Bestattungskultur: Xanten startet Pilotprojekt zu Wiesengräbern

Bestattungskultur: Xanten startet Pilotprojekt zu Wiesengräbern

Auf dem Friedhof in Vynen wird ein 20 Quadratmeter großes Urnenfeld angelegt. Es geht darum, auf eine sich wandelnde Bestattungskultur zu reagieren. Immer mehr Menschen bevorzugen ein Urnengrab, das ohne großen Aufwand zu pflegen ist.

Die Bestattungskultur wandelt sich. Immer weniger Menschen möchten in einem Sarg ihre letzte Ruhe finden, immer ziehen ein Urnengrab vor. Auf dem Friedhof in Vynen zum Beispiel ist die Zahl der Urnenbestattungen von 2011 bis 2017 von drei auf 14 pro Jahr sprunghaft angestiegen. Zudem werden zunehmend pflegeleichte Gräber" nachgefragt. "Dieser Entwicklung möchten wir mit einer angepassten Friedhofsgestaltung Rechnung tragen", erklärt der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Vynen-Obermörmter Charly Kösters. Er regt die Anlage einer Wiesengrabfläche an. Im Bezirksausschuss stieß sein Vorschlag auf breite Zustimmung, so dass auf dem Friedhof in Vynen ein solches Areal angelegt werden kann. Der DBX-Verwaltungsrat, zuständig für die städtischen Friedhöfe, muss dem noch zustimmen.

Auf einer solchen Fläche wird die Urne auf einer Wiese beigesetzt. Ein eingelassener Gedenkstein mit Name sowie Geburts- und Todestag sowie gegebenenfalls einem Spruch erinnert an den Verstorbenen. Die Pflege geschieht ohne viel Aufwand. Nur das Grün muss mit einem Rasenmäher kurz gehalten werden.

Zunächst, so beschloss es der Bezirksausschuss, wird hierfür eine relativ kleine Fläche von rund 20 Quadratmetern reserviert. "Ein Pilotprojekt und eine Testphase", urteilt die Stadt in ihrer Stellungnahme und schließt nicht aus, dass Wiesengräber später auch auf anderen städtischen Friedhöfen sinnvoll sein können. Allerdings wurde in diesen Ortschaften bislang kein solcher Wunsch geäußert.

20 Quadratmeter hört sich zunächst einmal nicht viel an. Aber, so die Stadt: Bei durchschnittlich 16,9 Bestattungen pro Jahr und in der Annahme, dass die meisten Verstorbenen weiter auf herkömmliche Weise bestattet werden, "ist eine volle Auslastung der 20 Quadratmeter kurz- und mittelfristig unwahrscheinlich". Bei einem unerwartet hohen Bedarf an Wiesengräbern lasse sich die Fläche jedoch problemlos erweitern.

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Auf Wunsch der katholischen Kirchengemeinde wird vermutlich auch die Sargbestattung auf der Wiesenfläche möglich sein. Der vom Bezirksausschuss angenommene Vorschlag sieht 40 Urnen- und fünf Sarggräber vor.

Propst Klaus Wittke hatte in seiner Stellungnahme darum gebeten. Es sei ihm sehr daran gelegen. Dadurch ermögliche man zum einen den Wegfall aufwendiger Grabpflege, die häufig durch fehlende Angehörige vor Ort nicht zu leisten sei.

Zum anderen hätten alle die Möglichkeit, ihre Bestattungsform zu wählen. Könnten dort aber nur Urnengräber entstehen, müssten sich Menschen verbrennen lassen, um dort begraben zu werden. "Die christlich-jüdische Tradition empfiehlt und bevorzugt allerdings nach wie vor die Beisetzung in einem Sarg und nicht die Beisetzung in einer Urne, wenngleich sie natürlich auch Urnenbeisetzungen vornimmt", argumentiert der Propst.

Die Gräber sind so zu gestalten, dass sie für den Rasenmäher kein Hindernis darstellen. Die Bodenplatten dürfen also nicht aus der Erde herausragen. Außerdem sind Gegenstände wie Kerzen, Kreuze oder sonstiger Grabschmuck nicht gestattet.

(kump)