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Xanten: Touristen lassen am verkaufsoffenen Sonntag die Kassen klingeln

Verkaufsoffener Sonntag : Touristen lassen in Xanten die Kassen klingeln

Der erste verkaufsoffene Sonntag seit dem Lockdown in Xanten fand bei herrlichem Sommerwetter statt. Tausende Menschen strömten in die Innenstadt, in die Geschäfte, Eisdielen, Cafés und Restaurants.

Wer am Sonntag in Xanten den ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres besuchen wollte, brauchte vor allem Geduld. Grund dafür waren lange Staus auf der Bundesstraße und wenige freie Parkplätze. Menschen teils von weit her nutzten bei schönem Wetter die Gelegenheit des Sonntags-Shoppings. Einige Händler hatten ihre Stände auf dem Marktplatz aufgebaut und trugen damit zur Belebung des Zentrums bei. Träger von Mundschutzmasken waren unter freiem Himmel zwar eine Seltenheit, die notwendigen Sicherheitsabstände wurden aber weitestgehend eingehalten.

Geduld war auch erforderlich, wenn es darum ging, einen freien Platz vor einem Restaurant oder einer Eisdiele zu bekommen. Claudia Bashir aus Siegburg und Kirsten Horz aus Dülmen verbrachten einen Freundinnen-Tag in Xanten. Der verkaufsoffene Sonntag sorgte für einen angenehmen Nebeneffekt. „Eine gute Gelegenheit, Schuhe zu kaufen. Wir waren früher oft zu den Festspielen hier, da hat es uns geärgert, dass die Geschäfte um 14 Uhr schlossen“, sagt Kirsten Horz. Geschäftsinhaber Willi Scholten freut sich, dass er öffnen darf, sagt aber auch: „Unsere Jahresbilanz rettet das nicht mehr. Es fehlen die Touristengruppen.“

Claudia Wonning von der Zsa Zsa Boutique  hat auch schon Herbstware zu zeigen. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Anna Hammans vom Juwelier-Fachgeschäft Aloys Hammans kann das nur bestätigen: „Erst hatten wir vier Wochen gar keine Einnahmen, dann lief es sehr schleppend an. Die Touristen fehlen uns einfach. Umso glücklicher sind wir jetzt, unsere Kunden an einem Sonntag begeistern zu können.“ Um deutlich zu machen, was ihnen die Kundschaft wert ist, hat die findige Geschäftsfrau einen roten Teppich vor dem Eingang ausgerollt. Rechts und links befinden sich Stühle, auf denen wartende Kunden es sich unter einem Meer blühender Hortensien gemütlich machen können. „Das ist sehr schnell ein beliebtes Fotomotiv geworden“, so Hammans.

Juwelier Aloys Hammans hatte für seine Kunden einen roten Teppich ausgerollt. Links Inhaberin Anna Hammans, rechts Verkäuferin Stefanie Nitsch. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Wie sehr die Xantener Geschäftswelt am Tropf der Touristen hängt, hat vor allem Ralf Graumann erfahren müssen. Der Betreiber der Rundfahrbahn „Nibelungen-Express“ hat nach eigenen Angaben bislang einen Einnahmeverlust von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Solange die Busse mit den Touristen nicht kommen, lohnt sich das Geschäft nicht wirklich“, erzählt Graumann. Dass er nach jeder Fahrt Türen, Haltegriffe und Sitzbänke desinfizieren muss, nimmt Graumann gerne in Kauf.

Besonders betroffen von der Corona-Krise sind Hoteliers und Restaurantbetreiber. Eine Ausnahme ist das „Petersilchen“ an der Klever Straße. „Wir haben die Öffnungszeiten auf drei Tage komprimiert, dadurch Kosten gespart und eine gute Auslastung erreicht. Uns geht es eigentlich sehr gut“, erklärt Inhaberin Gabi Völlings. Die Betreiberin des veganen Restaurants weiß aber auch, dass sie viel Glück gehabt hat: „Bis vor zwei Jahren hatte ich noch Schulden, da hätte uns Corona nicht treffen dürfen.“ Von dem verkaufsoffenen Sonntag erhofft sich Völlings neue Kunden. Hendrik van der Meulen gehört nicht dazu. Der Niederländer aus dem grenznahen Doetinchem besucht die Stadt mit seiner Familie regelmäßig. Einen Seitenhieb kann er sich nicht verkneifen: „Vor ein paar Wochen wollte man uns nicht hier haben und jetzt ist man froh, dass wir unsere Euros herbringen.“