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Xanten: Michele Nolde alias Ley will als Sängerin durchstarten

Sängerin aus Xanten : „Musik war immer mein Halt im Leben“

Michele Nolde schreibt unter dem Künstlernamen Ley eigene Lieder, die von persönlichen Erlebnissen erzählen. Nun will die Sängerin mit einer Solokarriere durchstarten.

Am „Klang der Stille“ haben sich schon einige Sänger erfolgreich versucht. Passenger beispielsweise, Todd Hoffmann oder Nouela, die auf dem Youtube-Kanal ihre Interpretation des Simon-and-Garfunkel-Klassikers aus dem Jahr 1964 mit einem Video untermauert, das Menschen zeigt, die einsam sind, verzweifelt wirken, weinen. Eines der wohl eindringlichsten Cover und mit 544 Millionen Aufrufen einen absoluten Spitzenreiter kreierte die Metal-Band „Disturbed,“ die den „Sound of Silence“ singt wie niemand zuvor. Mit tiefer, kehliger Stimme. „This guy has the voice of both: An angel and a devil“ („Der Kerl hat die Stimme von beiden: einem Engel und dem Teufel“), bringt es ein User im Youtube-Kanal auf den Punkt.

Auch „Vetera Trajana“ hat den „Sound of Silence“ neu interpretiert. Ein dreiköpfiges Musikprojekt aus Xanten, das in seinem Studio am Küvenkamp Klassikern der Rock- und Popgeschichte mit einer Mischung aus Rock und elektronischen Elementen „einen melancholischen Charakter verleiht, ohne dass diese dabei an Wiedererkennungswert verlieren“. Die Musiker bedienen sich dafür auf dem regionalen Musiker-Markt, haben sich für den Simon-and-Garfunkel-Song beispielsweise Til Vromans (Gesang) und Kristina Goertz (Trompete) dazugeholt – und Michele Nolde, Künstlername Ley. Eine 35-Jährige mit unglaublicher Stimme. Vor elf Jahren zog sie mit ihrem damals sechsjährigen Sohn von Duisburg nach Xanten, kellnerte unter anderem in der damals noch existierenden Kneipe „Vips“. Seit zwei Monaten wohnt Ley auf dem Bringshof am Veener Weg, mit ihrem Lebensgefährten Sascha, acht Katzen und Hund Sid.

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„Musik war immer mein Halt in meinem Leben“, sagt die gelernte Restaurantfachfrau, die auch in dem von Irena Möbus gegründeten Chor „Xantiamo“ singt und vor eineinhalb Jahren angefangen hat, sich selber das Gitarre-Spielen beizubringen. Mittlerweile beherrscht sie die sechs Saiten gut genug, um sich selber bei ihren Songs zu begleiten, die sie schreibt und komponiert. „Meistens mach’ ich Pop, mit ein bisschen Rap drin.“ Deutsche Texte, ähnlich wie die Bands „Rosenstolz“ oder „Silbermond“. Fünf eigene Stücke hat sie schon im Studio von „Vetera Trajana“ aufgenommen; der Kontakt kam über ihren Lebensgefährten zustande, der mit Christoph Theißen befreundet ist, Schlagzeuger bei den „Veteranen“.

Michele Nolde ist in Duisburg bei den Großeltern aufgewachsen, singt, seit sie zwei Jahre alt war. Die Kassette, die der Opa aufnahm, als sie „Alle meine Entchen“ sang, die hat sie immer noch. Ihr erstes Lied hat Ley vor dreieinhalb Jahren geschrieben, am Sterbebett der Großmutter. „Warten auf den Tod“ heißt es, und wenn sie es singt, steigen (nicht nur) ihr die Tränen in die Augen. In ihren Texten spiegeln sich ihre eigene Geschichte und ihre Wünsche. „Luan heißt Löwe“ ist beispielsweise das Lied, das sie für ihren Sohn geschrieben hat, der bei ihrer Mutter in Duisburg lebt und in zwei Jahren Abitur macht. „Du bist als Sohn, ich als Mama geboren. Ich hab’ dir ewige Treue und Liebe geschworen“, singt Ley.

Sie habe viel erlebt, erzählt die 35-Jährige, die weder Noten lesen kann, noch jemals eine Gesangs-Ausbildung absolviert hat und deren Vorbild die US-Sängerin Pink ist. „Aber ich habe Gutes aus meinem Leben gemacht.“ Und sie tut auch Gutes für andere, engagiert sich beim Arbeitskreis Asyl, hilft donnerstags bei der Tafel an der Boxtelstraße, passt montags bis mittwochs auf Kinder von Flüchtlingen auf, während deren Eltern Deutschkurse besuchen. „Öffne uns die Tür“ hat sie sich auf ihrem rechten Schlüsselbein tätowieren lassen, ein Satz, der für alle Menschen stehe, die ausgegrenzt werden. Ihr Wunsch wäre es, einmal von ihrer Musik leben zu können, sagt sie, greift zur Gitarre und stimmt einen weiteren Song an, den sie geschrieben hat. „Ich wünsch’ mir, dass mein Sohn immer gute Freunde hat. Ich wünsch’ mir so sehr, dass wir beide immer offen bleiben. Ich kann die Welt nicht verändern, ich weiß. Aber mich kann ich verändern“.