Xanten: Minutenzeiger hängt wieder am Xantener Dom

Reparatur in 43 Metern Höhe : Minutenzeiger hängt wieder am Xantener Dom

Der Xantener Dom hat seinen Minutenzeiger zurück

Die Uhr am Xantener Dom ist wieder repariert. Damit der Minutenzeiger auch nicht wieder herunterfällt, ist er doppelt festgemacht worden. Sicher ist sicher.

Menschen blieben stehen, legten den Kopf in den Nacken und schauten den Xantener Dom hinauf. Dort oben, knapp unterm Dach des Südturms, hielt Johannes Schubert den Minutenzeiger der Uhr in seinen Händen und schob das acht Kilogramm schwere Kupferblech wieder an seinen Platz. Dabei stand er auf einer dreieinhalb Meter langen und knapp einen Meter breiten Arbeitsbühne, die etwas im Wind wackelte. Dass es unter ihm 43 Meter in die Tiefe ging, war ihm nicht anzumerken. „Wenn mir die Höhe etwas ausmachen würde, hätte ich den falschen Beruf“, sagte der Leiter der Dombauhütte gut gelaunt. Die Anspannung fiel langsam von ihm ab.

Vor drei Tagen, am Sonntag, war der Zeiger heruntergefallen und vor dem Dom aufgeprallt. Zwar war niemandem etwas passiert. „Darüber sind wir heilfroh“, sagte Kaplan Christoph Potowski. Schuberts Mitarbeiter hatten das Kupferblech auch schnell wieder geradegebogen. Jedoch konnten sie vom Boden aus nicht feststellen, ob es sich auch wieder anschrauben ließe. Dafür mussten sie erst einmal nach oben kommen und überprüfen, ob das 12 Millimeter dicke Gewinde der Vierkantwelle, auf dem der Zeiger wieder sitzen sollte, unbeschädigt gelieben war. Und das war nicht so einfach.

Zwar gibt es Arbeitsbühnen, die sich sogar bis auf 100 Meter hochfahren lassen. Aber dann stehen sie auf Fahrzeugen, die zu lang für die schmalen Gassen am Dom sind. „Das ist ein Nadelöhr“, sagte Andreas Kalenberg von der Duisburger Niederlassung der Firma Gerken. Der Lastwagen, mit dem er und seine Kollegen schließlich nach Xanten gekommen waren, konnte seine Arbeitsbühne auf maximal 46 Meter hochfahren – und passte mit seiner Länge von etwas mehr als zehn Metern gerade noch so um die Kurven am Dom. „Wir mussten mehrmals vor- und zurücksetzen, dann ging es“, berichtete Kalenberg.

Etwa zwei Stunden später kehrte Schubert aus 43 Metern Höhe auf den Boden zurück und lächelte: Mehrmals war er mit der Bühne nach oben gefahren, hatte sich die Uhr angesehen, sich mit seinen Mitarbeitern beraten, schließlich den Minutenzeiger mit hochgenommen, ihn wieder auf seinen alten Platz gesteckt und mit einer zwölf Millimeter dicken Mutter festgezogen. Gegen 15.30 war die Uhr am Südturm wieder komplett.

Nach Angaben der Propsteigemeinde St. Viktor stammt sie aus dem Jahr 1927 und hatte damals eine Einzeigeruhr ersetzt. Den Zweiten Weltkrieg überstand sie weitgehend unbeschadet, im Gegensatz zur Uhr im Nordturm, die zerstört wurde. 1958 wurden die Zifferblätter und die Zeiger im Südturm restauriert, um 1990 herum wurde das Kupferblech mit Lackfarbe vergoldet. Schließlich wurden die Ringe 2015 mit einem Eisenglimmeranstrich überzogen und die Ziffern sowie die Zeiger neu vergoldet. Damals seien sie das letzte Mal oben gewesen und hätten die Uhr überprüft, sagte Schubert. „Wir haben keine Beschädigung festgestellt.“ Es bleibt ein Rätsel, warum das Kupferblech heruntergefallen ist.

Eine Erklärung dafür hatte Schubert auch oben an der Uhr nicht finden können. „Vielleicht hat sich die Mutter gelöst, wir wissen es nicht, sie ist weg.“ Um so etwas aber künftig auszuschließen, sicherten er und seine Mitarbeiter den Zeiger zusätzlich ab: Sie bohrten ein Loch in die Vierkantwelle, frästen ein Gewinde hinein, schoben eine Scheibe auf die Vierkantwelle und drehten eine Schraube hinein. Zusätzlich verklebten sie das Ganze. „Sollte sich die Mutter doch wieder lösen“, erklärte Hilmar Müllter von der Dombauhütte, „dann sitzt sie durch die zusätzliche Schraube und den Kleber trotzdem fest.“ Und wo die Mitarbeiter der Dombauhütte schon einmal oben waren, hatten sie auch das Ziffernblatt und den Stundenzeiger kontrolliert – alles saß fest. Schubert war zufrieden.

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