1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Xanten: Reihe mit bunt bemalten Steinen wächst auf mehr als 1900

Zeichen der Verbundenheit : 1906 Mutmacher-Steine für Xanten

Die Corona-Krise macht kreativ: Überall in Deutschland liegen bunt angemalte Steine, die Menschen in Zeiten der Distanz miteinander verbinden sollen. Auch die Reihe im Kurpark wächst immer weiter.

Dass sich innerhalb weniger Wochen so viele bunt bemalte Steine im Xantener Kurpark aneinanderreihen, hätte Marion Augustinus nicht gedacht. Am 5. April legte die Initiatorin gemeinsam mit ihrer Tochter die ersten drei Steine auf den Bürgersteig gegenüber des Gradierwerks — nun sind es 1906, und jeden Tag kommen weitere hinzu. „Ich bin gespannt, wann wir die 2000 erreichen. Damit habe ich niemals gerechnet“, sagt sie.

Auf die Aktion sei Augustinus im Internet gestoßen. Auf Facebook habe sie gesehen, dass die Steinreihen zurzeit überall in Deutschland entstehen, als Reaktion auf die Corona-Krise. Sie sollen den Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit repräsentieren und die Menschen, die gerade auf Abstand leben müssen, symbolisch miteinander verbinden. „Ich wollte die Aktion unbedingt nach Xanten holen“, sagt sie. Trotzdem zögerte sie, bevor sie ihr Vorhaben umsetzte. „Mein Mann sagte mir, dass sich bestimmt nur fünf Steine ansammeln werden. Da hat er sich ein wenig verschätzt“, sagt sie und lacht. Nach zwei Wochen des Abwägens entschied sie sich für die Aktion. Kurzerhand druckte sie einen Zettel aus, auf dem sie alles erklärte, und legte ihn auf den Bürgersteig neben. Nach wenigen Tagen lagen dort schon mehr als 20 Steine. „Da wusste ich, dass ich mich richtig entschieden hatte“, sagt sie.

Fast jeden Abend geht sie nun im Kurpark spazieren, um die Steine zu zählen oder zu fotografieren. „Ich freue mich jedes Mal darüber. Es sind richtige Kunstwerke dabei“, sagt sie. Die Motive sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie bemalen. Tiere, Streifen, Punkte, mutmachende Worte — „der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, jeder kann mitmachen und malt das, worauf er gerade Lust hat“, sagt Augustinus. Wer bundesweit die Idee für die Mutmacher-Steine hatte, ist noch nicht bekannt.

Die Reaktionen auf die Aktion seien sehr positiv, sagt Augustinus. Auf ihren Spaziergängen trifft sie immer wieder auf Menschen, die sich bei ihr bedanken. Besonders gefreut habe sie sich, als sie erfuhr, dass viele Senioren ihren Abendspaziergang dazu nutzen, sich die immer weiter wachsende Steinreihe anzuschauen. Umso enttäuschter war sie, als ein Unbekannter vor einem Monat um die 500 Steine von dem Kunstwerk entfernte. „Ich bin davon ausgegangen, dass die Aktion damit gelaufen ist und sich niemand mehr beteiligt.“ Sie wurde überrascht: Nicht nur wuchs die Reihe wieder stetig, viele der verschwundenen Steine wurden außerdem wiedergefunden und auf ihren Platz zurückgelegt. Was mit der Steinreihe in Zukunft passiert, weiß Augustinus aber nicht. „Ich würde mich freuen, wenn sie einen festen Platz im Kurpark bekäme.“