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Xanten: Tafel-Helfer trotz Risiko unermüdlich im Einsatz

Tafel in Xanten : Unermüdlich für andere im Einsatz

Durch die Corona-Pandemie müssen die Mitarbeiter der Xantener Tafel nicht nur härter arbeiten — sie setzen sich außerdem täglich der Ansteckungsgefahr aus. Dabei gehören viele von ihnen zur Risikogruppe.

Gudrun Rieberer seufzt und zeigt auf ihren Schreibtisch, auf dem sich die Papierstapel häufen. Anträge, Anmeldungen, Auflistungen. 20 neue Kunden hat sie in der Corona-Zeit bekommen. Einerseits freut sich die Betreiberin der Xantener Tafel, helfen zu können. Andererseits ist sie traurig, dass durch Corona noch mehr Menschen auf ihre Hilfe angewiesen sind. Auch vor dem Gebäude steht eine lange Schlange von wartenden Menschen, alle tragen eine Schutzmaske und halten den Sicherheitsabstand ein. Sie dürfen die Tafel nicht mehr betreten, die Ausgabe erfolgt kontaktlos. „Die Arbeit hört nie auf“, so Rieberer.

 Die Anfänge der Corona-Zeit seien besonders herausfordernd gewesen. Auf einmal musste der gesamte Ablauf umstrukturiert werden: Von der kontaktlosen Ausgabe bis hin zu einem Bringdienst, der 84 Bedürftige mit Lebensmitteln beliefert. Bis zu zehn Stunden sei sie täglich auf den Beinen, organisiere, plane und koordiniere. Das schaffe sie nur, weil sie von so vielen Mitarbeitern tatkräftig unterstützt werde. „Was wir hier an Ehrenamt leisten, wissen nur die, die hier mitarbeiten. Wenn es sie nicht gäbe, müssten wir die Tafel schließen“, sagt Rieberer. An drei Tagen die Woche werden stundenlang unverzehrbare Lebensmittel aussortiert. Keine schöne Arbeit: „Wir bekommen zum Beispiel Spargel, Erdbeeren, Kirschen, die eigentlich für die Entsorgung vorgesehen sind und picken das Beste raus“, sagt sie.

  • Gemeinsam mit der Xantener Tafel:
DRK
    Spende von DRK und Aktion Mensch : Mundschutz für Bedürftige in Xanten
  • Kräftige Unterstützung für die Tafel (v.l.):
    Round Table Xanten : Helfer bringen Lebensmittel zu bedürftigen Menschen
  • Ein Dank an die treuen Kunden:
    Helfer in der Krise : Ein Dank an die Helden des Alltags

Trotz harter Arbeit habe sie das Gefühl, dass die Tafeln kaum zur Kenntnis genommen werden: „Es heißt immer Ärzte, Krankenschwestern, Verkäufer, sozialmedizinische Dienste – alle werden erwähnt, aber kaum jemand spricht von den Tafeln“, beklagt Rieberer.

Dabei sei die vermehrte Arbeit gar nicht das eigentliche Problem. Viel schlimmer sei die Ansteckungsgefahr, die sich der „harte Kern“ der Xantener Tafel täglich aussetze: Die 25 aktiven Mitarbeiter sind zwischen 52 und 86 Jahre alt, viele von ihnen sind chronisch krank – und gehören somit zu der Menschengruppe, die durch Corona besonders gefährdet ist. „Wir haben ja auch über unseren Bringdienst täglich Kontakt mit verschiedenen Kunden. Da muss nur eine Person infiziert sein und das Virus in die Tafel bringen“, sagt Rieberer. Um die älteren Mitarbeiter nicht unnötig in Gefahr zu bringen, wurden sie zu Beginn der Pandemie in Zwangspause versetzt und durch junge Studierende und Schüler ersetzt.

Auch Hilde Maas, mit 86 Jahren die älteste Mitarbeiterin, durfte nicht mehr in der Tafel aushelfen. Seit 14 Jahren ist sie dabei. „Am Anfang wusste ich gar nichts mit mir anzufangen“, erzählt sie. Die Arbeit habe sie sehr vermisst – denn die Tafel sei mehr als nur ein Ort, an dem Lebensmittel abgeholt würden. „Die Leute kommen auch, um zu klönen, um Gemeinschaft zu erleben“, erklärt Maas. Die ersten paar Wochen in der Corona-Zeit sei sie sehr vorsichtig gewesen und habe Menschenmengen gemieden: „Da musste ich auf mich Acht geben und wusste, dass ich wegen meines Alters nicht zur Tafel kann“, erzählt die Ehrenamtlerin. Inzwischen sieht sie die Situation ein wenig lockerer und arbeitet nun jeden Dienstag drei Stunden in der Tafel – mit Schutzmaske, Handschuhen und Sicherheitsabstand natürlich.

Auch Leiterin Rieberer setzt sich täglich der Ansteckungsgefahr aus. Während sie viele ihrer Mitarbeiter nach Hause geschickt hat, arbeitete sie weiterhin von Dienstag bis Freitag in der Tafel. Trotz ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen: Seit Jahren leidet sie an Diabetes, Bluthochdruck, ein Herzinfarkt kam hinzu. „Wenn ich mich mit Corona infiziere, überlebe ich das nicht“, sagt sie. Deswegen habe sie in den vergangenen Monaten unter besonders großer Anspannung arbeiten müssen. Immer in Sorge um ihre Mitarbeiter, aber auch um sich selbst. Deswegen sei sie so strikt in der Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen: „Wir müssen uns schützen, so gut es nur geht“, betont Rieberer. Deswegen sei es ihr auch so wichtig, dass sie und ihre Mitarbeiter gesehen werden: „Jeder kann arm werden, jeden kann es treffen. Tafelarbeit muss mehr geehrt werden“, sagt sie.