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Xanten: Sabine van der List geht in den Ruhestand - ein Interview

Interview mit Sabine van der List : „Es war mein Traumjob“

Die Wahl-Xantenerin Sabine van der List arbeitete jahrelang mit ihrem Team dafür, dass andere Menschen für einen Ausflug oder einen Urlaub in die Römer- und Siegfriedstadt kommen. Nun geht die Leiterin der Tourist Information in den Ruhestand.

Es ist 22 Jahre her, dass Sabine van der List ihren Traumjob fand: Damals, im Jahr 1998, wechselte sie zur Tourist Information Xanten (TIX). Weitere 15 Jahre später, im Jahr 2013, übernahm sie die Leitung der TIX. Ende des Jahres geht sie nun in den Ruhestand. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt sie zurück und spricht über ihre weiteren Pläne .

Frau van der List, wie sind Sie 1998 zur Tourist Information gekommen?

Sabine van der List Ich war vorher beim Xantener Reisebüro gewesen. Aber die Arbeit in der Tourist Information hatte mich immer schon gereizt, es war bereits damals mein Traumjob gewesen, und ich hatte durch die Arbeit schon Kontakt zu Peter Friese, dem damaligen Geschäftsführer der Tourist Information. Dann wurde eine Stelle frei. Sie war zunächst nur befristet, aber das war mir egal, ich wollte den Job.

Was reizte Sie an der Aufgabe?

Sabine van der List Die Arbeit im Reisebüro ist ein toller Job, nicht gerade in Corona-Zeiten, aber sonst. Allerdings muss man natürlich auch Sachen verkaufen und anpreisen, hinter denen man nicht voll steht. Xanten ist dagegen eine so tolle Stadt, damals schon, heute noch mehr, man kann voll hinter diesem Produkt stehen. Das hat mich daran gereizt. Außerdem interessiere ich mich für Geschichte, dazu findet man hier in Xanten an jeder Ecke etwas. Das war und ist für mich ein Traum.

Was hat Sie an Tourismus gereizt?

Sabine van der List Ich habe 1972 meine Ausbildung in einem Vollreisebüro gemacht, ich habe diesen Beruf von der Pike auf gelernt. Ich fand das immer schon spannend, mehr über andere Länder zu erfahren. Zu der Zeit war die Türkei noch ein exotisches Land. Durch die Arbeit im Reisebüro hatte man mehr Möglichkeiten, diese Länder kennenzulernen. Das hat mich gereizt. Auch der Kundenkontakt.

Wie attraktiv war Xanten 1998 für Touristen?

Sabine van der List Xanten war gut aufgestellt, aber mit heute ist es nicht vergleichbar. Es gab einige wenige Angebote für Touristen. Das haben wir aufgeräumt, sortiert und weiter ausgebaut, von Jahr zu Jahr. Das ist natürlich auch etwas, was ich im Reisebüro gelernt hatte: die passenden Angebote zu entwickeln und zusammenstellen.

An wen richten sich solche Angebote?

Sabine van der List Es sind Angebote an Einzelreisende, aber vor allem an Gruppen, auch nicht nur für mehrere Tage, sondern auch Tagesprogramme, wir haben verschiedene Sachen im Angebot. Es ist immer schön, wenn man die Gäste mehrere Tage hier hat. Aber wir haben überwiegend Tagesgäste, die morgens kommen und abends wieder fahren und einen schönen Tag in Xanten erleben wollen. Das muss man organisieren, aber auch so, dass es inhaltlich stimmig ist und den Gast nicht überfordert. Er soll sich auch entspannen und Spaß haben.

Wie erfahren Menschen von Xanten, wenn sie einen Ausflug oder Kurzurlaub machen wollen?

Sabine van der List Wir haben das Glück, dass Xanten am Niederrhein schon damals ein gewisses Standing hatte. Wir sind der touristische Leuchtturm in der Region. Aber natürlich darf man sich darauf nicht ausruhen. Deshalb arbeiten wir mit überregionalen Tourismusorganisationen zusammen, die uns mitvermarkten und Werbung schalten, das ist für uns in erster Linie der Niederrhein-Tourismus, aber auch der Ruhr-Tourismus und der NRW-Tourismus. Wir gehen auch auf Publikumsmessen und erzählen den Menschen, was sie in Xanten erleben können. Außerdem schalten wir Anzeigen und bemühen uns um Fernsehsender, sodass sie auch immer wieder hierher kommen, und man merkt es, wenn im Fernsehen ein Beitrag über Xanten gelaufen ist, dann klingeln anschließend die Telefone, dann ist Nachfrage da. Vieles geht auch über die Internetseite.

Woher kommen die Menschen, die Xanten besuchen?

Sabine van der List Tagestouristen kommen aus einem Radius von 100 bis 150 Kilometer, Übernachtungsgäste aus einem größeren Einzugsgebiet, etwa 300 Kilometer, in diesem Bereich werben wir auch. Wir haben das Glück, dass Xanten über die Region hinaus einen gewissen Bekanntheitsgrad hat. Einmal durch die Geschichte, durch den Siegfried, durch die Römer natürlich, durch die Ausgrabung und den Archäologischen Park, aber auch dadurch, dass wir die einzige Stadt mit X sind. Viele Menschen kennen Xanten auch deshalb, weil sie als Schüler im APX waren, als es im Unterricht um die Römer ging. Der eine oder andere kommt dann später mit der Familie wieder hierhin.

Erinnern sie sich, wie viele Menschen damals, im Jahr 1998, Xanten pro Jahr besuchten?

Sabine van der List Es gibt keine verlässlichen Zahlen dazu, damals nicht, heute nicht, weil wir natürlich nicht die Menschen zählen können, die in die Stadt fahren. Und nicht alle Tagestouristen besuchen eine Einrichtung wie ein Museum, wo sie gezählt werden. Wer nur einen Kaffee am Plaza oder am Markt trinkt, wird nicht gezählt. Aber dort, wo wir zählen, haben wir seit Jahren steigende Zahlen. Deshalb glaube ich, dass sich die Zahl der jährlichen Besucher in den Jahren verdoppelt hat.

Wie viel bringt der Tourismus der Stadt Xanten? Lässt sich das beziffern?

Sabine van der List Die Stadt lebt vom Tourismus, und man merkt es sofort, wenn die Touristen nicht kommen, so wie jetzt. Der Tourismus ist ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor für Xanten. Das lässt sich aber schwer in Zahlen ausdrücken. Die Touristen geben Geld in der Stadt aus, davon profitieren Gastronomie und Handel direkt. Aber es ist nicht nur das. Schauen Sie sich zum Beispiel die Wege für Radfahrer und Fußgänger rund um die Nord- und die Südsee an. Diese Infrastruktur hätten wir nicht, Xanten sähe ganz anders aus, wenn wir den Tourismus nicht hätten. Davon profitieren in erster Linie die Einheimischen.

Sind Sie manchmal erstaunt, wenn es trotzdem in der Stadt Diskussionen darüber gibt, ob zu viel für den Tourismus ausgegeben wird?

Sabine van der List Die Diskussionen wurden früher mehr geführt als heute. Ich habe den Eindruck, dass die Mehrheit der Xantener weiß, was der Tourismus wert ist und was er ihnen bringt. Dass der eine oder andere sich ärgert, wenn die Stadt an einem Wochenende voll ist, verstehe ich, und das ist in der Kernstadt sicherlich auch häufiger als in den Ortsteilen. Aber ich glaube, dass die Vorteile überwiegen und die Diskussionen nicht mehr so oft geführt werden wie früher. Wenn der Verkehr und die Besucherströme künftig stärker gelenkt werden, so wie es geplant ist, dann haben die Xantener auch gar nichts gegen die Touristen.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Sabine van der List Viele Pläne habe ich mir nicht gemacht. Erst einmal habe ich einfach mehr Zeit für mich. Und wir haben einen Hund, der freut sich, wenn ich jeden Tag mit ihm Fahrradfahren kann. Ich habe auch sehr agile Enkelkinder. Ich glaube, ich werde keine Langeweile haben.