Xanten und Rheinberg: Notarztstandorte kommen auf den Prüfstand

Xanten und Rheinberg : Notarztstandorte kommen auf den Prüfstand

Einsätze und Kosten werden ausgewertet. Nach einem Jahr wird entschieden, ob die Notärzte nachts in Xanten und Rheinberg bleiben.

Der Kreis Wesel lässt ein Jahr lang auswerten, wie viele Einsätze die beiden Notärzte in Xanten und Rheinberg haben und welche Kosten dadurch entstehen. Anschließend werden die Kreisverwaltung und der Kreistag entscheiden, ob die Notärzte in den Nachtstunden in den beiden Städten stationiert bleiben oder stattdessen von 19 bis 9 Uhr ein Notarzt in Alpen stationiert wird. Das sieht der Rettungsdienstbedarfsplan vor, der am Donnerstagabend vom Kreistag in Wesel beschlossen wurde – trotz Bedenken stimmten auch Vertreter aus Xanten und Rheinberg dafür.

Der Rettungsdienstbedarfsplan verbessere insgesamt die Versorgung der Bevölkerung im Kreis Wesel, sagte Dietmar Kisters, CDU-Kreistagsmitglied aus Xantens Ortsteil Marienbaum. Eine Zusammenlegung der Notarztstandorte von Xanten und Rheinberg in Alpen sei aber „nicht hinnehmbar“, erklärte er auch im Namen der CDU-Kreistagsmitglieder Heinz-Peter Kamps (Sonsbeck, Xanten), Harald Körner (Rheinberg) und Josef Devers. Damit der Rettungsdienstbedarfsplan aber mit einer möglichst großen Mehrheit beschlossen und dadurch die Solidarität mit den Rettungskräften deutlich gemacht werde, stellten sie ihre Bedenken zurück, da noch nichts entschieden sei und über eine Zusammenlegung erst in einem Jahr beraten werde. Auch Jürgen Bartsch (Grüne) aus Rheinberg sprach von einem „überwiegend guten Plan“. Die Sorgen aus seiner Stadt und Xanten seien aber nicht ausgeräumt worden. Umso schmerzhafter sei es, dass der Rettungsdienstbedarfsplan überall im Kreis Verbesserungen vorsehe, nur in diesen beiden Städten nicht. Er enthielt sich als einziger. Gegenstimmen gab es nicht.

Der Rettungsdienstbedarfsplan legt fest, wo sich Rettungswachen und Notarztstandorte befinden und wie diese mit Fahrzeugen sowie Personal ausgestattet sind. Er muss regelmäßig überabreitet werden. Die neue Fassung sieht vor, dass in vielen Städten die Rettungstransportwagen und Notärzte länger vorgehalten werden. „Damit verbessern wir die rettungsdienstliche Versorgung für alle Menschen im Kreis Wesel deutlich“, hatte Landrat Ansgar Müller im Sommer gesagt, als der Entwurf vorgestellt wurde. Die rund 60 Seiten basieren auf Empfehlungen eines Gutachters. Er hatte auch vorgeschlagen, die Notarztstandorte von Xanten und Rheinberg in den Nachtstunden in Alpen zusammenzulegen.

Dagegen protestierten die beiden Städte. Wenn der Notarzt in Alpen stationiert werde, könne er im Ernstfall einen Teil des Stadtgebietes nicht rechtzeitig erreichen, warnte die Xantener Stadtverwaltung. Außerdem bestehe die Gefahr, dass gleichzeitig ein weiterer Notarzt gebraucht werde. Die Kreisverwaltung widersprach. Dass zwei Einsätze gleichzeitig seien, komme selten vor, und dann könne der Notarzt einer anderen Rettungswache alarmiert werden. Dennoch schlug die Kreisverwaltung vor, dass die Einsatzzahlen ein Jahr lang überprüft werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Diese Evaluation soll direkt beginnen, sobald der Rettungsdienstbedarfsplan in Kraft tritt. Trotzdem dürfte sich der Kreistag erst nach der Kommunalwahl im September 2020 wieder mit den Notarztstandorten in Xanten und Rheinberg befassen.

Dann will Peter Paic Landrat sein. Der 51-Jährige ist der Kandidat der SPD. Müller tritt nicht wieder an. Paic besuchte in den vergangenen Tagen das St.-Josef-Hospital – dort ist der Xantener Notarzt stationiert. Nach einem Gespräch mit Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Derksen kündigte der SPD-Politiker in einer Mitteilung an, dass er den Notarztstandort Xanten „zur Chefsache machen“ werde, sollte er gewählt werden. „Wir müssen die medizinische Versorgung der Menschen vor Ort garantieren. Das hat höchste Priorität.“ Im Zweifel spreche das dann für den Erhalt der Notarztstandorte in Rheinberg und Xanten. Er befürchte sonst ein Ausbluten des ländlichen Raums.