllen für die verschiedensten Geschmäcker, auch wenn die Zahl der Sitzungen etwas zurückgegangen ist. Die Damen haben ihre eigene Veranstaltung, die Kinder, und es gibt den Abend „Party mit Bütt“, mit der der XCV verstärkt die jungen Menschen ansprechen möchte. Seit acht Jahren ist zudem das Kinderprinzenpaar beim Carneval Verein angedockt.