1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Xanten: Wer ist Graffiti-Sprayer „medico 46“?

Ärger in Xanten : Wer ist Graffiti-Sprayer „medico 46“?

Nachdem in Xanten mehrere Hauswände und Garagen beschmiert worden sind, geht die Polizei mehreren Hinweisen auf den oder die möglichen Täter nach. Sie warnt aber davor, dass Unschuldige verdächtigt werden.

Der Ärger ist groß: Mehrere Hauswände und Garagentore in Xanten sind beschmiert worden. Der oder die Täter hinterließen überall eine 46, manchmal auch das Wort „medico“. Auf Facebook wird spekuliert, wer dahinter stecken könnte. Die Polizei warnt vor falschen Verdächtigungen. Ein Überblick, was bisher bekannt ist.

Warum schmiert jemand die Zahl 46 und das Wort Medico an Wände? Darüber kann im Moment nur spekuliert werden. Wahrscheinlich hat der Täter damit seinen sogenannten Tag hinterlassen, also seine Signatur, um anderen zu zeigen, dass er dort war. Hinterlasse jemand seinen Tag an vielen Stellen, werde das in der Szene anerkennend wahrgenommen, erklärt Historikerin Maren Lorenz von der Ruhr-Uni Bochum, die zum Thema Vandalismus geforscht hat. Was die 46 und Medico genau bedeuten sollen, kann bisher nur vermutet werden. Manche nehmen an, die 46 stehe für die Postleitzahl von Xanten (46509). Andere spekulieren, mit den beiden Zahlen seien die Buchstaben D und F gemeint. Andere erklären, dass der Motorradrennfahrer Valentino Rossi die Startnummer 46 habe und „The Doctor“ genannt werde, italienisch also „Medico“.

Gibt es Hinweise auf den oder die Täter? Die Polizei geht mehreren Hinweisen nach, die sie aus der Bevölkerung bekommen hat, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. „Eine heiße Spur ist bisher noch nicht darunter.“ Er bat deshalb weiter um sachdienliche Hinweise, falls jemand etwas gesehen haben sollte. In Xantener Facebook-Gruppen ist ein Mann wegen seines Profilnamens mit den Schmierereien in Verbindung gebracht worden. Screenshots seines Profils wurden verbreitet. Das wird von der Polizei kritisiert. „Wer glaubt, etwas zu wissen, soll sich an uns wenden“, sagte der Polizeisprecher. „Wir überprüfen den Hinweis dann.“ Dagegen sollten auf Facebook keine Verdächtigungen geäußert und niemand einfach beschuldigt werden. Der Mann, der mit den Schmierereien in Verbindung gebracht wird, bestritt auf Nachfrage, dass er für die Schmierereien verantwortlich sei. Trotzdem habe er zahlreiche Nachrichten erhalten. „Das ist Rufmord“, beklagte er. „Ich weiß nicht mal, was hier los ist und warum mein Name öffentlich benutzt wird.“

Auch die Stadt hat Hinweise aus der Bevölkerung bekommen, nachdem sie in der vergangenen Woche eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt hat. Vorher waren im Kurpark Lampen umgestoßen worden, auch Schilder wurden besprüht – ebenfalls mit der 46. Die Hinweise würden an die Polizei weitergegeben, sagte Bürgermeister Thomas Görtz. Außerdem würden die Aufnahmen einer Überwachungskamera an der Grundschule in Xanten ausgewertet, nachdem auch dort Graffiti ans Gebäude geschmiert worden seien.

Welche Kosten entstehen, wenn die Schmierereien entfernt werden? Wer übernimmt sie? Schmierereien und Graffiti von einer Hauswand zu entfernen, kann bis zu 100 Euro pro Quadratmeter kosten, jährlich entstehen bundesweit Kosten bis zu 200 und 500 Millionen Euro, erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Natürlich haftet der Täter in voller Höhe für den angerichteten Schaden – vorausgesetzt, er oder sie werden ermittelt. Und wenn nicht? Die Kosten der Graffiti-Beseitigung an einem Privathaus können von der Wohngebäudeversicherung übernommen werden, allerdings muss dafür ein Zusatzbaustein für Diebstahl, Vandalismus und Graffiti abgeschlossen werden. Einige Versicherer böten zum Beispiel über die Wohngebäudepolice an, „böswillige Beschädigungen“ zu versichern, erklärt der GDV.

Welche Strafen drohen Graffiti-Sprayern? Ein illegales Graffito gilt als Sachbeschädigung. Häufig ist illegales Besprühen damit verbunden, dass ein Gelände verbotswidrig betreten wurde — dann liegt zusätzlich Hausfriedensbruch vor. Für die Taten können Personen ab 14 Jahren strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Eine Geld-, aber auch eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren ist möglich.

Was kann getan werden, um Graffiti zu verhindern? Die Stadt Xanten hat an mehreren öffentlichen Gebäuden Überwachungskameras installiert. Außerdem hatte sie Anfang 2019 einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt, in der Stadt regelmäßig auf Streife zu gehen. Hintergrund war, dass es immer wieder zu Vandalismus gekommen war, auch zu Schmierereien. Im Moment ist der private Streifendienst ausgesetzt. Der Vertrag war ausgelaufen, und die Sitzung, in der der Stadtrat über eine Verlängerung hätte beraten können, fiel wegen der Corona-Pandemie aus. Das nächste Mal trifft er sich um Juni. Ob eine private Sicherheitsfirma solche Schmierereien verhindern kann, ist aber umstritten, schließlich kann auch der Sicherheitsdienst nicht jederzeit überall in der Stadt sein.

Die Polizei empfiehlt als Vorbeugung: Viel Licht in Kombination mit Bewegungsmeldern und aufmerksamen Nachbarn. Dadurch könnten Sprayer fern gehalten werden. Auch sei eine grobe, unebene Oberfläche oder eine farbenfrohe Wand ein eher ungünstiger Untergrund für einen Sprayer, ebenso wie eine begrünte Fassade. Der Fall in Xanten zeigt aber, dass sich davon nicht jeder abhalten lässt: Die Schmierereien wurden auch auf Klinker-Mauern hinterlassen. Außerdem verweist die Polizei auf die Broken-Windows-Theorie, also die Theorie der zerbrochenen Fenster: Demnach sollten Schmierereien so schnell wie möglich entfernt werden, um einen Nachahmungseffekt zu vermeiden. Eine schnelle Beseitigung nehme Sprayern den Reiz, weil sie dann nicht die erhoffte öffentliche Wirkung erzielten, erklärt die Polizei.