Xanten: Private Brunnen reißen gesetzliche Nitrat-Grenzwerte

Xanten/Sonsbeck: Privatbrunnen mit Nitrat belastet

Für Sonsbeck meldet der VSR-Gewässerschutz einen Spitzenwert von 165 Milligramm pro Liter. Dabei handelt es sich aber nicht um Trinkwasser. KWW und Lineg betonen, dass sie die Grenzwerte einhalten.

In Proben aus privaten Brunnen hat der VSR-Gewässerschutz teilweise gravierende Nitratwerte im Grundwasser festgestellt. Nach Angaben von Physiker Harald Gülzow, Pressesprecher des Umweltverbandes, lag jede vierte untersuchte Probe über dem Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Ganz oben bei den ausgewerteten 45 Wasserproben steht ein Brunnen in Sonsbeck mit 165 mg/l. Weitere Ausreißer waren Proben in Marienbaum mit 70 mg, in Vynen (96 mg), Beek (78mg) und Birten (72 mg). „Das Wasser ist wegen der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, schreibt Gülzow in einer Pressemitteilung.

Der Physiker hat als einen Verursacher die intensive Landwirtschaft ausgemacht: „Diese hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausgeweitet. Gleichzeitig konnte die umweltverträgliche Form – der ökologische Landbau – kaum wachsen. Hier müssen vor allem die Verpächter handeln.“ Der VSR-Gewässerschutz rät dazu, landwirtschaftliche Flächen künftig nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

Zudem warnt Gülzow ausdrücklich davor, das aus privaten Brunnen geförderte Grundwasser zum Befüllen des Fischteichs zu verwenden. „Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zum Fischsterben führen.“ Darüber hinaus führe das mit Nitrat belastete Grundwasser beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung, die man bei der Berechnung des Stickstoffbedarfs berücksichtigen müsse. Nur so könnten Überdüngung und Nitratanreicherung im Gemüse verhindert werden.

Nach Angaben des Kommunalen Wasserwerks KWW in Rheinberg hat das eigene geförderte Wasser ein Nitratgehalt von unter 10 mg/l. Aus gleichen Gründen sieht die Lineg keine Belastung des Grundwassers durch Nitrat. „Gerade die Maximalwerte sind ohne Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten sehr kritisch zu sehen“, kommentiert Dr. Harald Heetjans, Fachbereichsleiter Chemie, die Ergebnisse des VSR. „Eventuell liegt der Brunnen direkt am Abstrom des eigenen Kompost- oder Misthaufens oder der eigenen Abwasseranlage. Oder es wurde kurz vorher im eigenen Garten gedüngt.“ Das in den Wasserschutzgebieten gewonnene Trinkwasser werde regelmäßig untersucht – dort gelten auch strengere Auflagen bei der Düngung. Die Ergebnisse müssen veröffentlicht werden und seien im Internet abrufbar.

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Der Vorsitzende der Kreisbauern Wesel, Wilhelm Neu, weist die Kritik des VSR-Gewässerschutz an der intensiven Landwirtschaft zurück. „Leider müssen wir immer wieder dafür herhalten“, sagte er auf Anfrage der Redaktion. Die Kreisbauernschaft werde mit Öffentlichkeitsarbeit dagegen halten. Für Ende August ist eine Informationsveranstaltung geplant, „um die Zusammenhänge zu erklären, wie warum welche Zahlen in welche Richtung gehen. Die Landwirtschaft muss nicht nur reagieren, sondern agieren.“

Trotz der steigenden Nachfrage nach ökologischen Produkten steige nicht die Grundwasserqualität, betont VSR-Sprecher Gülzow. Nicht einmal sechs Prozent der landwirtschaftlichen Flächen würden vom umweltverträglichen Landbau bewirtschaftet. Der große Bedarf werde durch über weite Strecken transportierte Lebensmittel gedeckt.

Besitzer von Brunnen können dem Verein eine Wasserprobe aus dem eigenen Garten oder Feld zusenden, um die Nitratbelastung prüfen zu lassen. Infos dazu stehen im Internet auf www.vsr-gewaesserschutz.de/analyse/.

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