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Xanten: Mit dem Sessel-Lift in die Xantener Stuben

Barrierefreiheit in der Gastronomie : Mit dem Treppen-Lift in die Xantener Stuben

Gastronom Holger Schneidereit hat in mehr Barrierefreiheit investiert. Gäste mit Gehbehinderung müssen sich die Eingangsstufen nicht mehr hochquälen. Sie drücken nun einen Knopf und lassen sich bequem emporfahren.

Das Angebot der Xantener Stuben hat Ursula Schülke schon immer überzeugt. Die 77-Jährige gehört zu den Stammgästen des Restaurants, weil ihr dort, wie sie sagt, das Essen so gut schmecke, das Personal so nett sei und das Ambiente stimme. „Man fühlt sich hier zuhause“, betont sie. Nur mit einem hatte die Xantenerin Probleme: Um ihr Lieblingslokal besuchen zu können, musste sie vorab die vier Eingangsstufen überwinden. Eine große Hürde für die Seniorin mit Gehbehinderung. Wenige Meter schafft Ursula Schülke aus eigener Kraft, für weitere Wege oder gar Treppen benötigt sie jedoch Hilfe. „Der Aufstieg lief immer nach dem Prinzip ab: einer zieht, einer schiebt“, sagt die Stammkundin schmunzelnd. „Eine hilfreiche Hand hat man hier immer gefunden.“ Gastronom Holger Schneidereit wollte es dabei aber nicht belassen. Er investierte in einen Treppen-Lift, um mehr Barrierefreiheit in seinem Restaurant zu schaffen. Der Einbau kostete ihn 2700 Euro.

Nun muss sich Schülke die Stufen nicht mehr mühsam hochquälen, sondern kann sie bequem hochfahren. Und das dank eines neuen gläsernen Vordachs sogar vom Regen geschützt. Oben stehen ein betriebseigener Rollator sowie ein Rollstuhl bereit, um sich im Lokal frei bewegen zu können. „Holger Schneidereit hat an alles gedacht, das ist nicht selbstverständlich für einen Fußgänger“, lobt Schülke. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ein Gastronom so etwas aus eigenem Antrieb einbaut.“ Mit dieser Meinung ist die Seniorin nicht allein. Auch Volker Markus, Ortsverbandsvorsitzender des Sozialverbands VdK, freut sich über die Investition des Restaurantbetreibers. „Allein im VdK gibt es viele Mitglieder mit Einschränkungen“, erklärt er. „Für uns ist der Umbau ein Grund, die nächsten Treffen hier abzuhalten.“ Denn gerade im Stadtkern gebe es viele Gastronomien, die nicht barrierefrei seien. „Die sind zwar ebenerdig betretbar, haben aber oft die Toiletten im Keller“, erklärt Markus. Das liege an der Gebäudesubstanz. Vor 40, 50 Jahren habe kaum jemand auf Barrierefreiheit geachtet. „Und der Denkmalschutz verträgt sich auch nicht immer damit, wenn jemand behindertengerecht umbauen will“, so Markus. Umso mehr freut sich der VdK-Vorsitzende über das „Positivbeispiel der Xantener Stuben“, wie durch eine kleinere Baumaßnahme einer großen Gruppe von Menschen geholfen werden kann.

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Dabei war ursprünglich ein größerer Umbau geplant. „Ich wollte eigentlich die linke Mauer an der Treppe entfernen und eine Rampe entlang der Hauswand errichten“, erzählt Restaurantbetreiber Schneidereit. Doch die Rampe wäre dann zu steil geworden, ergänzt er. Die Stadt Xanten habe dafür keine Genehmigung erteilt. Um einen flacheren Winkel zu erreichen, hätte die Rampe in Kurven angelegt werden müssen. Das wäre aber nicht nur teuer geworden. „Es hätte mir auch die komplette Terrasse verbaut“, sagt Schneidereit. Und dort hatte der Gastronom andere Pläne. Während der Pandemie hat Schneidereit, der die ehemalige Kneipe vor fünfeinhalb Jahren übernommen, aufwendig grundsaniert und zum Restaurant umfunktioniert hatte, einen zusätzlichen Außensitzbereich geschaffen. Jetzt bieten die Xantener Stuben 75 Sitzplätze im Inneren und 60 Sitzplätze auf der Terrasse. Fertig ist der Gastronom dennoch nicht. „Ich bin viel unterwegs und lasse mich gerne für weitere Maßnahmen inspirieren“, sagt er.

(beaw)