Xanten: Neue Ideen fürs alte Amphitheater

Historische Spielstätte in Birten : Neue Ideen fürs alte Amphitheater

Das Planungsbüro Stadtart stellte in der früheren Grundschule Birten seine Ideen für eine künftigen Nutzung vor: ein Mischung aus Spielstätte und Zeugnis der römischen Vergangenheit. Weitere Vorschläge sind erwünscht.

Vor 2000 Jahren massakrierten sich hier zur Unterhaltung der Bürger und Legionäre die Gladiatoren. Dann geriet das Amphitheater Birten über viele Jahrhunderte hinweg in Vergessenheit, ehe es im vergangenen Jahrhundert eine neue – diesmal friedliche – Blütezeit als Aufführungsort erlebte. Es folgte erneut eine kulturelle Brache mit zuletzt zaghaften Versuchen eines Neuanfangs. Doch wie soll es weitergehen? Dazu hat ein von der Stadt beauftragtes Planungsbüro erste Ideen erarbeitet, die nun in der ehemaligen Grundschule Birten vorgestellt wurden. In Stein gemeißelt ist nichts; die Bürger hatten und haben die Möglichkeit, den Faden aufzunehmen und weitere Vorschläge zur Nutzung zu machen.

Die Ausgangslage ist klar: Das Halbrund auf dem Fürstenberg ist das einzige in der Originalsubstanz noch erhaltene Erdamphitheater im ehemaligen Römischen Reich, also einmalig, eingetragen als Bodendenkmal und damit rechtlich besonders geschützt. Große Veränderungen dürfen also nicht vorgenommen werden. Heute ist der Kern des Denkmals wenig sichtbar, auch wegen der ständig dort aufgebauten Kulissen des Piratentheaters, das dort seit einigen Jahren im Sommer seine Geschichten aufführt. Der Eingangsbereich ist unscheinbar, die Ausschilderung verbesserungswürdig, erklärte Stadtplaner Ralf Ebert vom Büro Stadtart. Dazu kommt, dass es möglicherweise in zwei Jahren als Teil der antiken Abwehranlage Limes zum Weltkulturerbe erklärt wird. Es streiten also zwei Positionen um die künftige Nutzung: Roms Erbe und eine heutige Spielstätte.

Die Piraten wollen auch 2020 an den Start gehen, berichtete Ebert aus seinem Gespräch mit der Truppe. „Sie denken daran, sich noch intensiver zu engagieren.“ Ähnliche Signale gab es auch vom Veranstalter der Sommerfestspiele. Als zusätzliche Angebote kann sich der Stadtplaner zum Beispiel ein Open-Air-Kino und ein Chorfestival des Sängerkreises Wesel vorstellen.

Aber alles in Maßen. Ebert schlug acht Veranstaltungswochenenden in den warmen Monaten vor. Außerdem sollte bei den Sitzplätzen deutlich abgespeckt werden. Zu viele Angebote würden die Nutzungskonflikte erhöhen, wegen Lärmemissionen auch mit den Anwohnern. Der Verein Freilichtspiele käme an die Leistungsgrenze, das Amphitheater könnte weniger als Bodendenkmal erlebt werden. Die jetzigen Bänke bieten 1800 Besuchern Platz, der Dortmunder Stadtplaner schlug eine Reduzierung auf 700 bis 800 vor. Damit könnten auch die Piraten hinkommen, trotz der rasant gestiegenen Besucherzahlen in den vergangenen drei Spielzeiten. 2016 waren es 1000 Gäste bei vier Veranstaltungen, im letzten Jahr 3000 Zuschauer bei acht Aufführungen und Konzerten. Zudem müsste die Technik modernisiert werden, die Kulissen sollten nicht über die Aufführungen hinaus stehen bleiben, die Betontribünen könnten eventuell abgerissen werden. Der Landschaftsverband Rheinland als Wächter der römischen Bodendenkmäler steht einer Spielstättennutzung positiv gegenüber. Es sei eine Chance, kein Konflikt der verschiedenen Nutzungsarten, sagte eine Vertreterin des LVR. Das Amphitheater führe so die Tradition von 2000 Jahren fort. Aber sie warnte auch vor zu starken baulichen und optischen Veränderungen. Sie sprach sich für einen Rückbau der modernen Betontribünen aus. Aber man dürfe das Erscheinungsbild nicht grundlegend verändern.

Stadtart nimmt in den kommenden Wochen weitere Vorschläge für eine Nutzung entgegen. Erste Ideen kamen spontan aus dem Kreis der Zuhörer: Schulaufführungen, historische und authentische Römermärsche, Veranstaltungen im Verbund mit dem Archäologischen Park (APX), Kleinkunst, Anlaufpunkt für Klassenfahrten. APX-Leiter Martin Müller schlug eine stärkere Präsentation des Bodendenkmals vor, wenn es Teil des Weltkulturerbes werden sollte. Dann gebe es „touristisch einen unheimlichen Push. Es wäre eines der Highlights.“ Weitere Vorschläge können an das Planungsbüro geschickt werden: mail@stadtart.com.

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