Theaterstück in Xanten „Man lässt keine Menschen ertrinken“

Xanten · Die Evangelische Kirchengemeinde holt das Theaterstück „Die Mittelmeer-Monologe“ nach Xanten. Darin geht es um die Flucht von Menschen und die Seenotrettung. Die Organisatoren verbinden damit einen eindringlichen Appell.

  Menschen versuchen, in einem kleinen Boot von Afrika bis nach Lampedusa in Italien zu gelangen: Die „humanitäre Katastrophe“ im Mittelmeer sei nach wie vor ungelöst, beklagt die Evangelische Kirchengemeinde Xanten-Mörmter.

Menschen versuchen, in einem kleinen Boot von Afrika bis nach Lampedusa in Italien zu gelangen: Die „humanitäre Katastrophe“ im Mittelmeer sei nach wie vor ungelöst, beklagt die Evangelische Kirchengemeinde Xanten-Mörmter.

Foto: dpa/Jesús Hellín

Die evangelische Kirche Xanten-Mörmter will die Flucht von Menschen übers Mittelmeer und die Seenotrettung wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen. Wie sie am Dienstag ankündigte, organisiert sie dafür am Freitag, 29. Oktober, die Aufführung des Theaterstückes „Die Mittelmeer-Monologe“ des Autors und Regisseurs Michael Ruf. Es basiert auf Berichten von Menschen, die geflüchtet sind und die bei der Seenotrettung helfen. Schauspieler des Theaters „Wort und Herzschlag“ aus Berlin tragen die Texte vor. Sie geben den betroffenen Menschen eine Stimme.

Die „humanitäre Katastrophe“ im Mittelmeer sei in den vergangenen eineinhalb Jahren in den Hintergrund gerückt, sagte Ulla Klare vom Ausschuss Kunst und Kultur der Evangelischen Kirchengemeinde. Aber nach wie vor versuchten Menschen, über das Wasser nach Europa zu kommen, nach wie vor kämen Menschen dabei ums Leben. Nur werde seltener darüber gesprochen. „Wir haben uns daran gewöhnt.“ Deshalb organisiere die evangelische Kirche zusammen mit der Eine-Welt-Gruppe Xanten und dem Arbeitskreis Asyl das Theaterstück. „Wir finden es wichtig, das Thema in den Blick zu nehmen.“

 Sie holen die „Mittelmeer-Monologe“ nach Xanten: Brigitte Messerschmidt (l.) und Ulla Klare von der Evangelischen Kirchengemeinde sowie Wolfgang Schneider vom Arbeitskreis Asyl.

Sie holen die „Mittelmeer-Monologe“ nach Xanten: Brigitte Messerschmidt (l.) und Ulla Klare von der Evangelischen Kirchengemeinde sowie Wolfgang Schneider vom Arbeitskreis Asyl.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Bei den „Mittelmeer-Monologen“ handelt es sich um ein Dokumentarstück. Die Schauspieler schildern die Erlebnisse von Naomie aus Kamerun und Yassin aus Lybien, die in einem Boot über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet sind. Sie erzählen außerdem, welche Erfahrungen Aktivisten machen, die entweder mit der Hilfsorganisation Alarmphone die Küstenwachen davon überzeugen wollen, auf dem Wasser nach Menschen in Seenot zu suchen, oder die mit der Hilfsorganisation Seawatch selbst dafür in See stechen. „Sie tun das eigentlich Selbstverständlichste, was im Jahr 2011 alles andere als selbstverständlich ist: Sie retten menschliches Leben“, schreiben die Organisatoren. „Denn: Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

Mit dem Stück gelinge es dem Theater, das Publikum zu berühren, berichtete Klare, die eine Aufführung der „Mittelmeer-Monologe“ in Berlin gesehen hat. Obwohl so viele Zuschauer im Raum gewesen seien, habe sie selten eine solche Stille erlebt wie nach diesem Stück – so ergriffen seien die Menschen gewesen. Man habe auch nicht gewusst, ob man danach klatschen solle. Stattdessen habe man sofort darüber nachgedacht, was man selbst dafür tun könne, um den Menschen zu helfen.

Auf diesen Impuls hoffen die Organisatoren auch in Xanten: Sie wollen erreichen, dass wieder mehr über die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer gesprochen und darüber nachgedacht wird, wie sie beendet werden kann. Und sie hoffen, dass sich mehr Xantener finden, die hier helfen wollen. Deshalb ist nach dem Theaterstück ein Publikumsgespräch mit zwei Menschen mit Fluchterfahrung geplant. Dazu sind nicht nur Xantener eingeladen, sondern auch andere Frauen und Männer, die ihr Zuhause verlassen haben, um eine neue Heimat zu finden. Pfarrer Wolfgang Willnauer-Rosseck moderiert das Gespräch.

Der Eintritt ist frei, damit alle Interessierten das Stück erleben können. „Es soll nicht vom Portemonnaie abhängen, ob jemand zuschauen kann“, sagte Brigitte Messerschmidt, Presbyterin in der Evangelischen Kirchengemeinde Xanten-Mörmter. Die Organisatoren bitten aber diejenigen, die dazu in der Lage sind, um eine Kollekte, um die Kosten der Theater-Aufführung zu stemmen.

(wer)
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