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Xanten-Rheinberg: Wie Vereine durch die Corona-Krise kommen

Aktions VereinsLiebe : Wie Vereine durch die Krise kommen

Wettkämpfe werden gestrichen, Feste fallen aus, Versammlungen sind nicht möglich: Ein Vereinsleben ist seit fast einem Jahr kaum möglich. Viele lassen sich deshalb etwas einfallen, um einander Mut zu machen.

Ohne die Corona-Pandemie hätte Ralf Hußmann an diesem Wochenende ein volles Programm vor sich: Am Samstagabend wäre die Damensitzung des Xantener Carnevalsvereins (XCV), am Sonntagnachmittag die Kindersitzung, Hußmann würde als Vorsitzender jeweils hunderte Karnevalisten begrüßen. Aber beide Veranstaltungen können nicht stattfinden. Stattdessen wird Hußmann zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern Banner in der Stadt aufhängen. „Karneval macht kurz Pause, nächstes Jahr die große Sause, bleibt alle gesund!“, wird darauf stehen, zusammen mit einem weiteren Wunsch: „Bleibt jeck! Wir freuen uns auf Euch in der nächsten Session!“ Es gehe auch darum in Erinnerung zu bleiben, sagt Hußmann.

Mehr als solche Aktionen sind während des Lockdowns kaum möglich. Den meisten Vereinen geht es so. Birtens Bürgerschützen zum Beispiel würden eigentlich in diesem Monat ihr Winterfest feiern. Aber auch das geht nicht. „Das hat einige hart getroffen“, sagt Schriftführer Daniel Stutz. Ihnen fehle aber nicht nur das gemeinsame Feiern, sondern weit mehr: das Vorbereiten, Organisieren, Auf- und Abbauen – also das, was einen Verein ausmacht: als Gruppe etwas bewegen und umsetzen. Während der Corona-Pandemie ist es nur mit Abstand und digital möglich.

Viele Vereine sind deshalb kreativ geworden. So packte der Vorstand der Birtener Bürgerschützen kleine Säckchen mit Getränken, Snacks und einer Karte mit persönlichen Worten, brachte die Säckchen kontaktlos zu den Mitgliedern und forderte sie auf, dem Vorstand ein Selfie zu schicken – „um in schweren Zeiten ein deutliches Zeichen des Zusammenhalts zu setzen“. Das Königspaar antwortete direkt: Marcel Theyßen schickte von sich, seiner Frau Janah und den Kindern ein Foto. Es gibt zahlreiche Beispiele solcher Aktionen in der Region. Sie zeigen, wofür Vereine stehen: für Solidarität, Gemeinschaft, Ehrenamt.

 Birtens Bürgerschützen halten zusammen: Dafür steht das Foto von König Marcel Theyßen mit Frau Janah und den Kindern.
Birtens Bürgerschützen halten zusammen: Dafür steht das Foto von König Marcel Theyßen mit Frau Janah und den Kindern. Foto: Bürgerschützenverein Birten

Vermutlich ist das auch der Grund, warum sie bisher noch ganz gut durch die Corona-Krise kommen. Die meisten Mitglieder seien ihren Vereinen treu geblieben, hat zumindest der Landessportbund (LSB) NRW beobachtet, der rund 18.100 Sportvereine mit etwa fünf Millionen Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen vertritt. „Aber wir müssen sehen, wie sich das weiter entwickelt“, sagt Sprecher Frank-Michael Rall. Am Ende eines Jahres gebe es immer Mitglieder, die aus einem Verein austreten, weil sie diese Sportart nicht mehr machen wollen. Das sei nicht ungewöhnlich. Was dieses Mal aber fehlen werde, seien die vielen neuen Mitglieder, die zu Beginn eines Jahres eine neue Sportart anfangen – denn die Vereine sind seit mehr als zwei Monaten im Lockown und können nichts anbieten.

Deshalb rechnet der LSB mit einem Rückgang der Mitgliederzahlen, wie Rall erklärt. Damit es aber so wenige Austritte wie möglich sind, habe der Verband die Initiative „Wir machen #trotzdemSport“ gestartet. Auf der Homepage des LSB stehen Angebote, damit „möglichst viele Menschen verantwortungsvoll und sicher ihre heiß geliebten Sportarten ausüben können“.

 Aktion VereinsLiebe Logo / Aktion von Volksbank Niederrhein und Rheinische Post
Aktion VereinsLiebe Logo / Aktion von Volksbank Niederrhein und Rheinische Post Foto: Volksbank Niederrhein

Auf der Seite finden Vereine auch Informationen über eine mögliche finanzielle Unterstützung durch Bund und Land. Denn ihre Ausgaben laufen weitgehend weiter, aber Einnahmequellen wie Sommerfeste beispielsweise fehlen. Und wenn dann viele Mitglieder austreten, kann es schwierig und finanziell ziemlich eng werden.

„Wir bewegen Menschen.“ Mit diesen drei Worten endet das Leitbild von Concordia Ossenberg. Seit Wochen bewegt sich allerdings niemand mehr im Sportcenter an der Kapellenfeldstraße. Infolge der beiden langen Corona-Zwangspausen beklagt der Verein einen schmerzhaften Mitgliederschwund. Bis zum 31. Dezember haben die Geschäftsstelle 368 Abmeldungen erreicht. Vorwiegend Kinder und Jugendliche bis zum 14 Lebensjahr, aber auch Frauen in der Altersgruppe 25 bis 45 Jahre hätten die Concordia-Familie verlassen, berichtet der Vorsitzende des Sportvereins, Burghard Kretschmer.

Vor allem betroffen von den Abmeldungen waren die Mutter-Kind-Gruppen, Sportangebote für Kinder, aber auch Fitnesskurse. „Alles Bereiche, die wegen des Kontaktsportangebots gar nicht oder nur eingeschränkt angeboten werden konnten. Offensichtlich werden wir dort eher als Sportanbieter und nicht als Verein angesehen“, resümiert Kretschmer. Er rechnet bislang für 2021 mit Einnahmeverlusten in Höhe von 40.000 Euro. „Dazu kommen weitere Einnahmeausfälle durch den Wegfall der Reha-Sportangebote in Höhe von etwa 25.000 Euro.“ Die Teilnehmer in diesen Kursen seien in der Regel nicht Concordia-Mitglied.

Der Vorsitzende blickt dennoch positiv in die Zukunft: „Langfristig werden wir mit dem Aufbau weiterer Angebote und dem Ausbau des Fitnessbereiches wieder steigende Mitgliederzahlen haben.“ Die Concordia sei ein Sportverein mit immer noch 1505 Mitgliedern, über 70 Übungsleiterinnen und Übungsleitern sowie einem engagiertem Mitarbeiter-Team, der längst seinen festen Platz im gesellschaftlichen Leben der Stadt Rheinberg eingenommen habe.