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Xanten wirbt mit Kneipp um Touristen

Neue Angebote an Nord- und Südsee : Xanten wirbt mit Kneipp um Touristen

An Süd- und Nordsee in Xanten sind Anlagen zur Bewegung und Ernährung errichtet worden, die die Gesundheit der Menschen stärken sollen. Grundlage ist die Philosophie von Sebastian Kneipp gewesen.

Gekonnt balanciert Talis über die Baumstämme, hangelt sich an den Seilen entlang, läuft über die Hängebrücken. Die Kletterwand hat er auch schon bezwungen. „Die habe ich geschafft“, sagt der Achtjährige stolz. Vielleicht komme er später noch einmal wieder oder in den nächsten Tagen, meint der Schüler der Hagelkreuzschule. „Hier ist es spannend.“

Am Dienstag ist an der Südsee in Xanten ein neuer Spielplatz offiziell freigegeben worden. Er ist einer von fünf neuen Standorten an Süd- und Nordsee, mit denen das Freizeitzentrum Xanten (FZX) sein Angebot für die Gesundheit weiter ausgebaut hat. Damit sollen auch weitere Touristen nach Xanten geholt werden.

Am Standort Ernährung arbeitet das FZX mit Inselbrot Wardt zusammen (v.l.): Angela Näther, Oskaer Hahn, Bürgermeister Thomas Görtz (Xanten), Axel Hoppe (RVR), Ralf Berensmeier (Kreis Wesel), Bela mit Mutter Larissa Lohkamp und Wolf Dieter Nacken. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Die fünf Stationen basieren auf der Philosophie von Sebastian Kneipp. Vor allem dessen Wasseranwendungen (Hydrotherapie) sind bekannt geworden. Aber zu Kneipps fünf Gesundheitssäulen gehöre auch die Bewegung, wie das FZX auf einer Infotafel erklärt: „Um gesund zu bleiben, muss sich der Mensch bewegen, das ist eine Lehre von Kneipp.“ Dabei gehe es aber nicht um schweißtreibenden Sport. Schon leichte und vor allem regelmäßige Bewegungen trügen zur Gesundheit bei.

Deshalb wurde ein etwa 110 Meter langer Bewegungsparcours für Kinder und Erwachsene errichtet. Er gliedert sich in mehrere Abschnitte: Klettern, Hangeln, Laufen und Balancieren. Zusätzlich wurde eine 15 Meter lange Boulderwand aufgestellt. Dabei sei darauf geachtet worden, dass die Nutzer gefordert werden, dass Kinder die Anlage aber auch benutzen können, ohne dass sie von Eltern beaufsichtigt werden müssen, erklärt Projektleiter Stephan Tietz.

Der Bewegungsparcours liegt am Rundweg um die Südsee, in der Nähe der Ecke von Bundesstraße 57 und Bankscher Weg, auf halber Strecke zwischen Jugendherberge und Hafen Xanten. Gegenüber ist eine barrierefreie WC-Anlage. Der Kletterparcours selbst kann zwar nicht von allen Menschen genutzt werden. Aber es wurde ein größeres Podest errichtet, damit auch Rollstuhlfahrer die Möglichkeit haben, von hier aus die Aussicht über die Südsee zu genießen.

Am Dienstag wurde noch ein weiterer Standort freigegeben. Er liegt in Wardt an der Südsee, hinter dem Hochseilgarten. Sein Schwerpunkt ist die Ernährung, eine weitere Säule in der Kneipp-Philosophie, wie eine Infotafel dort erklärt: Eine „bewusste Ernährung ohne Verzicht und Diät“ könne zur Gesundheit beitragen, erklärt das FZX. „Das Abnehmen kann ganz von alleine kommen, wenn man sich auch viel bewegt.“

Dafür wurde eine etwa 7000 Quadratmeter große Fläche angelegt, auf der kleinbäuerliche Garten- und Landwirtschaft betrieben werden soll. Dabei arbeitet das FZX mit der Genossenschaft Inselbrot Wardt zusammen. Die Mitglieder werden einen Teil der Fläche bewirtschaften, sie können eine eigene Parzelle bekommen, es wird auch eine Gemeinschaftsfläche geben. Das Obst und Gemüse, das dort geerntet wird, soll später im geplanten Dorfladen „Inselbrot“ verkauft werden. Dieser werde sich dadurch zu einem Anlaufpunkt entwickeln, „der die Dorfgemeinschaft belebt und fördert“, sagt Wolf Dieter Nacken, Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft.

Die drei weiteren Standorte – Wasseranwendung, Lebensordnung, Heilpflanzen – liegen unweit davon entfernt an Süd- und Nordsee. Sie sollen ebenfalls in den nächsten Wochen freigegeben werden. Es seien noch Restarbeiten zu machen, sagte FZX-Leiter Wilfried Meyer. Die Kneipp-Standorte gehören zum Projekt „Gesundheitstourismus Xantener Nord- und Südsee“. Dafür sind seit 2017 rund 3,8 Millionen Euro investiert worden. 80 Prozent stammen als Förderung vom Land NRW. Mit dem Geld wurde auch das Standbad zu einem Naturbad umgebaut und ein barrierefreies Schwimmbecken in der Südsee errichtet. Außerdem wurde das 16 Kilometer lange Wegenetz um Süd- und Nordsee erneuert.