Xanten: Schulbus besteht Praxistest

Debatte in Xanten : Schulbus besteht Praxistest

An den Bushaltestellen der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck gibt es mittags immer viel Gedränge. Eltern beklagen, dass nicht alle Schüler in die Busse passen. Deshalb machten sie gemeinsam mit der Niag die Probe aufs Exempel.

Das Ganze erinnert ein wenig an „Die Sendung mit der Maus“. Wie viele Schüler passen eigentlich in einen Gelenkbus?, hatten sich Klaus van Husen und Jasmin de Vries von der Schulpflegschaft der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck gefragt. In Elternversammlungen wird seit Jahren immer wieder Kritik laut, dass die Kapazität der Schulbusse vor allem während der Stoßzeiten wie am Mittwoch um 13.15 Uhr nicht ausreiche, um alle Schüler nach Hause zu bringen (wir berichteten mehrfach). Stattdessen blieben Kinder und Jugendliche an der Haltestelle zurück und müssten auf die nächste Verbindung eine Stunde später warten. Oder sich von zu Hause abholen lassen. Nun also der Praxistest. Passen wirklich 110 Schüler in einen Bus, wie die Niag behauptet?

Laut Schild rechts vom Fahrersitz ist sogar von 52 Sitz- und 102 Stehplätzen die Rede, also von einer deutlich höheren Kapazität. Doch das hat der Gesetzgeber nur auf Basis des zulässigen Transportgewichts berechnet.

Gegen halb zwei am Mittwoch klingt das personelle Tohuwabohu an der Haltestelle Gesamtschule langsam ab. Die meisten Schüler haben ihre regulären Busse geentert und sind auf dem Weg nach Hause. Zurück bleibt eine große Gruppe von Kindern, die van Husen und de Vries organisiert haben. „Fünfte und sechste Klasse“, erläutert der Vorsitzende der Schulpflegschaft. Die Versuchskaninchen. Viele haben ihre sperrigen Rücksäcke und Tornister dabei, aber nicht alle. Der Gelenkbus fährt vor und öffnet nur die vordere Tür. Denn der Einstieg soll kontrolliert erfolgen. Klaus van Husen registriert jeden, der die zwei Stufen noch in den Fahrgastraum nimmt, neugierig beäugt von den mitgekommenen Eltern. Auch Vertreter der Marienschule sind da.

„35, 36, 37“ – van Husen zählt. Ihr zwölfjähriger Sohn, berichtet indes Manja Wagner, habe erst jüngst eine Stunde an der Haltestelle warten müssen, weil er nicht mehr in den 44er-Bus nach Kleve hineingekommen sei. „Die Fahrzeuge sind zu voll.“ Auch die 36 in Richtung Geldern sei eine solche Problemlinie, ergänzt Wolfgang Ebert. „Es ist grauenvoll.“ Sein Sohn gehe manchmal extra von der Gesamtschule zu einer anderen Haltestelle, um dort früher einsteigen zu können. „An der Gesamtschule musste er schon ein paar Mal zurückbleiben.“

„62, 63, 64“ – der Bus füllt sich schnell. Die Sitzplätze sind zuerst belegt, nicht alle Schüler, für die noch Stehplätze übrig bleiben, gehen bis ganz nach hinten durch. „Wir haben hier noch eine Luftblase“, urteilt Stephan Kreth. Er ist bei der Niag der Betriebsleiter ÖPNV und damit organisatorisch für den Busverkehr verantwortlich. „Körpergröße der Fahrgäste, mitgeführtes Gepäck, Bestuhlung im Fahrzeug und die Größe der freien Flächen beeinflussen die Zahl der Fahrgäste“, sagt er. Aber „bei einer Beförderung von jugendlichen Schülern in einem Gelenkbus mit einer Länge von 17,99 Meter ist üblicherweise eine sichere Beförderung auf Sitz- und Stehplätzen für bis zu 110 Personen möglich.“ Bei Grundschülern sind es weniger, da sie sich teilweise nicht an den Stangen festhalten können.

Am vergangenen Freitag hatte die Niag selbst mehrere Fahrgastzählungen im Schülerverkehr veranlasst. Resultat: Alles im grünen Bereich. „Weder bei den morgendlichen Hinfahrten noch bei den mittäglichen Rückfahrten wurde eine Vollauslastung der Busse festgestellt“, sagt der Betriebsleiter. „Vorab hat der von uns beauftragte Busunternehmer mitgeteilt, dass es aus seiner Sicht zu keinen Kapazitätsproblemen durch die Gesamtschule kommt.“ Jasmin de Vries sieht das Ergebnis kritisch: In sechs Klassen, meint sie, habe an jenem Tag der Unterricht früher geendet.

„108, 109, 110“ – Klaus van Husen macht einen Cut. Die von der Niag angekündigte Personenzahl passt. „Ein gutes Experiment und auch gut für die Eltern“, fasst er zusammen. Das Thema ist damit aber nicht vom Tisch. Man werde jetzt weiter das Gespräch mit der Niag suchen, um das Ergebnis auszuwerten, aber auch um zu besprechen, wie künftig keine Schüler mehr an der Haltestelle zurückbleiben müssen.

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