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Xanten und Sonsbeck: Schule wird geschlossen

XANTEN : Walter-Bader-Realschule ist verabschiedet worden

Die „WBRX“ sei „Opfer einer verfehlten, ideologisch gefärbten Schulpolitik geworden“, sagt der ehemalige Schulleiter Heinz Kockerols. Ihr Geist wird in der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck weiterbestehen.

Schluss. Aus. Schuleaus: Die Walter-Bader-Realschule Xanten (WBRX) ist seit Freitagabend Geschichte. 50 Jahre nachdem die Schule ihren Betrieb aufgenommen hat und Schulleiter Herbert Latzel die ersten Schüler begrüßen konnte, gehört sie jetzt der Vergangenheit an. Aber weil jedes Ende auch ein neuer Anfang ist, lebt ihr Geist in der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck weiter. Heike Tuda, die genauso alt ist wie die Schule, die sie die vergangenen fünf Jahren kommissarisch geleitet hat, übergab den symbolischen Schlüssel an den Leiter der Gesamtschule, Frank Pieper.

Auch wenn Xanten jetzt um eine Bildungseinrichtung ärmer geworden ist, gab es doch auch einen guten Grund, gemeinsam mit ehemaligen Schülern und Lehrern zu feiern. Die Bürgermeister von Xanten und Sonsbeck, Thomas Görtz und Heiko Schmidt, waren zur Geburtstagsfeier gekommen, nahmen mit den Schulleitern Joachim Int-Veen, Karl-Heinz Kockerols, Marie-Luise Jordans-Theußen, Regina Schneider und weiteren Gästen, darunter auch Dezernent Frödrich, Abschied von einer Schule, die, so Görtz auch im Namen seines Amtskollegen Schmidt, „von Beginn an versucht hat, etwas anders zu sein“. Eine Schule, die seit 1987 den Namen eines Mannes getragen habe, der nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich am Wiederaufbau der Stadt und vor allem des Domes beteiligt war. Eine Schule mit besonderer Affinität zu Technik und Informatik, so Görtz, der auch das Thema Lehrermangel ansprach, das an vielen Schulen ein großes Problem ist.

 Frank Pieper mit Marie-Louise Jordans-Theußen, Karlheinz Kockerols, Heike Tuda, Frank Pieper, Jochem Int-Veen und Regina Schneider
Frank Pieper mit Marie-Louise Jordans-Theußen, Karlheinz Kockerols, Heike Tuda, Frank Pieper, Jochem Int-Veen und Regina Schneider Foto: Fischer, Armin (arfi)
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„Die Schule hat Brücken gebaut hat zu Vereinen, Kirchen, der Politik. Eine Lern- und Lebensgemeinschaft, die für mich auch immer ein Stück Heimat, Zuhause gewesen ist“, resümierte Jochem Int-Veen in einem Festakt im Forum der Schule und erinnerte an die erfolgreiche Schülerzeitung „Pupille“, den ersten Mofa-Kurs, den Informatikkurs und die AG Computer, zu der jeder aus seinem privaten Fundus Material anschleppte, beispielsweise den Commodore 64. Int-Veen sprach von einer wertvollen, altersverbindenden, zukunftsorientierten Ausbildung, die mehrere tausend junge Menschen hier erhalten hätten. „Wir feiern 50 Jahre erfolgreiche Bildungsarbeit“. Kritische Worte fand Heinz Kockerols bei der Geburtstags-Abschiedsfeier. Die Walter-Bader-Realschule Xanten (WBRX) sei „Opfer einer verfehlten, ideologisch gefärbten Schulpolitik geworden“, so der ehemalige Schulleiter. Marie-Luise Jordans-Theußen konnte sich noch gut an das Jahr 1974 erinnern, als der erste Abschlussjahrgang entlassen wurde und Deutschland Fußball-Weltmeister geworden ist. 19 Kollegen seien sie gewesen, hätten Wetten auf jedes Spiel abgegeben. „Von dem Geld haben wir bei uns auf dem Hof eine große Party gefeiert – wir waren ja Weltmeister!“ In ihre Zeit als Schulleiterin fiel die Einführung der Doppelstunden, die Nachmittagsbetreuung, die Errichtung einer Bläserklasse und eines Bistros, in dem Mütter und Väter ehrenamtlich jede Menge Brötchen belegt und Obst für die Schüler geschnippelt hätten.

Regina Schneider, Vierte im Bunde der ehemaligen Schulleiterinnen und –leiter, schätzte vor allem eines: „Die positive Hinwendung zu jedem einzelnen Schüler, das war für mich das Besondere an der Realschule“. Die WBRX habe sich als Schule mit Courage, Schule gegen Rassismus einen Namen gemacht, habe sich dank des Lehrers Christian Hauck, der selber Schüler hier war, zu einer Medienschule entwickelt, sich intensiv mit AIDS und der Prävention auseinandergesetzt, nachdem ein Mitschüler an dieser Immunkrankheit verstarb. Sie sei fest überzeugt, dass viele Elemente des Miteinander-Lernens an der Realschule in der Gesamtschule weitergeführt werden. Die knapp 700 verbliebenen Schüler in fünf Jahren erfolgreich zum Schulabschluss zu bringen, „das war unsere Aufgabe“, so Heike Tuda; „jedes Jahr wurden es nicht nur immer weniger Schüler, auch das Kollegium wurde immer kleiner“.