Xanten René Steinberg bringt mehr als 200 Besucher unter freiem Himmel zum Lachen

Comedy an der Südsee : René Steinbergs Ausweg aus der Miesepetrigkeit heißt Humor

Der Comedian bringt seine 200 Zuhörer am Xantener Strandbad mit Goethe und Kant zum Lachen.

Eigentlich gibt es doch genug Themen für die vielen Kabarettisten, die so durch die Lande touren.  Politiker, die man auf die Schüppe nehmen kann, nicht nur solche, die sich förmlich aufdrängen, genau dies zu tun. Alltagsgeschichten und Anekdötchen, die jede(r) schon mal selbst erlebt hat oder vom Hörensagen kennt.  Aber muss es wirklich immer das digitale Zeitalter sein, mit dem sich Comedians und Handy-Verweigerer in ihren Programmen beschäftigen? Die Whatsapp-Generation kann schließlich echt nichts dafür, dass sie genau in der Zeit geboren und groß geworden ist, in der eine ganz andere Art der Kommunikation normal ist.

Aber irgendwie kommen Comedians offensichtlich an der digitalen Welt nicht vorbei. Und an Donald Trump. Und nicht an den Rentnern, den Golden Agern, die auf dem E-Bike durch Wald und Flur kacheln und deren Altersflecken in Wahrheit Insekten sind, die sich bei dem Tempo in des Rentners Haut festgesetzt haben. Das und noch viel mehr hatte auch René Steinberg auf der Pfanne, als er am Freitagabend unter freiem Himmel im Strandbad (sorry: Naturbad) an der  Südsee mit seinem neuen Programm „Freuwillige Vor! Wer lacht, macht den Mund auf“ gastierte.

Und er ging voll zur Sache, mischte sich unter die 200 Zuhörer und bat sie darum auszurasten, wenn er auf der Bühne stehe. Das sei hier sein persönliches Woodstock, sagte der Ruhrgebietsmensch und bekennende BVB-Fan, der seit 20 Jahren Radio macht und vor allem mit seinen Parodien  brilliert. Zum Beispiel, wenn er als Reiner Calmud zum Drive-In fährt, die Fensterscheibe runterkurbelt und „eine Schubkarre Pommes“ bestellt. Oder wenn er Roland Pofalla imitiert, der, als er noch im Bundestag saß, der Angela (Merkel) immer die Tasche trug und sich vor ihr in die Pfütze schmiss, damit sie trockenen Fußes zum Auto kam.

„Lacht kaputt, was euch kaputt macht“, riet Steinberg dem Publikum, sich mit Humor zu wehren, beispielsweise seine pubertierenden Kinder, wenn sie einem mal wieder auf den Keks gehen, einfach mal in der Disco in Rippenunterhemd und Schlabberhose freudig auf sie zuzugehen. Immer wieder reagierte der Comedian auf Dinge, die gerade im Publikum passierten, bezog es mit ein, als er aus Goethes Faust las. Und einmal, da wurde er in Anlehnung an Imanuel Kant auch philosophisch: „Freude ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Miesepetrigkeit“. Ein schöner Satz, den man einfach so stehen lassen kann – in der Hoffnung, dass viele Menschen ihn lesen.

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