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Xanten plant Röhren-Gräber für Urnen

Wandel in der Bestattungskultur : Xanten plant Röhren-Gräber für Urnen

Die Stadt Xanten will eine weitere Bestattungsform anbieten, bei der sich die Angehörigen nicht um die Grabpflege kümmern müssen. Offen ist, wie viele Urnen in eine Röhre passen und ob sich Fremde eine Ruhestätte teilen müssen.

Auf dem städtischen Friedhof in Xanten sollen Röhren-Gräber für Urnen errichtet werden. Die Alternativen zur traditionellen Sargbestattung würde damit um eine weitere pflegelose Form erweitert. Dafür soll auf dem Gelände von einem Gärtner eine Fläche angelegt werden. Dort würden die Röhren im Boden versenkt, um darin die Urnen übereinander zu stapeln. Die Grabpflege wird nicht von den Angehörigen übernommen, sondern von der Friedhofsverwaltung.

Der Verwaltungsrat des städtischen Dienstleistungsbetriebs (DBX) berät am Donnerstag, 9. Dezember, darüber. Der Bezirksausschuss Xanten hat sich in seiner Sitzung im September dafür ausgesprochen. Er kann aber nur beraten. Für die Gestaltung und Unterhaltung der Friedhöfe ist der DBX zuständig. Deshalb fällt der Beschluss in dessen Verwaltungsrat. Der Dienstleistungsbetrieb hat ihm einen Gestaltungsvorschlag für die Fläche vorgelegt. Die Kosten, um das Gelände anzulegen und die Urnen-Röhren-Gräber einzubauen, würden bei knapp 72.600 Euro liegen, wie aus der Vorlage für die Beratung hervorgeht.

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Sollten der Verwaltungsrat dem Vorschlag zustimmen, müsste er auch entscheiden, wie viele Urnen in eine Röhre kommen. Nach Ansicht des Bezirksausschusses sollten es bis zu vier sein. Das sei grundsätzlich möglich, würde in der Praxis aber zu Schwierigkeiten führen, erklärte der DBX. Die Plätze in Vierer-Röhren würden – analog zu Urnenreihengrabstätten – sukzessive nacheinander vergeben. Die Plätze in Zweier-Röhren würden dagegen – analog zu Urnenwahlgrabstätten – als Partnergräber betrachtet, in denen Menschen gemeinsam bestattet werden könnten.

Nun warnt der DBX: Sollte die Politik entscheiden, dass es nur Vierer-Röhren, aber keine Zweier-Röhren geben soll, „bestünde bei der Urnen-Röhren-Bestattung keinerlei Möglichkeit für zwei einander nahestehende Personen, ein für sie exklusives Urnen-Röhren-Grab zu wählen“. Stattdessen müssten sie sich ihre Grabstätte „immer mit weiteren bestatteten Personen teilen“. Oder sie würden die Nutzungsrechte an einer Vierer-Röhre erwerben, aber nur zwei Plätze belegen.

Die Kosten für ein Partnergrab würden dadurch aber höher sein als für eine Zweier-Röhre. „Eine derartige Handhabung ist insofern nicht praktikabel und widerspricht im Übrigen der bereits vorhandenen expliziten Nachfrage nach Partnergräbern in urnen-Röhren“, berichtete der DBX. Sollte die Nachfrage insgesamt so groß sein, dass es später Kapazitätsengpässe geben sollte, könnten „problemlos“ weitere Urnen-Röhren angelegt werden.

Der DBX-Verwaltungsrat wird noch über eine zweite geplante Änderung auf dem städtischen Friedhof sprechen: Die CDU hat vorgeschlagen, einen Memoriengarten anzulegen. Die Idee wurde vom Bezirksausschuss schon begrüßt. Dennoch schlägt der DBX vor, die Umsetzung zurückzustellen. Zunächst soll ein neues Konzept für den Friedhof entwickelt werden. Dafür ist zunächst eine Bestandsaufnahme aller Grabflächen vorgesehen. Dieser Prozess „dauert noch an und ist bisher nicht abgeschlossen“, schreibt der DBX.

Wie die Stadtverwaltung in den Unterlagen für den Bezirksausschuss im September erklärt hatte, sind Memoriengärten Teilbereiche auf Friedhöfen, „die gärtnerisch besonders gestaltet werden und in die Grabstätten verschiedener Arten integriert sind“. Der Grundgedanke liege darin, Angehörige von der Grabpflege zu entlasten. „Die Anlagen werden gärtnerisch aufwendig gestaltet und bieten den Angehörigen die Gewissheit, dass die Grabmale ihrer Verstorbenen dauerhaft gepflegt und in einem würdigen Zustand gehalten werden.“

An den einzelnen Grabstätten innerhalb eines Memiorengartens würden kleinere Grabsteine platziert, auf denen Namen und Lebensdaten der Verstorbenen verzeichnet seien. Außerdem würden auf der Fläche Bänke oder andere Sitzmöglichkeiten aufgestellt, um ein Verweilen vor Ort zu ermöglichen.

(wer)