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Xanten: Tambourcorps St. Willibrord Wardt wird 100 Jahre

100 Jahre Tambourcorps Wardt : Mit Musik vom tristen Alltag ablenken

Das Tambourcorps St. Willibrord Wardt wird 100 Jahre alt. Drei Tage wird der runde Geburtstag im Inseldorf gefeiert.

Die Vereinsfarben sind grün und weiß, der zehnjährige Nico Janßen ist der jüngste Spieler, Rolf Schmitz mit 68 Jahren ältestes Mitglied: Wenn das Tambourcorps TC St. Willibrord Wardt von Freitag bis Sonntag, 17. bis 19. Mai, mit Zapfenstreich, Tanzabend und Diözesantreffen sein 100-jähriges Bestehen feiert, dann dürfte (fast) das ganze Dorf auf den Beinen sein.

Nicht nur, weil der Spielmannszug als einer der ersten Vereine seit 1969 weibliche Mitglieder aufgenommen hat. Sondern vor allem, weil das TC Wardt irgendwie ein Familienbetrieb ist. „Es war immer gang und gäbe, dass die Kinder dabei waren, wenn das Tambourcorps aufspielte. Und man meldete den Nachwuchs auch direkt beim TC an,“ sagt Barbara Hußmann, die 18 Jahre lang als Schriftführerin im Vorstand mitgearbeitet hat und im Spielmannszug die Lyra spielt. Tochter Isabella (27) nickt. Der Opa und die Eltern hätten sie immer mitgenommen, bestätigt sie. Musik machen, sich regelmäßig treffen, in einer Gemeinschaft musizieren: Das mache den Reiz eines Spielmannszuges aus.

 Noch in den 1950er Jahren waren die Uniformen des Tambourcorps Wardt ganz weiß. Einzig der Tambourmajor setzte sich farblich ab.
Noch in den 1950er Jahren waren die Uniformen des Tambourcorps Wardt ganz weiß. Einzig der Tambourmajor setzte sich farblich ab. Foto: Tambourcorps Wardt
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Mit acht Jahren hat Isabella Hußmann angefangen, Flöte zu spielen. Und die spielt sie noch heute im Tambourcorps Wardt, das im Gegensatz zu manch anderen Vereinen keine Nachwuchssorgen hat. 41 Mitglieder musizieren mit. Fünf spielen die Lyra, elf die Trommel, Andy Elders die Pauke, Thomas Heck und Uwe Wardemann die Becken. Und 21 Mitglieder spielen Querflöte, so wie Georg Janßen, seit 20 Jahren Vorsitzender im TC. „Man braucht viele Sopranstimmen, um gegen die Lyra und die Trommeln anzukommen“, sagt er.

Früher spielte ein Tambourcorps hauptsächlich Märsche, die Ausbildung dauerte ein Jahr. Seitdem das Repertoire in den letzten 15 Jahren wesentlich vergrößert wurde, dauert die Ausbildung länger. Geprobt wird jeden Freitag um 20 Uhr im Pfarrheim. Notenkunde, sagt Barbara Hußmann, sei von Vorteil, aber nicht zwingend. Jana Borninghoff und Tim Schmitz leiten die Flötengruppe, Louis Wolny die der Trommler.

Gegründet wurde das Tambourcorps vor 100 Jahren, „um die Menschen durch musikalische Darbietungen und die damit verbundenen geselligen Feierlichkeiten vom tristen Alltag abzulenken“. Wilhelm Lohmann, Gerhard Drießen, Heinrich Bükers, Johann Bükers, und Wilhelm Angenendt zählten zu den Gründungsmitgliedern, Johannes Rösen war erster Tambourmajor. Die hielten sich beim TC St. Willibrord übrigens immer lange: Seit der Gründung im Jahr 1919 marschierten sieben Tambourmajore mit dem Stock vorneweg; nach Johann Rösen waren dies Heinrich Gerards, Peter Ingendahl, Wilhelm Winkelmann, Heinrich Eloo und Karl Hußmann. Sein Sohn Georg (49) hat ihn vor 23 Jahren als Tambourmajor beerbt.

In den vergangenen 50 Jahren stellte das TC Wardt 15 Schützenkönige und -königinnen und seit Beginn des Prinzenschießens 1995 bis heute 15 Kinderprinzen und -prinzessinnen. Auch der erste Stadtschützenkönig Karl-Pötters Janßen kam 1978 vom Tambourcorps, mit Rainer Hußmann (2015) und Michael Borningshoff (2018) stellte das TC Wardt auch zwei Bezirkskönige. Einmalig in der Geschichte der Bruderschaft, die seit 419 Jahren besteht: Mit Spielmann Borninghoff wurde beim Bundesfest im September in Xanten zum ersten Mal ein Wardter Diözesankönig der Diözese Münster.

König im Jubiläumsjahr ist Tim Schmitz (25) – übrigens zufällig der Neffe des ältesten Spielers Rolf Schmitz. Auch seine Königin Bonnie Felka und die neun Thronpaare sind fast alle Mitglied im Tambourcorps. Das Zelt, in dem der 100. Geburtstag gefeiert wird und in das gut 400 Menschen passen, steht auf dem Schießplatz mitten im Dorf.

(jas)