Weitere Stolpersteine werden verlegt Erinnerung an NS-Opfer aus Xanten

Xanten · Künstler Gunter Demnig verlegt am Samstag weitere zehn Stolpersteine in Xanten, um an NS-Opfer zu erinnern – und Schüler berichten dazu, was mit den Menschen geschehen ist, die früher in den Häusern lebten.

 Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus: Wolfgang Schneider (l.), Bürgermeister Thomas Görtz (3.v.r.) mit Lehrern, Schülerinnen und Schülern der Marienschule und des Stiftsgymnasiums. Sie halten Zettel mit den Namen derjenigen Menschen hoch, für die jetzt Stolpersteine verlegt werden.  
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Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus: Wolfgang Schneider (l.), Bürgermeister Thomas Görtz (3.v.r.) mit Lehrern, Schülerinnen und Schülern der Marienschule und des Stiftsgymnasiums. Sie halten Zettel mit den Namen derjenigen Menschen hoch, für die jetzt Stolpersteine verlegt werden. RP-Foto: wer

Foto: RP/Markus Werning

In Xanten werden weitere Stolpersteine verlegt, um an Menschen zu erinnern, die von den Nationalsozialisten nach 1930 drangsaliert, verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Dafür kommt am Samstag der Künstler Gunter Demnig in die Stadt. An der Marsstraße, an der Ecke von Orkstraße und Südwall sowie an der Scharnstraße wird er zehn Stolpersteine in die Gehwege einbauen. Zwei weitere sollen im nächsten Sommer hinzukommen.

Seit 1996 erinnert Demnig mit den Gedenksteinen an NS-Opfer, damit diese nicht vergessen werden. Dabei handelt es sich um Gedenktafeln aus Messing, auf denen der Name und die Lebensdaten der Menschen stehen. Vor deren früheren Wohnungen werden diese Metallplatten ins Straßen- und Gehwegpflaster eingelassen. 2006 und 2007 waren auch schon in Xanten Stolpersteine verlegt worden. Mit den zwölf am Samstag und den zwei weiteren im nächsten Sommer werden insgesamt 46 Messingtafeln im Stadtgebiet an Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

„Ein Mensch wird erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird“: Dieser Satz aus dem Talmud beschreibt, warum die Stolpersteine verlegt werden. Mit ihnen werde die Erinnerung an die Menschen lebendig gehalten, die einst in den Häusern wohnten, wo die Messingtafeln im Boden liegen, erklärte Wolfgang Schneider von der Eine-Welt-Gruppe. Der Verein hat die Schirmherrschaft für die Initiative in Xanten übernommen. Dabei wird er von Stadt und Schulen unterstützt. Sie beteiligen sich auch an der Finanzierung der Stolpersteine. Weitere Sponsorinnen und Sponsoren werden gesucht. „Es wäre ein gutes Signal“, sagte Schneider am Mittwoch, wenn durch das Engagement von Privatpersonen oder Gruppen der Bevölkerung diese Form des Gedenkens ermöglicht werde.

In verschiedenen Straßen Xantens liegen bereits Stolpersteine, zum Beispiel an der Karthaus, der Orkstraße, der Rheinstraße und der Bemmelstraße. Am Samstag wird der Schwerpunkt in der Marsstraße liegen: Vor der Hausnummer 65 und der Hausnummer 71 werden jeweils vier Stolpersteine verlegt, um an die Familien Oster und Seldis zu erinnern. Dazu werden Schülerinnen und Schüler des Stiftsgymnasiums und der Marienschule Texte vorlesen, in denen sie von den Menschen berichten, die früher in diesen Häusern gelebt haben. Wenn im nächsten Sommer weitere Stolpersteine verlegt werden, ist eine solche Zusammenarbeit mit der Gesamtschule geplant, erklärte Schneider.

Aktionen gegen das Vergessen seien wichtiger denn je, sagte Corinna Dickmann, Leiterin des Stiftsgymnasiums. Wenn junge Menschen über die NS-Zeit aufgeklärt werden, würden sie gegen die rechten Parolen geimpft und dagegen immun, erklärte Bürgermeister Thomas Görtz. Mit der Erinnerung an die NS-Opfer werde den Toten ein Gesicht gegeben, sie erhielten damit ihre Würde zurück, sagte Michael Lemkens, Leiter der Marienschule. Die Schulen behandeln die Verbrechen des Nationalsozialismus auch im Unterricht und in Arbeitsgruppen.

Info Das Sponsorenkonto für die Finanzierung der Stolpersteine in Xanten lautet: Eine-Welt-Gruppe Xanten, IBAN DE22 3545 0000 1250 0475 01, Stichwort: Stolperstein in Xanten.

(wer)